Fonds dürften entscheidende Rolle spielen
Analysten erwarten schwaches US-Börsenjahr

Sorgen um die Entwicklung der US-Konjunktur und der Unternehmensgewinne könnten nach Einschätzung von Analysten in 2002 für ein erneut schwaches Börsenjahr an der Wall Street sorgen. Erstmals seit 1941 würden damit die großen Marktindizes zum dritten Mal in Folge ein Jahr mit Verlusten abschließen. Sollten die Signale für eine Konjunkturerholung nicht eindeutiger werden und sich der Dollar weiter abschwächen, sei sogar ein viertes Verlustjahr denkbar.

Reuters NEW YORK. "Es ist sehr gut möglich, dass wir drei schwache Jahre bei den großen Indizes haben werden", sagte Eric Barden, Portfolio Manager bei First Austin Capital Management in Austin (Texas). Die große Gefahr für das Börsenjahr 2003 sei, dass Unternehmen weiter nur zurückhaltend investieren und die Verbraucher ihre Ausgaben drosseln könnten, fügte er hinzu. Im ersten Halbjahr 2002 fiel der Standardwerte-Index Dow Jones bereits um 2,9 Prozent nach Verlusten von rund sieben Prozent in 2001 und von 6,2 Prozent in 2000. Der breiter gefasste S&P-500-Index verlor im bisherigen Jahresverlauf 9,7 Prozent, nachdem er das Vorjahr mit einem Minus von 13 Prozent abgeschlossen und 10,1 Prozent in 2000 eingebüßt hatte.

Kampf zwischen Bullen und Bären

"Für ein drittes schwaches Jahr sprechen die ungleichmäßige Konjunkturentwicklung und die materiell nicht verbesserten Unternehmensgewinne. Bilanztrickser verblüffen immer noch die Investoren, und es gibt einen Terroranschlag über die israelisch-palästinensische Konfrontation hinaus", sagte Joseph Battipaglia, Chefinvestment-Officer bei Ryan, Beck & Co. LLC. Sollte die US-Regierung dazu noch ihre Ausgaben nicht begrenzen, könne sich die Börse in 2003 auf ein weiteres schwaches Jahr einstellen. "Wir brauchen Budget-Disziplin", sagte Battipaglia, der sich Anfang der neunziger Jahre als Börsenoptimist präsentiert hatte. Er sehe zwar Anzeichen für eine Erholung der Konjunktur und des Marktes, aber derzeit sei ein Kampf zwischen "Bullen" und "Bären" im Gang.

Verhalten der Fonds entscheidend

Die Fonds könnten eine entscheidende Rolle für den weiteren Börsentrend spielen, sagten Analysten. "Wenn die Ausländer weglaufen und der Markt einen schwachen Dollar erwartet, dann werden die Fonds unberechenbar reagieren", sagte Louis Navellier, President von Navellier in Reno (Nevada). Angesichts des am Freitag erreichten Zweijahres-Tiefs des Dollar zum Euro könnten ausländische Anleger US-Wertpapiere verkaufen und aus Furcht vor Einbußen durch Währungseffekte ihre Gelder woanders investieren, sagten Anlageberater. Dies setze die Aktienmärkte weiter unter Druck. Nach Angaben von Tom McManus, Aktienstratege bei der Banc of America, haben die inländischen Aktienfonds in der vergangenen Woche Mittel im Volumen von rund 1,4 Milliarden Dollar verloren.

In den vergangenen Tagen haben eine Reihe von Firmen, darunter der Biotechnologie-Konzern Genzyme General, der Filmkonzern Metro Goldwyn Mayer und der Netzwerkausrüster Riverstone Networks, die Investoren wegen der anhaltend schwachen Nachfrage auf unveränderte oder unerwartet niedrigere Umsätze oder Gewinne vorbereitet. Das Misstrauen der Investoren schürten außerdem unsaubere Bilanzpraktiken, die durch den Zusammenbruch des Energiehändlers Enron ans Tageslicht gekommen seien, sagten Analysten. Der Markt sei in schlechter Verfassung und könne das Jahr auf dem falschen Fuß beenden, sagte Max Sasso, Portfolio Manager bei City National Asset Management. "Ob das genau so eintreffen wird, weiß ich nicht, es ist eine schwierige Frage."

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