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Fondsmanager rechnen in Russland mit allem - 'Fall Yukos ist eine Black Box'DPA-Datum: 2004-07-06 15:17:28

FRANKFURT (dpa-AFX) - Deutsche Fondsgesellschaften rechnen im Fall Yukos < YUSA.MUN > derzeit mit dem Schlimmsten. "Das Ganze ist eine 'Black Box' und nicht mehr durchschaubar", sagte Rolf Drees, Sprecher von Union Investment, am Dienstag der dpa-AFX. "Die Gefahr, dass ein Teil der Investitionen weg sein könnte, ist selbstverständlich vorhanden."

FRANKFURT (dpa-AFX) - Deutsche Fondsgesellschaften rechnen im Fall Yukos < YUSA.MUN > derzeit mit dem Schlimmsten. "Das Ganze ist eine 'Black Box' und nicht mehr durchschaubar", sagte Rolf Drees, Sprecher von Union Investment, am Dienstag der dpa-AFX. "Die Gefahr, dass ein Teil der Investitionen weg sein könnte, ist selbstverständlich vorhanden."

Auch ein Manager einer andere großen deutschen Fondsgesellschaft äußerte sich skeptisch: "Mit der ökonomischen Raison kann man das Ganze nicht mehr erklären. In Russland muss man derzeit mit allem rechnen."

Bis zum Mittwoch muss der bislang größte russische Erdölförderer einen ersten Teil von Steuernachforderungen von 2,8 Milliarden Euro bezahlen. In der Vorwoche hatten Gerichtsvollzieher mehrfach die Firmenzentrale durchsucht und die Konten des Konzerns gesperrt.

'VERTRAUEN GESCHÄDIGT'

Die Union Investment kritisiert, dass der politische Konflikt auf Kosten ausländischer Minderheitsaktionäre ausgetragen wird. "Aber auch mit inländischen Aktionären springt man nicht so um", kritisiert die Fondsgesellschaft. Durch den Fall Yukos sei das Vertrauen in den russischen Markt geschädigt worden.

In einem Brief an den russischen Präsidenten Wladimir Putin, der dpa-AFX vorliegt, beklagen Fondsgesellschaften bereits die "hohen Verluste". Sie fordern ein rasches Treffen mit der russischen Regierung. Eine Insolvenz sei noch abwendbar und nicht in Russlands Interesse. Der Fall Yukos habe eine Atmosphäre der Angst und Unsicherheit für ausländische Investoren geschaffen, kritisieren die Fondsgesellschaften.

NOTBREMSE GEZOGEN

Indes distanziert sich die Deka Bank von dem Brief der Fondsgesellschaften. "Wir haben keinen Brief institutioneller Minderheitsaktionäre von Yukos unterschrieben", sagte eine Sprecherin. Ihr Haus unterstütze aber "prinzipiell das Anliegen des Initiators Prosperity Capital Management bei der Durchsetzung der berechtigten staatlichen Ansprüche gegen Yukos, maßvoll vorzugehen und den Bestand des Unternehmens nicht zu gefährden". Mehr wolle die Deka Bank derzeit zu diesem Thema nichts sagen.

Einige Fondsmanager haben indes bereits die Notbremse gezogen und ihren Anteil zum Teil oder ganz verkauft. Dennoch betonen auch sie ihr Interesse am Fall Yukos, da es um die Glaubwürdigkeit des russischen Marktes gehe.

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