"Fonds müssen investieren"
Aufwärtstrend am Neuen Markt weiter ungebrochen

Der Neue Markt hat seine Aufwärtsbewegung der Vortage auch am Mittwoch fortgesetzt, was Aktienhändler auf die freundliche Grundstimmung und wieder steigender Liquidität im Markt zurückführten.

Reuters FRANKFURT. "Der Markt ist voll neuer Liquidität. Die Fonds müssen investieren, wenn sie den Trend nicht verschlafen wollen", sagte ein Händler. Angesichts der schlechten konjunkturellen Lage und neuer Milzbrand-Fälle in den USA sei die Entwicklung jedoch nur bedingt nachvollziehbar. Aus technischer Sicht habe der Auswahlindex Nemax 50 weiteres Aufwärtspotenzial, sagte ein technischer Analyst. Fondsmanager verwiesen auf die Unterbewertung des deutschen Wachstumssegmentes. Obwohl die Nachfrage nach Fondsanteilen zuletzt nicht gestiegen sei, investierten die Fonds wieder verstärkt am Neuen Markt, sagte Michael Fraikin, der die Fonds bei SEB und Invesco betreut.

Bis zum frühen Nachmittag stieg der alle Werte umfassende Nemax-All-Share-Index um 1,84 % auf 1054 Punkte, die im Nemax 50 zusammengefassten Blue Chips gewannen 1,9 % auf 1087 Zähler. Am Vortag hatte der Nemax 50 bereits 4,46 % zugelegt, seit Wochenbeginn sogar knapp neun Prozent. Der Future der Technologiebörse Nasdaq tendierte am frühen Nachmittag (MESZ) acht Punkte höher und deutete damit Händlern zufolge eine freundliche Eröffnung der Nasdaq an.

Fondsmanager: "Neuer Markt ist deutlich unterbewertet"

"Der Neue Markt ist deutlich unterbewertet und kann bis zum Jahresende noch problemlos 30 bis 40 % zulegen", sagte Fondsmanager Michael Fraikin. Deswegen gingen nun die Fonds auch wieder verstärkt in den Markt, aber nicht, weil die Nachfrage nach Fondsanteilen steige. "Wir sehen hier Investitionen aus der Kasse. Viele Fonds waren im fallenden Markt nich voll investiert und wollen nun den Aufschwung nicht verpassen", sagte Fraikin. Die Nachfrage nach Fonds werde mit der Erholung des Marktes auch wieder ansteigen. Die Investments erfolgten allerdings stark selektiv. Von den rund 340 Firmen des Marktes seien vielleicht ein Drittel attraktiv.

Obwohl der Markt aus technischer Sicht extrem überkauft sei, gebe es noch keine Anzeichen, für ein Ende der Aufwärtsbewegung. "Normalerweise wendet sich das Blatt, wenn die Dynamik des überkauften Zustandes nachlässt. Das ist aber nicht zu erkennen. Im Gegenteil, die Dynamik steigt eher", sagte Klaus Tafferner, technischer Analyst beim Handelshaus Concord Effekten. Dies gelte auch für die zuletzt überdurchschnittlich stark gestiegenen Sektoren der Biotechnologiefirmen und der Finanz-Dienstleister.

Der Nemax 50 habe die mittelfristige Abwärtstendenz signifikant durchbrochen. "Indikatoren für eine nennenswerte Konsolidierung des Marktes sind noch nicht zu erkennen", sagte Tafferner. Der nächste Widerstand im Nemax 50 liege bei 1160 Punkten und rühre aus dem August 2001. Danach folge ein Widerstand bei rund 1300 Zählern. "Ohne externen Schock würde es mich nicht wundern, wenn wir diese Marke in zwei Wochen sehen", sagte Tafferner.

Direktbanken weiter im Mittelpunkt des Handels

Im Mittelpunkt des Handels standen erneut die Papiere der Direktbanken. Comdirect legte mehr als neun Prozent und Consors knapp sechs Prozent zu. Die zuletzt ebenfalls sehr stark gefragten Papiere des Biotech-Unternehmens Morphosys stiegen um mehr als 19 % auf 68,70 ?. Damit haben die Titel seit dem 21. September fast 400 % an Wert zugelegt. Medigene stieg um über fünf Prozent auf 23,92 ?. Zu den Kursgewinnern zählte auch die Adva AG, deren Papiere sich um mehr als 14 % auf 4,20 ? erhöhten.

Dagegen verloren Carrier 1 mehr als fünf Prozent auf 2,22 ?. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen. In den vergangenen Wochen hatte sich das Papier zeitweise verdreifacht. Einer Studie der Helaba Trust zufolge wurde der Kurs von der bevorstehenden Konsolidierungswelle im Breitbandgeschäft beflügelt. Angesichts der Überkapazitäten in der Branche sei mit weiteren Übernahmen und Zusammenschlüssen zu rechnen. Die Zahlen für das dritte Quartal, die Carrier 1 Mitte November veröffentlichen will, würden aber vermutlich wegen des Preisdrucks in der Branche schlecht ausfallen.

Vor der für den Abend (MESZ) erwarteten Quartalszahlen des Softwareherstellers Broadvision fielen deren Papiere um knapp drei Prozent auf 1,97 ?. Analysten rechnen mit einem Umsatz im dritten Quartal von nur noch 49,96 (Vorjahresquartal 120,20) Mill. Dollar. Der Verlust je Aktie werde sich demnach auf zwölf US-Cents belaufen nach einem Gewinn von fünf Cents vor Jahresfrist.

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