FONDS UNTER DER LUPE
Neuer Manager setzt auf altes Erfolgsrezept

Der German Value Stock Fund von Julius Bär hat sich zwar bei schwindenden Kursen bewährt. Doch der Weggang von Fondsmanagers Hans-Peter Schupp verunsichert. Mit diesem Bericht beginnt das Handelsblatt eine lose Serie, in der Fonds aus aktuellem Anlass "unter die Lupe" genommen werden.

HB FRANKFURT/M. Drei Jahre sind an der Börse eine lange Zeit. Damals stand der Dax über 5 000 Punkten, der Neuer-Markt-Index notierte mit mehr als 3 000 Zählern. Die ganz heiße Phase des Hightechbooms an den Aktienmärkten stand kurz bevor.

Klingt nach schlechten Zeiten für einen Fonds, der nach der altmodischen Value-Strategie auf unterbewertete Aktien setzt. Doch der JB German Value Stock Fund hat sich seitdem wacker geschlagen: Von August 1999 bis Ende Juli 2002 verloren Anleger mit dem Produkt der Schweizer Privatbank Julius Bär zwar knapp 10 % ihres Einsatzes. Doch Indizes für den heimischen Aktienmarkt wie der MSCI Deutschland verloren im gleichen Zeitraum rund 30 %. Im Drei-Jahres-Vergleich des Fondsresearch von Feri Trust erzielt der German Value damit Platz 8 unter 87 Fonds.

Vater des Erfolgs war der langjährige Fondsmanager Hans-Peter Schupp. Er führte bislang bei der Julius Bär Kapitalanlagegesellschaft in Frankfurt das "Value-Team" - also die Gruppe der Fondsmanager, die unterbewertete Aktien mit hoher Substanz suchen. Doch Ende Juli verließ Schupp Julius Bär. Marktgerüchten zufolge will er bei seinem neuen Arbeitgeber Mainfirst bald einen neuen Fonds auflegen.

Für Investoren stellt sich damit die Frage, ob Schupps Nachfolger, der neue Fondsmanager Jürgen Meyer, die Erfolgsgeschichte fortschreiben wird. Meyer arbeitete zuvor als Analyst und Spezialfondsmanager im Frankfurter Julius-Bär-Team mit. Eckhard Sauren, Chef des Finanzdienstleisters Sauren in Köln, ist dennoch skeptisch: "Herr Schupp hat sich über Jahre als mutiger und konsequenter Value-Experte erwiesen. Herr Meyer kann noch nicht solche Referenzen vorzeigen", sagt Sauren, der regelmäßig die Arbeit von Fondsmanagern beurteilt.

Dagegen sagt Jens Troll, Stellvertreter des neuen Fondsmanagers Jürgen Meyer beim Value German Stock Fund: "Entscheidend ist doch, dass wir den Fonds konsequent nach dem gleichen Anlagestil fortführen." Die Ausrichtung auf substanzhaltige, günstig bewertete Aktien bleibe voll erhalten - und das allein zähle. "Wenn man den Physiklehrer austauscht, ändern sich dadurch auch nicht die Naturgesetze", sagt Troll.

Seine überdurchschnittliche Wertentwicklung im Vergleich zum Gesamtmarkt erzielte der Value-Fonds vor allem während des Börseneinbruchs von Mitte 2000 bis Mitte 2001. Damals zahlte sich die mutige Value-Strategie aus, nach der teure Hightech-Titel wie Siemens und Infineon fast vollständig im Fondsportfolio fehlten. Diese Titel brachen damals brutal ein.

Doch nur wenige Fondsmanager trauten sich, Telekom und Co. links liegen zu lassen. Denn ihr Gewicht im Deutschen Aktienindex (Dax) war sehr hoch. "Für solche extremen Wetten gegen den Index, wie Schupp sie einging, braucht man Mut", sagt Experte Sauren. Und Stehvermögen - denn Anfang 1999, als die Hightech-Blase noch kräftig wuchs, hinkte der Julius-Bär-Fonds zunächst dem Dax hinterher.

Mutige Wetten geht auch der neue Meyer ein. "Als er den Fonds übernahm, hatten wir noch einige Aktien der Deutschen Telekom im Portefeuille", erzählt Stellvertreter Troll, "aber mittlerweile haben wir unsere Bestände auf Null reduziert."

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