Fondsmanager atmen auf
Finanzbranche begrüßt Grünen-Pläne

Vertreter der Frankfurter Finanzbranche und Aktionärsvertreter haben die weit reichenden Änderungen der Koalitionspläne zur Besteuerung von Kursgewinnen begrüßt. Entwarnung könne aber für Anleger angesichts der Haushaltsprobleme der Regierung noch nicht gegeben werden.

Reuters FRANKFURT. "Damit würde 95 Prozent der Problemlage herausgenommen", sagte ein Frankfurter Fondsmanager, der namentlich nicht genannt werden wollte, mit Blick auf die Änderungen. Insbesondere der Verzicht auf eine Doppelbesteuerung von Fonds, die nach seiner Ansicht "tödlich" für die Branche und 15 Millionen Fondssparer in Deutschland gewesen wäre, sei zu begrüßen. Nach den Worten der finanzpolitischen Sprecherin der Grünen, Christine Scheel, soll es nur eine Besteuerung von Fonds beim Anleger geben und nicht auch noch zusätzlich beim Fondsmanager. Zudem werde die Ausdehnung der Spekulationsfrist für die Besteuerung von Kursgewinnen von derzeit einem Jahr auf fünf Jahre erwogen. Eine Besteuerung von Verkaufserlösen bereits in den Depots befindlicher Wertpapiere soll es demnach nicht geben.

"Das ist ein weit reichendes Signal, dass sich die Regierung eines Besseren besinnt", sagte Petra Kachel, Referentin am Deutschen Aktieninstitut (DAI). Damit wäre klar, dass die Erträge aus jahrzehntelangem Aktiensparen nicht gefährdet seien.

Nach den ursprünglichen Plänen des Ministeriums sollten Wertzuwächse bei Aktien oder Fondsanteilen generell besteuert werden. Bislang müssen Anleger Gewinne nur versteuern, wenn sie Aktien innerhalb eines Jahres und nicht selbst genutzte Immobilien binnen zehn Jahren verkaufen. Die Besteuerung für Immobilien soll nach den Worten Scheels unverändert bleiben.

Weitere Steuer-Regelungen sind entscheidend

"Die Frage ist, was macht die Regierung jetzt, um die Finanzlöcher im Haushalt zu stopfen", sagte Hans-Jörg Naumer, Leiter Investor Information der Fondsgesellschaft DIT. Er verwies darauf, dass zur Deckung der Haushaltslücken bereits eine Wiedereinführung der Vermögensteuer und eine Erhöhung der Erbschaftsteuer im Gespräch gewesen seien. "Für den Anleger gibt es also noch keinen Anlass zur Entwarnung."

Naumer wandte sich wie Kachel gegen die Ausdehnung der Spekulationsfrist für Aktienverkäufe. "Fünf Jahre sind ein mittelfristiger Investitionszeitraum, und das hat nichts mit Spekulation zu tun", sagte er. Dies würde zu Lasten von Unternehmen und deren Aktien gehen, die sehr konjunktursensibel seien. Schließlich werde man sich in Zukunft genau überlegen, ob man sich fünf Jahre beispielsweise an einen Einzelhandelswert bindet, dessen Kurs traditionell mit der Konjunktur schwankt.

Die ursprünglichen Koalitionspläne waren auf massive Kritik von Anlegerschützern und der Fondsbranche gestoßen. Eine Doppelbesteuerung von Fonds hätte nach Ansicht von Experten diese Anlageform so unattraktiv gemacht, dass viele in Einzelanlagen umgeschichtet hätten. Eine ganze Industrie wäre in ihrer Existenz bedroht gewesen, hatte es geheißen. Die generelle Besteuerung von Gewinnen aus dem Verkauf von Wertpapieren und Immobilien war abgelehnt worden, weil das deutsche Steuerrecht keinen Inflationsausgleich kennt. Beim Verkauf eines Hauses aus den 1950er Jahren wäre demnach der gesamte Gewinn ohne Berücksichtigung der Geldentwertung besteuert worden.

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