Fondsgesellschaft fällt vernichtendes Urteil über Erfolgsbeteiligung bei Daimler-Chrysler, Deutsche Telekom und Deutsche Bank
Union-Invest kritisiert Optionsprogramme

Die Fondsgesellschaft Union Investment übt harte Kritik an deutschen Top-Konzernen. Vor allem an den Optionsplänen von Daimler-Chrysler und der Deutsche Telekom haben die Fondsverwalter einiges auszusetzen.

FRANKFURT/M. Jens Wilhelm ist ein Mann klarer Worte. "Besser gar kein Aktienoptionsprogramm als ein schlechtes", so der Geschäftsführer der Union Investment Privatfonds GmbH. Ginge es nach den Interessen der Aktionäre, müssten Daimler-Chrysler, Deutsche Telekom, Deutsche Bank und Siemens und andere Konzerne ihre millionenschweren Optionspläne ersatzlos streichen, meint Wilhelm.

Dieses vernichtende Urteil fällt der Geschäftsführer der drittgrößten deutschen Fondsgesellschaft nach Untersuchung der Optionsprogramme aller 30 Firmen im Deutschen Aktienindex (Dax). Die Ergebnisse der Studie präsentierte Wilhelm gestern in Frankfurt.

Nach Auffassung der Union sind die Erfolgskriterien für die Optionen oftmals zu weich formuliert. Zudem müssen die begünstigten Manager nur in ganz wenigen Fällen ein finanzielles Risiko eingehen. "Eigentlich sollten Aktienoptionen dazu dienen, die Interessen des Managements mit denjenigen der Aktionäre zu verbinden", sagte Wilhelm. Dazu gehöre aber auch, dass die Optionsempfänger eine schlechte Kursentwicklung im eigenen Portemonnaie spüren. Und genau daran hapert es. "Die meisten Pläne haben zwar einen enormen Hebel, wenn es gut läuft, aber das Risiko kommt zu kurz", kritisiert Wilhelm.

Aktienoptionen geben dem Besitzer das Recht, eine Aktie zu einem festgelegten Preis zu kaufen. Ist dieser Preis niedriger als der Aktienkurs, dann lohnt es sich, die Option auszuüben. Viele Anleger ärgern sich, dass Vorstandsgehälter auch dann steigen, wenn die Aktienkurse sinken. Egal, wie die Pläne im Detail aussehen - letztlich tragen immer die Aktionäre die Kosten der Optionsprogramme.

Optionen bedeutsam für Gewinne und Kurse

Die Investmentbank Merrill Lynch hat ausgerechnet, dass die Gewinne der Unternehmen im US-Aktienindex S & P 500 im Jahr 2001 um 20 % niedriger ausgefallen wären, wenn der Aufwand für Optionen berücksichtigt worden wäre. "In Deutschland liegt diese Zahl bei rund 10 %, Tendenz steigend", sagte Union-Sprecher Rolf Drees. "Für die Unternehmensgewinne und die Aktienbewertung spielen Optionen eine zunehmend wichtige Rolle", sagte Drees.

Die rote Laterne im Union-Vergleich trägt der deutsch-amerikanische Autoriese Daimler-Chrysler. Hauptkritikpunkt der Fondsexperten: Die Manager profitieren bereits von ihren Optionen, wenn der Daimler-Aktienkurs in den nächsten zehn Jahren um 20 % steigt. "Pro Jahr muss die Aktie nur 1,84 % zulegen, um die Hürde zu überspringen", sagte Wilhelm. Bei der Telekom liegt die Messlatte ähnlich niedrig, und auch bei der Deutschen Bank ist die Mindestrendite mit 3,1 % kaum höher.

Wilhelm fordert eine Zielrendite von mindestens 8 %. Dies könnten Aktienkäufer auf lange Sicht vom Gesamtmarkt erwarten. Nur wenn ein Unternehmen mehr Wert schaffe, sollten die Manager belohnt werden. Noch wichtiger als absolute Messlatten sei aber der relative Vergleich, meint Christian Strenger, Aufsichtsrat des größten deutschen Fondshauses DWS und Mitglied der Regierungskomission Corporate Governance. "Es geht um den Aspekt der Sportlichkeit - darum, besser zu sein als die Konkurrenz", so Strenger.

Eine so genannte relative Hürde haben zum Beispiel die Fluglinie Deutsche Lufthansa, der Chemieriese BASF und der Pharmakonzern Schering in ihre Optionspläne eingebaut. Sie belegen im Union-Vergleich die vorderen Plätze. Die Ranglisten-Verlierer wie Daimler, Deutsche Bank und Telekom verweisen indes auf die US-Bilanzregeln (US-Gaap). Danach müssen die Aufwendungen für Optionsprogramme als Kosten verbucht werden, sobald sie an relative Hürden geknüpft sind. Diese bilanzielle Erfassung wollen die Konzerne jedoch vermeiden, weil dadurch ihr Bilanzgewinn sinken würde.

Als Kosten oder im Bilanz-Anhang

Ob der Aufwand für Optionsprogramme generell als Kosten verbucht werden sollte, ist unter Experten umstritten. Union-Geschäftsführer Wilhelm fordert eine steuerwirksame Verbuchung als Personalaufwand im Einzelabschluss, während DWS-Aufsichtsrat Strenger eine transparente Auflistung im Anhang der Bilanz für sinnvoll hält.

Union und DWS bleiben beim Thema Aktienoptionen am Ball. "Wir haben 2001 bei der Telekom-Hauptversammlung gegen das Optionsprogramm gestimmt, ebenso wie in diesem Jahr bei SAP", sagt Wilhelm. Bis zur nächsten HV-Saison will er seine Kritikpunkte in direkten Gesprächen mit den Unternehmen thematisieren. Die DWS veröffentlicht ihr Abstimmungsverhalten nicht. Aber als Großinvestor werde man das Thema schon aus Eigeninteresse im Blick halten, so Strenger: "Letztlich sind die Aktionäre die Betroffenen, und als solche müssen sie sich noch stärker artikulieren."

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