Fondsgebundene Vermögensverwaltung in der Baisse
Anlage-Experten gehen auf Nummer sicher

Die richtigen Fonds aussuchen in der Baisse - keine leichte Aufgabe für Vermögensverwalter. Das Handelsblatt befragte Experten, wie sie bei der Zusammenstellung von standardisierten Fonds-Depots mit unterschiedlichen Ertrags/Risiko-Profilen vorgehen: die Fondsgesellschaft Activest, die Privatbank Delbrück, den Vermögensverwalter Portfolio Concept und die Fondsresearchfirma Feri Trust. Allgemein geht der Trend weg von Aktienfonds hin zu sicheren Anlagen wie Renten-, Immobilien- oder Geldmarktfonds. Während die einen Experten das ihnen anvertraute Geld am liebsten erfahrenen Fondsmanagern weitergeben, setzen andere auf Indexprodukte.

FRANKFURT/M. "Wir sind momentan defensiv aufgestellt", sagt Günter T. Schlösser, Geschäftsführer der Kölner Vermögensverwaltung Portfolio Concept. Es sei nicht abzusehen, in welche Richtung sich der Markt bewege. Aktien und Aktienfonds seien "heutzutage eine sehr spekulative Anlage geworden", sagt er. Im spekulativen Depot von Portfolio Concept betrage der Aktienanteil normalerweise 100 %, nun liege er nur bei 80 %. Außerdem enthalte das Depot mit dem Quadriga-Genussschein ein Hedge-Fonds-Papier, das sich unabhängig von der Lage an den Aktienmärkten entwickle. Das Papier der österreichischen Investmentgruppe profitiere bei fallenden Kursen über Leerverkäufe und bediene sich der Hebelwirkung von Derivaten wie Optionen und Terminkontrakten. Der Genussschein habe im vergangenen Jahr um über 31 % zugelegt. Mit einer Gewichtung von 10 % im spekulativen Depot bleibe er bei dem Quadriga-Produkt dennoch vorsichtig, sagt Schlösser. Bei der Fondsauswahl achte er auf gute bis sehr gute Noten von den Ratingagenturen Standard & Poor?s und Morningstar. Die in den Depots enthaltenen Rentenfonds setzten auf defensive Anleihen mit guter Bonitätsbewertung ("Investment Grade"). Um das Risiko zu begrenzen, meide er Fonds für riskante Hochzinsanleihen. Mit dem Crédit Suisse Euroreal habe Portfolio Concept auch einen offenen Immobilienfonds in zwei seiner drei Depots - dies sei "eine sichere Alternative zu Aktienfonds", sagt Schlösser.

Privatbank setzt auf Aktienfonds

Die Privatbank Delbrück veränderte die Strategie für ihre Musterdepots nach eigenen Angaben seit Anfang dieses Jahres nicht. "Wenn man von einer Strategie überzeugt ist, muss man sie in einem schwierigen Marktumfeld durchhalten", sagt Philip Kalus, Leiter der Fonds-Vermögensverwaltung. Die drei Depots setzten mit ihrem Vermögen zu 35, 50 und 85 % auf Aktienfonds. Den Grundstock der Depots bildeten zwei global investierende Aktienfonds. Zur Sicherheit investierten alle Fonds am stärksten in den Hauptmärkten USA und Europa, "nur ganz bedingt" in Japan und praktisch gar nicht in Schwellenländern. Bei den Anleihen setzt Kalus nach eigenen Angaben ausschließlich auf Fonds, die mit "Investment Grade" eingestufte Euro-Anleihen kaufen. So klammere er Ausfall- und Währungsrisiken weitgehend aus. "Außerdem verschaffen wir uns in Treffen einen persönlichen Eindruck von den Fondsmanagern", sagt Kalus.

In der Baisse achtet auch das Fondsresearchunternehmen Feri Trust besonders stark auf die Manager, die hinter einem Fonds stehen. "Die Aktienfonds, die wir aussuchen, orientieren sich nicht stark an einem Index", sagt Heinz-Werner Rapp, Leiter Portfoliomanagement bei Feri Trust. Gerade in schlechten Börsenzeiten komme es darauf an, dass die Manager hohe Anlagefreiheiten hätten - von diesen Managern gebe es aber nicht viele. Als Beispiele nennt Rapp den Fidelity European Growth der Fondsgesellschaft Fidelity (Beitrag unten), dessen Management aber bald wechsele. Größere Freiheiten nehme sich auch Wedig von Gaudecker beim Fonds Comgest Europe. Er interessiere sich stärker für einzelne Unternehmen als den Markt. Die Vermögensverwaltung Dr. Jens Ehrhardt fahre in der Baisse gut, da sie bei den von ihr betreuten Fonds die Bargeld-Anteile auf bis zu 30 % erhöhe. Auch das Management der Rentenfonds DIT-Europazins und Meag Eurorent sei bereits lange dabei und habe "ein Händchen für Sondersituationen" bewiesen. Wer sein Geld bei Feri verwalten lassen will, muss mindestens fünf Mill. Euro investieren.

Im Gegensatz dazu setzt die "Kombi-Anlage" der Hypo-Vereinsbank auf stark indexorientierte Produkte der eigenen Fondsgesellschaft Activest sowie offene Immobilienfonds der Immobilien-Tochter iii. Hier sind Anleger bereits ab 15 000 Euro dabei. "Indem wir passive Fonds ins Depot aufnehmen, vermeiden wir bei der Auswahl konterkarierende Entscheidungen von Managern. Außerdem schlagen die meisten Fondsmanager ihre Benchmark ohnehin nicht", sagt Jean-Claude Wolferstätter, Portfoliomanager bei der Activest. Die Betreuer der Kombi-Anlage wüssten immer genau, was in den Fonds enthalten sei. Dies begrenze das Risiko im Vergleich zu einem Depot mit aktiv gemanagten Fonds.

Der konservative Depottyp "Rendite" setze zu rund 20 % auf Aktienfonds, könne aber bis zu 30 % in diesem Segment anlegen. Der Typ "Chance" habe hier unbeschränckte Freiheiten, belasse es aber bei 68,5 %. Für den Rendite-Kick könnten in Zukunft Hochzinsanleihen sorgen: "Da bei den Unternehmen der Schuldenabbau im Vordergrund steht, sehen wir gute Perspektiven für Hochzinsanleihen und überlegen, ob wir einen solchen Fonds aufnehmen sollen", sagt Wolferstätter.

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