Fondsmanager setzen nicht mehr auf fallende Kurse
Hedge-Funds ändern Anlage-Strategie

Hedge-Funds haben maßgeblich zum jüngsten Aufschwung der Aktienkurse beigetragen. Von Pessimismus ist keine Rede mehr. Die Manager warten aber noch auf klare Signale für einen Aufschwung der Weltwirtschaft.

FRANKFURT/M. Auf Aktien konzentrierte Hedge-Funds hatten in den vergangenen Monaten eine neutrale Einstellung gegenüber Dividendenpapieren. Mit dem absehbaren Beginn des Irak-Kriegs hat sich dies geändert. Immer mehr Manager dieser weitgehend frei und unreguliert arbeitenden Kapitalsammelstellen erinnerten sich der Börsenregel, wonach man kaufen soll, wenn die Kanonen donnern.

In den vergangenen Wochen haben so genannte Long/Short-Equity-Manager ihre Bestände in Aktien kräftig erhöht. Bei der Strategie Long/Short werden unterbewertete Aktien gekauft und überbewertete Aktien zugleich verkauft. Nach dieser Strategie sind rund 70 bis 75 % aller Hedge-Funds-Gelder investiert. "Wir haben vor drei Wochen nicht nur unsere Short-Positionen geschlossen, sondern haben peu a peu auch Long-Positionen aufgebaut", sagt Sy Schlüter, geschäftsführender Partner der CAI Analyse- und Beratungsgesellschaft in Frankfurt. Trotz der nach wie vor zahlreichen ökonomischen Fragezeichen sieht Schlüter zunächst keinen Anlass, in Aktien "short" zu gehen, also auf sinkende Kurse zu spekulieren. Schlüter, bisher eher als Aktien-Pessimist bekannt, sieht Anzeichen dafür, dass die Kurswende an den Aktienbörsen dieses Mal "real" ist.

Im gegenwärtigen Umfeld stark gesunkener Aktienkurse seien Hedge Funds auf der Long-Seite ohnehin leicht übergewichtet. "Wer bis zuletzt an den internationalen Aktienbörsen short war, ist ein hohes Risiko eingegangen", sagt Cedric van Rijckevorsel von der auf Hedge Funds-Strategien konzentrierten Banque Syz & Co S.A. in Genf. Die Liquiditätsrally als Folge der Hoffnung auf ein rasches Kriegsende hatte dazu beigetragen, dass einige Hedge Funds ihre Short-Positionen schließen mussten. Dies hat den Kursaufschwung an den Aktienbörsen verstärkt. Anleger sind an den Aktienbörsen "long", wenn sie Aktien kaufen und "short", wenn sie zum Beispiel durch das Instrument "Leerverkauf" auf sinkende Kurse spekulieren. Grundsätzlich hätten die meisten Hedge-Funds-Manager eine leichte Positionierung auf der Long-Seite, sagt Marcel Giacometti, Präsident der Auda Advisors Associates LLC in New York.

Die Minuskorrekturen zum Wochenbeginn seien vor allem darauf zurückzuführen, dass der Optimismus auf ein rasches Kriegsende im Irak durch die aktuellen Meldungen über stärkeren Widerstand für die Truppen der Alliierten einen Dämpfer erhalten habe. Solche tagesaktuellen Nachrichten würden die Handlungsweisen von Hedge-Funds in der Regel nicht beeinflussen, sagt Lars Jaeger von der schweizerischen Partners Group. "Hedge-Funds-Strategien sind meist mittelfristig", erklärt Jaeger. Die Entscheider bei den Hedge-Funds seien gegenwärtig nicht mehr Netto-Short. Mit anderen Worten: Hedge-Funds spekulieren heute kaum noch auf weiter sinkende Aktienkurse. "Die von uns mit Mandaten betrauten Hedge-Funds sind zwar nach wie vor vorsichtig, sie sind aber nicht pessimistisch", sagt Jäger. Allerdings könne man noch nicht so weit gehen, zu sagen, dass der Baissemarkt ein Ende gefunden hat.

Größere Long-Positionen (Kauf von Aktien) seien wegen des weiter recht schwierigen wirtschaftlichen Umfelds momentan noch nicht gerechtfertigt, sagt van Rijckevorsel. In den vergangenen Monaten hätten viele Hedge-Funds wegen des nebulösen geopolitischen Umfelds hohe Barbestände gehalten. Jetzt, wo die meisten Aktienmärkte starke Kursgewinne verzeichnet haben, seien diese Geldverwalter wahrscheinlich eher bereit, sich entsprechend ihrer Ausrichtung zu positionieren. "Wir sehen keinen großen Enthusiasmus, erkennen aber, dass die meisten Akteure wieder meist Long-Positionen aufgebaut haben", sagt Philippe Bonnefoy, bei der Commerzbank verantwortlich für den Bereich Alternativ-Investment. Er verweist auch darauf, dass von den Unternehmen einige positive Signale kommen. So seien zahlreiche US-Aktiengesellschaften inzwischen dazu übergegangen, einen Teil ihrer Liquidität für den Rückkauf ihrer als unterbewertet angesehenen eigenen Aktien an der Börse zurückzukaufen. Für zahlreiche Hedge-Funds-Manager sei dies ein Signal, verstärkt in Aktien zu investieren - und zwar auf der Long-Seite.

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