Fondsmanager erwarten stärkeres Kaufinteresse
Kritisierte Dachfonds feilen an Strategien

Wegen teilweise enttäuschender Wertentwicklungen sind die Dachfonds ins Gerede gekommen. Nach Meinung von Experten sollten die zuständigen Manager ihre Anlageobjekte systematischer auswählen und vor allem stärker auf die Investmentstile achten. Das deute sich schon an, glauben sie.

FRANKFURT/M. Friedrich Pfeffer ist hoffnungsfroh. "Wenn die Anleger wieder stärker Aktienfonds kaufen, wird auch das Interesse an Dachfonds steigen", erwartet der Geschäftsführer der Commerzbank - Fondsgesellschaft Adig. Wie Pfeffer glaubt auch Ulrich Gallus an die prinzipiellen Vorteile dieser Produkte. "Dazu zählen die breite Anlagestreuung und die Möglichkeit zur Beimischung von Spezialitäten", erklärt der Dachfonds-Verantwortliche bei der DGZ Deka-Bank, der Holding der Sparkassenorganisation. Dachfonds legen die Gelder der Kunden in andere Investmentfonds an. Diese Anlageform gibt es in Deutschland erst seit rund zwei Jahren.

Es geht inzwischen um viel Geld. Insgesamt waren Ende November in 286 Produkten 26,3 Mrd. angesammelt. Die Anleger investierten im Oktober und November vergangenen Jahres allerdings nur noch für jeweils netto rund 100 Mill. in Dachfonds (Grafik). Gleichzeitig scheinen sie sich stärker denn je auf Offerten der wichtigsten Anbieter zu konzentrieren. Die Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka kommt mittlerweile auf einen Marktanteil von 49,5 Prozent, gefolgt von DWS, Union Investment und Adig. Ein Beleg für die zunehmende Konzentration: Diese "Top 4" sammelten im November zusammen rund 2,2 Mrd. (brutto) ein.

Die Attraktivität des Dachfondskonzeptes für Anleger wird immer wieder bezweifelt. Bisher standen Performancenachteile, teilweise auf doppelte Kostenbelastungen zurückgeführt, im Zentrum der Kritiker. Neue Analysen lassen jetzt Zweifel an diesen Kritikpunkten aufkommen.

Experten der Vermögensverwaltungs- und Fondsresearchgesellschaft Feri Trust fanden keine signifikanten Mehrbelastungen bei den jährlich erhobenen und den Fondsvermögen belasteten Managementgebühren. Gegenübergestellt wurden dazu die Durchschnittsbelastungen für die Produkte der jeweiligen Dachfondsgruppen (Dachfondsvergütung plus Gebühren bei erworbenen Fonds fremder Anbieter) und konkurrierender Einzelfonds. Im Schnitt werden etwa bei den auf Aktienfonds ausgerichteten Dachfonds jährlich 1,33 Prozent fällig, bei internationalen Aktienfonds 1,29 Prozent.

Performancenachteile von bis zu mehreren Prozentpunkten pro Jahr sind damit nicht zu erklären. Feri-Trust-Geschäftsführer Min Sun: "Es gibt eben gute und schlechte Dachfonds - wie bei den Einzelfonds; der Dachfondsmanager muss allerdings seine Investments besser auswählen."

Ähnlich argumentiert Rüdiger Sälzle, Vorstand der FondsConsult Research AG: "Wenn man keine systematischen Anlagekonzepte anwendet, beispielsweise nur die so genannten Besten in einzelnen Fondskategorien auswählt, kann es zu Nachteilen kommen." Wolfgang Sauer, Direktor Marketing und Vertrieb bei BNP Paribas Fondsmarketing, Frankfurt, wird konkret: "Die Dachfondsmanager haben wahrscheinlich die Anlagestile bei den ausgesuchten Investmentfonds nicht stark genug beachtet." Eine simple "Besten-Auswahl" reiche eben nicht. Oder wie Sälzle es formuliert: "Wer zu stark auf Growth-Fonds setzte, ohne dass dieser Anlageschwerpunkt immer zu erkennen war, der hatte in Zeiten der Kurstalfahrt für die Wachstumswerte eben das Nachsehen."

Sauer belegt seine Vermutung mit einer Umfrage auf einer Konferenz für Portfoliomanager vor einem Jahr: "Damals sagten nur drei von hundert Dachfondsmanagern, dass sie bei der Auswahl der Investmentfonds auch auf Anlagestile achten, aber 30 wollten das in Zukunft tun." Sälzle macht aus dem gleichen Grund Hoffnung. "Der Dachfonds ist nicht tot", ist er überzeugt.

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