Fonds-Manager sieht kein Wachstumspotenzial
T-Aktie macht weiter Boden gut

Die Aktien der Deutschen Telekom haben nach ihren dramatischen Kurseinbrüchen in den vergangenen Wochen am Montag weiter Boden gut gemacht. Das Papier legte zeitweise mehr als fünf Prozent auf über 19 Euro zu, nachdem bekannt geworden war, dass der finnische Telefonkonzern Sonera bereits ein großen Teil seiner T-Aktien abgegeben hat.

Reuters FRANKFURT. Bereits am Freitag war der Kurs in der Spitze um mehr als 9 % gestiegen. Damit erhielt Telekom-Chef Ron Sommer einen Tag vor der Vorlage endgültiger Halbjahreszahlen seines Konzerns vom Aktienkurs ein wenig Rückendeckung. Allerdings notierte die T-Aktie trotz ihres jüngsten Aufschwungs noch deutlich unter Sommers "Wunsch-Kurs" von 70 Euro.

Die Telekom hatte beim Kauf der US-Firmen Voicestream und Powertel deren frühere Aktionäre - darunter auch Sonera - unter anderem mit 1,1 Mrd. eigenen Aktien bezahlt, die von ihren neuen Besitzern nach Ablauf bestimmter Haltefristen in den kommenden Wochen wieder verkauft werden dürfen. Der drohende Rückfluss mehrerer hundert Mill. T-Aktien hatte den ohnehin geschwächten Kurs seit Beginn des Monates zunehmend unter Druck gesetzt. Am Wochenende hatte die Telekom mitgeteilt, Sonera von der Haltefrist entbunden und somit den vorzeitigen Verkauf von 21,9 Mill. Aktien ermöglicht zu haben, wovon Sonera im Juli und August Gebrauch gemacht habe. "Da kommen nun doch weniger Aktien auf den Markt als erwartet", begründete Carsten Hilck von Union Investment die positive Reaktion der Börse am Montag.

Vertrauen in Konzern wächst wieder

Die fortschreitende Erholung des Aktienkurses nimmt nach Einschätzung von Analysten ein wenig den Druck von Telekom-Chef Sommer. Seitdem einige Telekom-Großaktionäre erklärten, sich kurzfristig nicht von ihren Anteilen trennen zu wollen, wächst Börsianern zufolge am Markt das Vertrauen in den Konzern und seine Banken, den Rückfluss der Aktien in geordneten Bahnen und ohne große Auswirkungen auf den Kurs abwickeln zu können. Allerdings konnte die T-Aktie ihre Aufschläge am Montag nicht ganz halten und tendierte am Nachmittag nur noch 1,39 % fester auf 18,29 Euro.

Auslöser für die jüngste Talfahrt war die Platzierung eines 44 Mill. Stücke umfassenden T-Aktien-Pakets durch die Deutsche Bank, deren Analysten noch kurz davor ihre Kaufempfehlung für den Titel bekräftigt hatte. Die Telekom kritisierte das Vorgehen des Frankfurter Geldhauses scharf und kündigte sogar an, rechtliche Schritte prüfen zu wollen. Aus diesem Grund stieß die Befreiung Soneras von der Haltefrist am Markt auch auf Verwunderung. "Die Deutsche Telekom spricht mit zwei verschiedenen Stimmen", sagte ein Fondsmanager. "Auf der einen Seite machen sie der Deutschen Bank für den Verkauf von 44 Mill. Aktien Vorwürfe, auf der anderen Seite erlauben sie Sonera den Verkauf von 20 Mill. Stücken. Das ist ein wenig verwirrend."

Schwierige Aufgabe für Sommer

Ungeachtet dessen dürfte es Sommer nach Einschätzung von Analysten derzeit weiterhin nicht leicht fallen, Investoren zum Einstieg in die T-Aktie zu überzeugen. Sommer hatte noch Anfang August in ganzseitigen Zeitungsanzeigen für Vertrauen bei den rund zwei Millionen deutschen Privatanlegern geworben und äußere Umstände für den Kurseinbruch der T-Aktie verantwortlich gemacht. Nach Ansicht des Telekom-Chefs steht die aktuelle Kursentwicklung "im krassen Widerspruch zur operativen Performance und zur strategischen Positionierung des Unternehmens", wie es hieß. Dies den Anlegern plausibel zu erklären, wird nach Einschätzung von Börsianern allerdings eine schwierige Aufgabe für Sommer, der sich bereits Anfang des Jahres heftiger Kritik ausgesetzt sah.

Bei der Vorlage der vorläufigen Halbjahreszahlen im Juli hatte der Konzern bekannt gegeben, im zweiten Quartal 2001 ein ausgeglichenes Ergebnis erzielt zu haben. Zudem hatte Voicestream für das zweite Quartal mit 575 Mill. $ einen fast doppelt so hohen Verlust wie im Vorjahr ausgewiesen. "Berücksichtigt man die Sonderaufwendungen nicht, ist das Unternehmen de facto nicht profitabel", sagte ein Fonds-Manager. Die Aktie lasse kein Wachtumspotenzial erkennen. Die Telekom-Papiere notieren derzeit trotz ihrer zuletzt steigenden Tendenz weiterhin auf dem niedrigsten Stand seit Februar 1998 und damit nicht mehr sehr weit über ihrem ursprünglichen Ausgabepreis von 28 DM vor knapp fünf Jahren.


Sonera verkaufte ein Drittel seiner

Telekom

-Aktien
Ausblick: T-Aktie steht unruhige Woche bevor

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