Fondsmanager raten bei Banken- und Versicherer-Aktien zur Vorsicht
Analysten misstrauen Rally der Finanztitel

Seit Ende März führen Banken- und Versichereraktien die Erholung des Deutschen Aktienindex (Dax) an. In der Baisse hatten diese Werte am meisten gelitten. Experten zeigen sich angesichts des Tempos der Rally vorsichtig: Sie warten auf echte Verbesserungen im operativen Geschäft von Allianz & Co.

DÜSSELDORF/FRANKFURT/M. Lange Zeit lasteten die deutschen Finanzwerte wie Blei auf dem Dax. Jetzt sind die Banken- und Versicherertitel Anführer der Kurserholung: So haben die Aktien von Allianz seit Ende März 37 Prozent zugelegt, die Münchener Rück um 50 Prozent. Die Hypo-Vereinsbank schaffte immerhin 33 Prozent, der Dax ganze 17 Prozent.

Investoren fragen: Ist die Rally der Finanztitel nur ein Strohfeuer oder der Startpunkt für eine längere Kurserholung? Analysten und Fondsmanager zeigen sich zurückhaltend: "Ein guter Teil der Erholung ist mit Sicherheit auf die Eindeckung von Short-Sellern zurückzuführen", sagt Helmut Hipper, Fondsmanager bei Union Investment. Darüber hinaus profitieren beide Versicherer von den steigenden Märkten, da sie nach wie vor große Aktienbestände besitzen: "Je höher der Dax steigt, desto geringer wird die Gefahr, dass auch die Münchener Rück noch eine Kapitalerhöhung durchführen muss", sagt Hipper. Zudem machen Analysten das absehbare Ende des Krieges im Irak als Auslöser für die Rally aus. "Eine Unsicherheit in der Welt ist kontrollierbarer geworden", sagt Guido Hoymann vom Bankhaus Metzler.

Doch für eine dauerhafte Erholung warten Experten noch auf echte Belege im operativen Geschäft der Finanzdienstleister. Auch Bank-Analysten mahnen: Die deutschen Großbanken müssten erst noch beweisen, dass sie durch ihre zum Teil massiven Sparaktionen nicht ihre Ertragsquellen abgewürgt haben.

Ein Blick auf die relative Performance von Allianz und Münchener Rück zeigt, dass die jüngste Erholung nicht annähernd die Wertvernichtung der vergangenen Jahre aufholen wird: Seit Anfang 2002 hat die Allianz 76 Prozent verloren, die Münchener Rück 74 Prozent. Der Dax hat in dieser Zeit nur 45 Prozent nachgegeben.

"Das Tempo der jetzigen Erholung beider Werte überrascht mich schon", sagt ein Analyst einer Londoner Großbank. "Dabei hat die Münchener Rück operativ im Stammgeschäft mehr Probleme als die Allianz. Und die Allianz scheint ihre Probleme nun anzugehen." So hat die Allianz ihr globales Industriegeschäft umstrukturiert und angekündigt, das Problemkind AGF in Frankreich auf Vordermann bringen zu wollen. "Bei der Allianz erwarte ich eine Verbesserung der operativen Ergebnisse", sagt Marc Thiele von Commerzbank Global Securities in London. Im Stammgeschäft Schaden/Unfallversicherung rechnet er dank deutlicher Prämienerhöhungen mit steigenden Gewinnen.

Auch die Münchener Rück kämpft mit Problemen: Der Rückversicherer weist für 2002 trotz stark steigender Prämien eine Schaden-Kosten-Quote von 122,4 Prozent aus; sprich, für jeden Euro Prämie gibt die Münchener Rück 1,22 Euro für Schäden und Kosten aus. Zudem ist der Konzern in großem Umfang an den problembeladenen deutschen Banken beteiligt: Dem Konzern gehören 26 Prozent der Hypo-Vereinsbank, zehn Prozent der Commerzbank und künftig noch 15 Prozent an der Allianz - zu der vollständig die Dresdner Bank gehört. Allianz und Münchener Rück haben zudem Milliarden Dollar mit ihren US-Töchtern versenkt.

Beide Konzerne mussten auf Grund der Kapitalmarktkrise Milliarden abschreiben. Um das geschrumpfte Eigenkapital aufzufüllen, sammelte die Allianz über eine Kapitalerhöhung 4,4 Mrd. Euro bei den Anlegern ein, die Münchener Rück besorgte sich über neue Anleihen 3,7 Mrd. Euro - beide Kapitalmaßnahmen brachten mehr ein als erwartet. Belastete die Ankündigung der Kapitalschritte die Aktien, profitieren sie nun davon, dass die Maßnahmen glatt über die Bühne gingen.

Für die kommenden Monate ist Gerhard Schwarz von der Hypo-Vereinsbank für die Bankaktien eher optimistisch. An den Kreditmärkten rechnet er nicht mehr mit großen Enttäuschungen. Gesamtwirtschaftlich bleibe Deutschland zwar das Schlusslicht in Europa, aber immerhin seien die negativen Nachrichten bereits in den Kursen enthalten. Andere Analysten bleiben vorsichtig: Die Aktienkurse der Banktitel seien in den vergangenen Wochen von bankrottnahen Bewertungen in die Nähe ihrer fairen Niveaus zurückgekehrt, meint Guido Hoymann vom Bankhaus Metzler. Jetzt komme es auf die anstehenden Geschäftszahlen an: Die Banken mit bekanntlich nicht hoher Profitabilität müssten zeigen, dass sie nicht nur Kosten abgebaut, sondern auch Ertragsquellen erhalten hätten. "Es bleibt zu zeigen, wo man Geld generieren kann."

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