Fonds-Investoren von Rückgängen erschüttert
Abflüsse aus Aktienfonds erreichen Rekordniveau

Amerikanische Investoren haben im Juli mehr Geld aus ihren Aktienfonds abgezogen als je zuvor. Insgesamt 49 Mrd. $ haben die Anleger im vergangenen Monat aus den Aktienfonds genommen und damit einen Rekord gebrochen.

NEW YORK. Das geht aus einer Studie der Research Lipper Inc. -Agentur hervor, die zu der Nachrichtenagentur Reuters Group gehört. Damit haben die Investoren sogar den Rekord vom September des vergangenen Jahres gebrochen, als Anleger nach den Terroranschlägen auf New York und Washington mehr als 30 Mrd. $ abgezogen haben.

Fonds-Investoren sind in diesem Jahr von harschen Rückgängen in ihren Portfolios erschüttert worden. Viele von ihnen haben daher die Hoffnung auf Gewinne verloren, nachdem sie bereits in den vergangenen zwei Jahren erhebliche Verluste hinnehmen mussten. Sie wollen sich lieber auszahlen lassen, als das Risiko einzugehen, weitere Verluste einzufahren. In diesem Jahr sind die US-Fonds im Juli im Durchschnitt um 9,4 % gefallen.

"Das war eindeutig ein Massenverhalten, das wahrscheinlich die Bodenbildung des Markts bedeutet", sagte Don Cassidy, Senior-Analyst von Lipper, über die Ergebnisse der Studie. "Der Schmerz und die Angst ist einfach zu viel geworden und mehrere Millionen Investoren haben gleichzeitig das Handtuch geworfen", beschreibt er das Verhalten der Anleger. In den vergangenen Jahrzehnten folgten hohen Fondsabflüssen zum Teil kräftige Kurssteigerungen, weil sich viele Anleger unterinvestiert fühlten, sobald positive Nachrichten auf den Markt kamen. Gewinner waren zuletzt dagegen Rentenfonds: Sie haben im Juli eine Rekordsumme von 19,2 Mrd. $ aufbringen können. Der bisherige Rekord für Rentenfonds lag bei 15,4 Mrd. $ und wurde im August 2001 erreicht. In Geldmarktfonds flossen im Juli 31 Mrd. $.

Der Lipper-Bericht hebt den Zusammenhang zwischen Abflüssen bei Aktienfonds und Zuflüssen in Rentenfonds hervor. Wenn Anleger Aktien zu unsicher werden, tendieren sie dazu, ihre Investitionen in sichereren Rentenfonds anzulegen. Zudem machen die derzeit extrem niedrigen Renditen bei Geldmarktfonds diese Art der sicheren Anlage derzeit wenig attraktiv als Alternative. Auch das trägt dazu bei, dass sich Anleger mehr in Richtung Anleihen orientieren. Die 49 Mrd. $, die im Juli aus den Aktienfonds genommen wurden, entsprechen 1,6 % des Volumens der gesamten US-Fonds, die zusammen 3 Bill. $ verwalten. Auf Prozentbasis stellen die Abflüsse allerdings keinen Rekord dar: Beim Börsencrash im Oktober 1987 haben Investoren mit 3,17 % prozentual deutlich mehr Geld aus ihren Aktienfonds genommen.

Der Juli war bereits der zweite aufeinanderfolgende Monat, in dem Anleger mehr Geld aus Fonds genommen als eingezahlt haben. Im Juni flossen 13,8 Mrd. $ aus den Fonds. In den acht Monaten davor waren hingegen mehr Gelder rein- als abgeflossen. Fonds-Beobachter erwarten, dass Anleger auch im August kleinere Summen aus den Aktienfonds abziehen werden. Eine Studie vom 21. August von Trim Tabs.com schätzt, dass Anleger insgesamt etwas mehr als 8 Mrd. $ aus den Fonds nehmen werden.

Quelle: Handelsblatt

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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