FONDS UNTER DER LUPE
DWS-Flaggschiff dümpelt in der Dauerflaute

Der viel gelobte DWS Vermögensbildungsfonds I entwickelt sich relativ mäßig. Star-Fondsmanager Klaus Kaldemorgen begründet das mit seiner Europa-Ausrichtung. Noch schwören Ratingexperten auf den erfahrenen Fondsprofi. Manche wollen aber prüfen, ob er als DWS-Geschäftsführer noch Zeit für das Fondsmanagement übrig hat.

FRANKFURT/M. Klaus Kaldemorgen ist unzufrieden - und was schwerer wiegen dürfte: Seine Kunden sind es wohl auch. Der hoch gelobte Fondsmanager der Deutsche-Bank-Tochter DWS steuert seinen Vorzeigefonds, den DWS Vermögensbildungsfonds I, nur mit mäßigem Erfolg. Unter den in Deutschland verkauften internationalen Aktienfonds liegt das DWS-Flaggschiff mit Blick auf die Wertentwicklung dieses Jahres mit minus 3,8 % nur auf Rang 206 von 370 Fonds. Und im Vormonat März gehörte der beliebte Sparvertragsfonds sogar zu den Schlusslichtern. Bis Ende 2002 zählte der Standardtitelfonds immerhin zu den Vermögensvernichtern, die weniger als der Vergleichsindex MSCI World verloren hatten. Aber von Januar bis April gab der Index mit 2,45 % weniger ab als der Fonds, der fast 4 % abrutschte.

Kaldemorgen begründet sein schlechtes Abschneiden mit der starken Europa-Ausrichtung des Fonds. "Das US-Gewicht habe ich zu niedrig gefahren", sagt er. Seit Monaten hat er nach eigenen Worten fast doppelt so viele europäische Aktien - mit geringer Währungssicherung - im Portfolio wie der MSCI World, weil er die hiesigen Werte für billig hält und der europäischen Wirtschaft im Vergleich zu den USA mehr zutraut. Bereits im Herbst lag der Fonds im Mittelfeld. Doch Kaldemorgen fuhr das Europa-Gewicht weiter hoch. Die jüngste Aktien- und Euro-Rally scheint ihm nun Recht zu geben.

Gleichwohl diskutieren Fondsexperten über zwei Fragen im Zusammenhang mit dem fast 33 Jahre alten Fonds: Ist der fast 4 Mrd. Euro schwere Aktien-Tanker noch entsprechend der Anlagestrategie zu lenken? Kaldemorgen, der den Fonds seit über einem Jahrzehnt managt, konzentriert sich auf internationale Standardwerte und mischt kleinere Titel bei. Dabei ist er für seinen pragmatischen Anlagestil bekannt: Ende der neunziger Jahre machte er den Fonds bekannt mit guter Wertentwicklung dank Wachstumstiteln und kleinerer Werte. Heute diversifiziert er stärker und achtet mehr auf Dividendenrendite. Ratingagenturen belohnen Kaldemorgen mit Bestnoten für das Fondsmanagement. Anleger vertrauten ihm selbst im vergangenen Baisse-Jahr gut 2 Mrd. Euro neues Kapital an, was fast dem gesamten Netto-Mittelzufluss der DWS entsprach. Diese Geldmengen empfindet Kaldemorgen nicht als Problem: "Um Zuflüsse zu verarbeiten, langt ein Tag", wiegelt er ab.

Lars Kolbe vom Research-Haus und Vermögensverwalter Feri Trust pflichtet ihm bei: Einige wenige Mega-Fonds hätten langfristig ihren Vergleichsindex geschlagen, was die Qualität der Fondsmanager beweise. Auch Wolfgang Kaiser vom Analyse- und Beratungshaus Fondsconsult hält Kaldemorgens Expertise für unumstritten. Aber die größte Performance habe Kaldemorgen gemacht, als der Fonds noch klein gewesen sei und problemlos massiv auf Nebenwerte habe setzen können. Daher empfiehlt er den Fonds zwar zum Kauf, weist aber darauf hin, dass es bei der Fondsgröße schwer sei, den Vergleichsindex zu schlagen.

Des Weiteren fragen sich Experten, ob der Anfang 2003 zum DWS-Geschäftsführer gekürte Kaldemorgen noch genügend Zeit für das gewöhnliche Fondsmanagement findet. "Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Kaldemorgen vielleicht etwas überfordert ist mit dem Fondsmanagement und den vielen administrativen Aufgaben", meint Kai Wiecking vom Researchhaus Morningstar. Kaldemorgen hingegen sagt, dass sich sein Fondsmanagement durch seinen Aufstieg nicht verändert habe. Zwar werde der Fonds im Team gemanagt, aber er besuche weiterhin Firmen.

Genau dieses will Heiko Nietzsche vom Fondsrater S&P Fund Services im Sommer mit Kaldemorgen diskutieren. Zumindest als der Star-Fondsmanager 2002 Leiter des Aktienfondsmanagements geworden war, will Nietzsche ermittelt haben, dass der DWS-Mann dem Fondsmanagement so viel Zeit widmet wie Konkurrenten. Daher glaubt Nietzsche nicht, dass Verwaltungsaufgaben Kaldemorgen zu stark ablenken. Sein Kollege Kaiser stimmt zu: "Bei anderen Investmentchefs funktioniert das auch."

Quelle: Handelsblatt

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