Fondsmanager: "Großartige Zeit": Die Mutigen kaufen jetzt Aktien

Fondsmanager: "Großartige Zeit"
Die Mutigen kaufen jetzt Aktien

Kaufen, wenn niemand kauft. Wer sich unter diesem Blickwinkel den europäischen Aktienmarkt anschaut, findet gerade jetzt viele günstige Titel. Eine Garantie für schnellen Gewinn gibt es nicht, und jede Wette auf politische oder wirtschaftliche Szenarien kann schiefgehen. Aber langfristig orientierte Anleger sollte das nicht stören.

FRANKFURT/M. Murdo Murchison, der Manager des Templeton Growth Fund, lässt sich auf Prognosen nicht ein. "Wir wissen nicht, ob 2003 das vierte Baissejahr in Folge wird, oder ob zum Beispiel die europäischen Aktien 20 % ansteigen werden", sagt er. Doch in einem Punkt ist er sicher: "Es ist eine großartige Zeit, Aktien einzukaufen", vor allem in Asien außerhalb von Japan und in Europa - mit einer kleinen Einschränkung für Deutschland. Er sucht Unternehmen mit niedriger Bewertung und gesunder Bilanz. Für interessant hält er zum Beispiel europäische Telekomwerte - mit Ausnahme der Deutschen Telekom und France Télécom, die keine allzu soliden Bilanzen hätten. Aber auch die Pharmabranche sei spannend. "Man hat nur alle fünf bis sechs Jahre die Gelegenheit, aus diesem Sektor Aktien zu einem vernünftigen Preis zu bekommen", sagt er.

Bertrand Schmitt von Société Générale nennt als seinen Favoriten unter den europäischen Pharmawerten Roche. Durchschnittlich 14 % Gewinnwachstum sei pro Jahr bis 2005 möglich, meint er, dafür sei das Kurs-Gewinnverhältnis (KGV) für 2003 von 18,3 moderat. Die WestLB macht sich für Bayer als Pharmaaktie stark. Sie werde zurzeit wie ein Chemiepapier, also niedrig, bewertet. Mit der Erholung des Pharmageschäft - möglicherweise gestützt durch ein Joint Venture, sollte Bayer aber wieder eher als Pharmapapier gelten. Nicht zu verkennen ist allerdings, dass die Bayer-Aktie wegen der noch nicht überwundenen Probleme im Pharmageschäft so niedrig bewertet ist - wen das stört, ist damit nicht unbedingt richtig bedient.

Welche Branchen sind noch interessant? Matthew Haynes, der den Franklin Mutual European Fund managt, sucht grundsätzlich extrem konservativ nach Unternehmen, die einen hohen Cashflow generieren - das Wachstum interessiert ihn weniger. Er hat vor kurzem die britische Getränkeaktie Diageo gekauft. Außerdem faszinieren ihn spanische Bauwerte wie etwa Dragados. "In Spanien wird über lange Zeit hinweg mit Unterstützung der EU die Infrastruktur modernisiert", sagt er. "Das schafft eine stabile Nachfrage für die Branche." In Deutschland gefällt ihm die Software AG. Sie verdient im Kerngeschäft sehr gut, hat allerdings weniger Wachstumschancen, weswegen zum Beispiel Vontobel sie nur "neutral" einschätzt.

Als konservative Branche mit regelmäßigen Einnahmen gelten auch die Versorger. Rolf Elgeti von der Commerzbank zählt sie zu seinen Favoriten; als Beispiel mit niedriger Bewertung nennt er Eni. Die Deutsche Bank hat aus diesem Bereich Eon auf ihrer Favoritenliste. Wer einen etwas ausgefalleneren Einzeltitel mit niedriger Bewertung sucht, für den hat Schmitt von der Société Générale einen Tipp: den französischen Rüstungswert Thales mit einem KGV von 9 für 2003. Der Konzern verfüge über einen "starken Auftragsbestand", betont der Experte.

Einen speziellen Ansatz verfolgt Merrill Lynch Analyst Sadiq Currimbhoy. Er sucht Unternehmen, deren Umsatz schneller als 3 % pro Jahr wächst. Außerdem sollten Umsätze sowie Ebit (Gewinn vor Zinsen und Steuern) 2003 schneller wachsen als 2002. Und schließlich sollte das KGV unter 15 liegen; zusammengefasst also große Ertragsdynamik plus niedrige Bewertung. Nach diesem Schema findet er in Europa 25 Aktien. Dabei spielen auch die spanischen Bauaktien eine große Rolle, dagegen kommt keine einzige Telekomaktie vor. Als einzige Unternehmen mit mehr als fünf Milliarden Dollar Börsenbewertung stehen auf seiner Liste Iberdrola, Vivendi Environment, Schering, Porsche, Casino und Amersham.

Es gibt, wie fast immer, noch weitere Empfehlungen in Hülle und Fülle. Aber viele davon - etwa Rohstofftitel, zyklische Aktien oder Banken - werden genannt, weil ein bestimmtes Szenario an den internationalen Märkten erwartet wird. Einige Analysten empfehlen Aktien mit hohem Anteil des US-Geschäfts, weil sie erwarten, dass von dort die wirtschaftliche Erholung ausgeht, andere sehen die USA eher als Risiko. Wer günstige Aktien sucht, die langfristig gute Gewinne versprechen, sollte sich aber nicht unbedingt von taktischen Überlegungen leiten lassen.

Verfehlt wäre auch, zu schnelle Gewinne zu erwarten.Wie CSFB schreibt: Viele Anleger sehen "Value", also Gewinnchancen, bei Aktien, aber kaum einer traut sich, sie tatsächlich zu kaufen. Dieser "Käuferstreik" bestimmt zurzeit den Markt. Aber er sorgt auch für die günstigen Einstiegskurse.

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