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Fonds-Porträt: Balanceakt Brasilien

Unter der Lupe: Threadneedle Latin America Growth (Ausgabe 33/00) und ABN-Amro Latin American Equity (Ausgabe 36/97).

Es gibt Phasen, in denen läuft einfach alles rund. Für Threadneedle-Manager Dominic Rossi gehörte das Katastrophen-Jahr 2001 dazu. Mit einem Plus von 12,14 % präsentierte er den Käufern seines Latin America Growth Fund nicht nur gegen den Trend schwarze Zahlen, sondern ließ auch alle anderen Lateinamerika-Fonds deutlich hinter sich. Und krönte damit seine guten Leistungen der Vorjahre: Im jüngsten Drei-Jahres-Vergleich beträgt der Performance-Abstand zum zweitbesten Wettbewerber bereits 31 Prozentpunkte.

Wo liegt das Erfolgsgeheimnis? In der Gewichtung der einzelnen Länder und Sektoren? Oder einzig und allein in der richtigen Einzeltitel-Auswahl? "Von allem ein bisschen", erklärt Rossi. So habe er Brasilien bis zum Ende des dritten Quartals gegenüber Mexiko deutlich untergewichtet, nach den starken Verlusten aber wieder aufgestockt und bis zum Jahresende mit einzelnen Positionen ein Plus von 80 % erzielt. Die starke Untergewichtung brasilianischer Elektro-Titel habe sich ebenso bezahlt gemacht wie der hohe Anteil mexikanischer Konsum- und Bank-Aktien. Dazu gehörte unter anderem Mexikos größtes Kreditinstitut Banacci, das im Mai 2001 von der amerikanischen Citigroup übernommen wurde: "Allein dieser Deal hat die Performance des Fonds im vergangenen Jahr um zwei Prozentpunkte erhöht."

Die in Brasilien erzielten Gewinne hat Rossi inzwischen wieder in Mexiko investiert. "Das ist eine klassische Neubewertungs-Story, die noch lange nicht zu Ende ist", vergleicht der Brite Mexikos immer engeren wirtschaftlichen Beziehungen zum nördlichen Nachbarn USA mit dem Aufstieg Portugals und Griechenland vom Emerging Market zum EU-Mitglied. Seine größte Position bleibt dabei bis auf weiteres Telmex - und das nicht nur, weil am Telefon-Giganten, der Mexikos Börsen-Barometer IPC mit einem Anteil von fast 25 % dominiert, ohnehin kein Weg vorbei führt: "Anders als viele Konkurrenten in den USA oder Europa ist Telmex organisch gewachsen und generiert einen hohen freien Cash flow."

In Brasilien hält sich Rossi unter anderem wegen der Unsicherheit durch die im November anstehenden Präsidentschaftswahlen zurück - obwohl er fest damit rechnet, dass Luis Inácio Silva, der von der Wirtschaft und vielen ausländischen Investoren gefürchtete Kandidat der Arbeiterpartei PT, auch im vierten Anlauf scheitern wird: "Silva führt derzeit zwar in den Umfragen, kann sein Wählerpotential aber nicht wesentlich steigern. Deshalb hat er am Ende, wenn von derzeit vier oder fünf Kandidaten der bürgerlichen Mitte nur einer übrig bleibt, so gut wie keine Chance."

Deutlich zurückhaltender als noch vor sechs Monaten beurteilt auch Luiz Ribeiro die Börsenaussichten in seinem Heimatland. Neben dem bevorstehenden Wahlkampf hält der Manager des ABN-Amro Latin American Equity, der den Fonds zunächst von Amsterdam aus verwaltete und im Februar 2000 als Leiter eines sechsköpfigen Teams nach Sao Paulo zurückkehrte, auch die regionale Nähe zu Argentinien für problematisch: "Die Zinsen werden wohl auf absehbare Zeit noch sehr hoch bleiben, obwohl sich für das zweite Halbjahr eine wirtschaftliche Erholung abzeichnet." Ähnlich wie Rossi nahm Ribeiro deshalb zu Jahresbeginn einen Teil der in Sao Paulo erzielten Gewinne mit. Die fielen allerdings deutlich niedriger aus als im Threadneedle Latin America Growth: Weil der ABN-Amro-Manager mexikanische Aktien Mitte 2001 für überbewertet hielt, stockte er den Brasilien-Anteil bereits im Juli kräftig auf und erlitt mit dieser Strategie zunächst herbe Verluste.

In Mexiko favorisiert Ribeiro derzeit ebenfalls Konsum- und Bank-Aktien, die 2002 seiner Meinung nach erneut besser als der Gesamtmarkt laufen sollten. Telmex gehört dagegen mit einer Gewichtung von weniger als 5 % nicht mehr zu seinen Top-Positionen: "Die Wachstumsaussichten sind eher schwach, und das Umfeld für Telekom-Aktien bleibt weltweit schwierig." Anders als Rossi bemüht sich Ribeiro übrigens, auch außerhalb von Mexiko und Brasilien attraktive Investments zu finden. So sind derzeit 8 % des Fondsvermögens in Chile investiert, und mit Buenaventura ("einer der billigsten Gold-Produzenten der Welt") steckt auch eine peruanische Aktie im Portefeuille.

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