Fondsmanager polieren ihre Portfolios auf
"Window Dressing" an der Wall Street

Die US-Börsen beginnen den letzten Handelstag des Quartals im grünen Terrain. Nach guten Konjunkturdaten notieren beide großen Indizes mit leichten Gewinnen: Der Dow verbessert sich um 50 Punkte, die Nasdaq legt 16 Zähler zu.

Am Mittwoch hatte der Dow von optimistischen Kommentaren einiger Analysten profitiert, die den Zyklikern auf die Sprünge halfen. Der Dow verbesserte sich um 75 Punkte oder 0,7 % auf 10 426 Punkte. Die Nasdaq schaffte den Sprung ins Positive erst in den letzten Minuten und schloss gut behauptet auf 1 826 Punkten.

Gemischte Nachrichten kommen aus dem konjunkturellen Umfeld. Das Verbrauchervertrauen ist laut dem Index der Universität Michigan erneut besser ausgefallen als erwartet. Die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung hingegen sind in der vergangenen Woche gestiegen, liegen aber immer noch unter der magischen Marke von 400 000. Dieser kurzfristige Indikator beeinflusst den Markt jedoch seit einigen Wochen kaum noch, da sich Anleger und Analysten um langfristige Prognosen anhand anderer konjunktureller Daten bemühen.

Auch dass das Bruttoinlandsprodukt für das vierte Quartal rückwirkend auf ein Plus von 1,7 % nach oben revidiert wurde, nimmt der Markt schulterzuckend zur Kenntnis. Die Zahlen sind nicht gerade aktuell, schließlich hat gerade der letzte Handelstag des ersten Quartals begonnen.

Was den Handel am Donnerstag viel stärker bestimmen dürfte ist die Tatsache, dass am letzten Handelstag des Quartals "window dressing" angesagt ist: Fonds-Manager stoßen üblicherweise Aktien mit schwacher Performance ab und kaufen starke Papiere nach, um ihre Portfolios zu polieren.

Marktstützend handeln die großen Finanztitel. Die Analysten von Merrill Lynch haben den Sektor unter die Lupe genommen und zahlreiche regionale Banken und Finanzdienstleister abgestuft. Die Titel hätten nach guten Zuwächsen in den vergangenen Wochen kein Potential mehr. Weiter optimistisch gibt man sich unterdessen für die großen Firmen. JP Morgan, Citigroup und einigen Brokerhäusern attestiert man weitere Wachstumschancen.

Ebenfalls im Plus handelt die Aktie von IBM , obwohl Anleger am frühen Morgen zitterten. Das Wall Street Journal berichtete, die Börsenaufsicht SEC sei besorgt, was einige Details in der Bilanz für das Geschäftsjahr 1999 angehe. Man werde das Unternehmen auffordern, einige Segmente zu verbessern. Nach den jüngsten Skandalen um Enron und andere ist Anlegern allein das Wort "Bilanz" ein rotes Tuch - die Aktie verbessert sich dennoch um 0,5 %.

Zu den Gewinnern unter den Blue Chips gehört auch das Papier von Microsoft . Das Unternehmen gab am Morgen bekannt, das Internetportal MSN habe in Europa endlich den Rivalen Yahoo überholt. AOL sei weiterhin drittstärkster Anbieter. Yahoo wehrt sich und teilte mit, der aktuelle Marktanteil von 52 % für MSN sei durch die große Nachfrage nach dem Gratisdienst Hotmail verzerrt, der zu Microsoft gehört. Aktien von Microsoft legen 1 % zu, Yahoo und AOL handeln ebenfalls im Plus.

Neben Microsoft steht ein weiterer Software-Hersteller im grünen Terrain: Adobe Systems gewinnt 3,5 %. Die Analysten von Prudential Securities haben die Aktie auf "Kaufen" heraufgestuft, da sie in dem Bildverarbeitungs-Upgrade Photo Shop 7.0 erhebliches Marktpotential sehen und von einem Nachfrageschub auch für andere Programme wie den Adobe Illustrator ausgehen. Prudential hat das Kursziel für Adobe um 55 % auf 47 Dollar angehoben, am Morgen handelt die Aktie um 40 $.

Meist gehandelte Aktie ist am Morgen das Papier von Juniper Networks . Der zweitgrößte Hersteller von Internet-Komponenten hat für das laufende Quartal vor einem geringeren Ergebnis gewarnt. Da sich Internet-Service-Provider und Telekom-Anbieter nach wie vor mit Investitionen zurückhielten, senke das Unternehmen die Ertragserwartungen, hieß es. Die Analysten von Merrill Lynch hatten diese Entwicklung geahnt - sie hatten in der vergangenen Woche ihre Prognosen für Juniper gekürzt. Die Aktie schüttelt frühe Verluste dennoch ab und notiert mit einem Plus von 3 %.

Auch die Aktie von The Gap hat es ins Plus geschafft, obwohl sich Analysten kritisch über den Wert äußern. Die angeschlagene Modekette hatte vor wenigen Tagen erklärt, man werde sich mehr auf seine Khaki-Wurzeln besinnen und margenschädliche Sonderangebote streichen. Nun ist die neue Kollektion da - und kommt bereits um 50 % bis 70 % verbilligt in die Läden. "Es scheint, als ginge tatsächlich niemand mehr zu The Gap, wenn es die Kleider nicht billiger gibt", sagte Einzelhandelsanalystin Holly Gustafson von Legg Mason.

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