Fondsmanager suchen Unternehmen mit guter und solider Ausschüttung
Hohe Dividenden allein reichen nicht

Zwölf der 30 Dax-Konzerne erhöhen in diesem Jahr ihre Ausschüttung. Dies erfuhr das Handelsblatt aus den Unternehmen. Doch hohe Dividenden allein können das Risiko für die Aktie sogar steigern. Nur gekoppelt mit Wachstum, kontinuierlichen Ausschüttungen und guter Bonität bieten Aktien mit hoher Dividendenrendite auch Sicherheit.

DÜSSELDORF. Weil das Geschäft gut läuft, entschloss sich die Münchener Softwareschmiede Atoss kürzlich, 1,50 Euro pro Aktie an ihre Anteilseigner auszuschütten. Bei einem Aktienkurs von knapp 10 Euro macht das eine Dividendenrendite von 15 %. Im Deutschen Aktienindex (Dax) bringt es zwar kein Unternehmen auf diesen Wert, Tui und Bayer aber bieten immerhin halb so viel.

Zwölf der 30 Dax-Konzerne werden in diesem Jahr ihre Ausschüttungen erhöhen. Dies überrascht kaum, denn hohe Dividenden sind Markenzeichen einer Börsen-Baisse. Mit einer Dividendenrendite von 3,4 % im Dax - das ist fast soviel wie zehnjährige Staatsanleihen bieten - gibt es soviel wie zuletzt Anfang der achtziger Jahre. Inflationsbereinigt notiert die Dividendenrendite sogar auf Rekordniveau.

Die Vergangenheit zeigt, dass dividendenstarke Titel auf Dauer deutlich besser abschneiden als Unternehmen, die wenig ausschütten. So brachten die 250 dividendenschwächsten Titel im Londoner FTSE-350-Index seit Beginn der Baisse im März 2000 um 65 % ein. Die 150 stärksten Dividendentitel ermäßigten sich dagegen nur um 9 %.

Und auch in Zukunft ist von einer "Outperformance" bei diesen Titeln auszugehen. Denn Investoren suchen besonders in schwachen Börsenzeiten Sicherheit, wie es sie durch regelmäßige Zahlungen zumindest ansatzweise gibt. "Die Nachfrage nach soliden Unternehmen mit hoher Dividende ist groß. Wir planen deshalb, einen internationalen Fonds mit dividendenstarken Werten aufzulegen", sagte Klaus Kaldemorgen, Chefstratege für Aktien bei DWS-Investments dem Handelsblatt. "Was die Unternehmen in bar ausschütten, das hat man sicher", meint Murdo Muchison, Manager des Templeton Growth Fonds. Und auch für Lupus-Alpha-Fondsmanager Josef Schopf ist neben einem niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis die hohe Dividendenrendite ausschlaggebend.

Investoren suchen also verstärkt Aktien mit hoher Dividendenrendite. Allerdings sind die Ausschüttungen einiger Unternehmen mit Vorsicht zu betrachten. Auf der einen Seite erhöhen Konzerne wie Daimler-Chrysler, Altana, Deutsche Börse, Eon und SAP ihre Dividende, weil sie im abgelaufenen Geschäftsjahr viel oder sogar mehr verdient haben. Hingegen zahlt Lufthansa zwar 0,60 Euro, nachdem die Aktionäre im letzten Jahr noch leer ausgingen. Doch die meisten Analysten rechnen im laufenden Geschäftsjahr auf Grund der Krise in der Luftfahrt- und Tourismusbranche mit einem Gewinn pro Aktie, der unter 0,60 Euro liegen wird. Hält Lufthansa also die Dividende konstant, dann zehrt der Kranich von der Substanz. Ähnlich sieht es bei Tui aus: Der Reisekonzern zahlt unverändert 0,77 Euro. Doch ob diese in diesem Jahr je Aktie überhaupt verdient werden, ist sehr fraglich.

Der alleinige Blick auf die Rendite senkt also nicht die Risiken, sondern kann sie sogar erhöhen. Denn häufig kürzen Firmen ihre Ausschüttungen, sobald die Geschäfte schlecht laufen. Beispiele sind Deutsche Telekom sowie Banken und Versicherungen im Dax. Häufig stürzen die Kurse nach Ankündigung einer niedrigeren Dividende ab, weil die Aktien wegen der hohen Ausschüttung gehalten wurden.

Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hat deshalb ein Modell entwickelt, um Aktien zu identifizieren, die eine attraktive Dividendenrendite bieten bei gleichzeitig hoher Wahrscheinlichkeit, dass in Zukunft keine Streichungen zu erwarten sind. Wichtigste Faktoren sind neben erwarteter beziehungsweise angekündigter Ausschüttungen frühere Dividendensenkungen und-erhöhungen, aber auch Gewinnwachstum und-kontinuität. Daneben gibt es Pluspunkte für eine gute Kreditwürdigkeit bei der Ratingagentur Standard & Poor?s. Schließlich legt LBBW Wert auf die Dividendendeckung: Unternehmen, die von der Substanz leben, schneiden in dem Ranking schlechter ab als solche, die gemessen am Ertrag eine niedrige Ausschüttungsquote haben.

Für LBBW gehören aus dem Euro Stoxx 50 mit ING, ABN Amro und Fortis drei Finanzwerte zu den attraktivsten Dividendenwerten. Der italienische Ölwert Eni und der deutsche Versorger Eon komplettieren das Quintett. Bei ING überzeugte neben der Rendite von 8,3 %, dass die Niederländer seit 1992 neun Dividendenerhöhungen vornahmen - Kürzungen gab es keine. ABN Amro verfehlte mit einer Dividendenrendite von 7,0 % und lediglich acht Dividendenerhöhungen seit 1992 nur knapp den ersten Platz. Eni und Eon bieten mit 6,0 % bzw. 4,8 % zwar weniger Rendite. Allerdings überzeugen hier eine exzellente Bonität bei der Ratingagentur und ein kontinuierlich starkes Gewinnwachstum.

Neben Eon gehören für LBBW aus dem Dax noch Metro, Tui, Bayer und die Deutsche Post zu den attraktivsten Dividendenwerten. Der Tourismuskonzern bietet mit derzeit gut 8 % zwar die höchste Dividendenrendite, und seit 1992 wurde die Ausschüttung nur einmal gesenkt. Doch LBBW-Analyst Frank Schallenberger schränkt ein: "Das Wachstum bei Tui ist schwankungsvoll, überzeugt nicht und die Bilanz ist katastrophal. Zudem gibt es kein Rating - Tui würde aber wohl Junk-Bond-Status erhalten."

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