Foliengeschäft soll an Konsortium veräußert werden
WCM filetiert Klöckner-Werke

Die Duisburger Klöckner-Werke werden zerschlagen. Der neue Großaktionär WCM will das Foliengeschäft an ein Konsortium um den Ex-Thyssen-Chef Dieter Vogel veräußern. Klöckner-Vorstandschef Schmitz zieht wegen des überraschenden Strategiewechsels die Konsequenzen: Er wird den Maschinen- und Anlagenbauer verlassen.

HB HAMBURG. Heinz-Ludwig Schmitz, Vorstandsvorsitzender der Duisburger Klöckner-Werke AG, und sein Finanzvorstand, Siegfried Barschkett, werden vor Ablauf ihrer Vorstandsverträge den im MDax notierten Maschinen- und Anlagenbauer verlassen. Sie ziehen damit die Konsequenzen aus der bevorstehenden Filetierung des Unternehmens durch den vor einigen Monaten eingestiegenen Frankfurter Großaktionär WCM Beteiligungs- und Grundbesitz AG. Der vorzeitige Abgang soll den Vorständen mit einer Abfindungszahlung in Millionenhöhe versüßt werden, heißt es aus unternehmensinternen Kreisen. Der Vorstandsvertrag des Klöckner-Chefs Schmitz läuft noch bis 2004.

Klöckner-Aufsichtsratschef und WCM-Vorstandsmitglied Roland Flach wollte sich auf Anfrage des Handelsblatts zu den Personalveränderungen nicht äußern. Er verweist auf die am Montag stattfindende Aufsichtsratssitzung, auf der über "Vorstandsangelegenheiten" gesprochen werden soll. Flach kündigt jedoch an, dass die Klöckner-Werke im Anschluss an die Sitzung des Kontrollgremiums eine Erklärung abgeben werden. Die Klöckner-Aktie stieg am Freitag leicht um 2,47 auf 18,65 Euro. Die Notierung der WCM lag hingegen unverändert bei 18,40 Euro.

Abrupter Strategiewechsel

Dass sich Schmitz und Barschkett von ihren Posten zurückziehen, liegt an dem abrupten Strategiewechsel des WCM-Konzerns bei dem Duisburger Unternehmen. Denn entgegen ursprünglicher Absprachen mit den Konzernspitzen will sich der Klöckner- Großaktionär nach Informationen aus Bankenkreisen nun doch von dem ertragreichen Foliengeschäft trennen. Flach hält sich hierzu bedeckt: "Wir wollen uns heute nicht festlegen, was bei den Klöckner-Werken zum Schluss verkauft wird."

Nach Informationen aus Börsenkreisen soll das Foliengeschäft an das Konsortium Vogel Treichel + Parner um den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden des Thyssen-Konzerns, Dieter H. Vogel, veräußert werden. Die Finanzierung des Mega-Deals sei mit mehreren Kreditinstituten unter Führung der Deutschen Bank in Frankfurt bereits weitestgehend ausgehandelt, heißt es in Frankfurter Bankenkreisen. Vogel war hierzu für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Er will den Geschäftszweig durch Zukäufe in den USA ausweiten.

Einstieg bei einem weiteren MDax-Kandidaten

Der WCM fließt aus dem Verkauf des Foliengeschäfts ein Betrag von mehr als 1,6 Milliarden DM zu, heißt es. Diese Kapitalmittel will der Frankfurter Konzern dafür nutzen, um möglicherweise den Einstieg bei einem weiteren MDax-Kandidaten vorzubereiten. In Börsenkreisen wird hierbei wieder verstärkt die Frankfurter Metallgesellschaft ins Gespräch geführt, obwohl der WCM-Vorstand in der Vergangenheit ein Interesse am Erwerb des Unternehmens zurückgewiesen hat.

Die WCM wird aber einen Teil des Erlöses auch dafür nutzen, um neue Aktivitäten in das Duisburger Unternehmen einzubringen. Denn um bei den Klöckner-Werken dauerhaft den Verlustvortrag von mehr als 2,3 Milliarden Mark zu nutzen, muss bei dem Anlagenbauer rund ein Drittel des gegenwärtigen Konzernumsatzes von 1,8 Milliarden Euro verbleiben.

Umsatz sinkt auf rund 550 Millionen Euro

Doch durch den Verkauf des Foliengeschäfts und der Abfülltechnik schrumpft der Konzernumsatz auf rund 550 Millionen Euro. Denn allein mit dem Foliengeschäft erzielt die Klöckner-Werke AG einen Umsatz von rund 800 Millionen DM. Bei einer Verschmelzung des traditionsreichen Duisburger Anlagenbauers auf die WCM wäre der Verlustvortrag nicht mehr nutzbar.

Die Klöckner-Werke AG konnte den Gewinn nach Steuern im 1. Halbjahr 2000/2001 auf 27 (24) Millionen Euro steigern. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit wuchs auf 47 (44) Millionen Euro. Der Umsatz verbesserte sich um 7 % auf 916 Millionen Euro, der Auftragseingang um 9 % auf 1,03 Milliarden Euro.

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