Ford-Papiere noch am attraktivsten
Autobonds sinken in der Analystengunst

Die Probleme der Automobilbranche sind schnell benannt: Überkapazitäten und ein verheerender Preiskampf. US-Hersteller plagen zusätzlich leere Pensionskassen, während die Europäer der starke Euro grämt. Gründe für Entwarnung gab es zuletzt keine. Im Gegenteil.

FRANKFURT/M. Anfang Juni nahm Daimler-Chrysler seine Prognose für Chrysler zurück. Und erst am vergangenen Freitag stufte die Ratingagentur Moody?s die Kreditwürdigkeit des Branchenführers General Motors (GM) herab. Dennoch haben sich die Risikoaufschläge von Autobonds zu Staatsanleihen stetig eingeengt.

Simon Cowie von HSBC führt dies auf die steigende Risikobereitschaft der Investoren angesichts sinkender Renditen bei Staatsanleihen zurück. Der Trend wurde erst gebremst, als Daimler-Chrysler die Märkte mit der Gewinnwarnung für Chrysler wegen des anhaltenden Preiskampfs schockte. Experten raten, Autoanleihen bis auf weiteres zu meiden. Durch die verschiedenen Ratings rentieren die Autobonds auch unterschiedlich. Sie gelten insgesamt aber als teuer.

"Die Gewinnwarnung von Daimler-Chrysler dürfte dazu führen, dass die Risiken im Autosektor wieder bewusster wahrgenommen werden", schreiben die Experten der Landesbank Baden-Württemberg - und stufen den Sektor von "neutral" auf "cautious", also "Vorsicht" herunter, die Anleihen der "Big Three" - Daimler-Chrysler, GM und Ford - von "Market-" auf "Underperformer". Denn nach der Gewinnwarnung weiteten sich die Risikoaufschläge zwar aus - doch nicht genug, wie Experten meinen. Die Analysten der DZ Bank rechnen mit einer "Korrektur der zuletzt teuren Spreadlevels" und raten zu "Gewinnmitnahmen auf dem sehr teuren Niveau". Spreads sind die Renditeaufschläge, die Anleiheemittenten gegenüber als äußerst sicher geltenden Bundesanleihen zahlen müssen, damit Investoren ihnen trotz des höheren Risikos Geld leihen.

In der Tat spricht wenig dafür, dass sich die Finanzstärke der Autokonzerne - die Richtgröße dafür, ob sie zu Tilgung und Zinszahlung im Stande sind - bald verbessern sollte. Der Preiskampf zehrt an den Gewinnmargen. Nach einer Studie von CNW Marketing Research belaufen sich die "Incentives" - Kaufanreize für potenzielle Kunden - bei GM auf durchschnittlich 3 916 $ je Fahrzeug. 3 624 $ bekommt der Kunde einen Ford im Schnitt billiger, bei Chrysler sind es 3 511 $, bei den Europäern im Schnitt 1 847 $.

Während die US-Hersteller dabei auf die Klassiker Preisnachlass und zinsloser Kredit setzen, sind der Kreativität der Konzerne in Europa scheinbar keine Grenzen gesetzt. Mit Benzingutscheinen für 800 Liter (Opel), kostenlosen Versicherungen für den Fall der Arbeitslosigkeit (Skoda), Übernahme der Mehrwertsteuer (Citroën) oder überteuerter Inzahlungnahme des Altwagens (Alfa) ist der Preiskampf in Europa voll angekommen. Die Folge sind sinkende Margen.

Ob sich die schwache Nachfrage und dadurch bedingte Überkapazitäten bei einem Konjunkturaufschwung - wie von der Branche herbeigewünscht - in Luft auflöst, ist fraglich. Branchenkenner erklären: Die Autos halten einfach immer länger. Das Durchschnittsalter der Wagen ist in den vergangenen Jahren von 6 auf 7,2 Jahre gestiegen. Kritische Geister vermuten, dass dies nicht an der Sparsamkeit der Konsumenten liegt, sondern an verbesserter Qualität. Trifft dies zu, macht die Autoindustrie nicht nur eine kleine Konjunkturdelle durch, sondern steckt in einer Strukturkrise.

Wer dennoch Autoanleihen kaufen will, dem raten zumindest die Analysten von HSBC zum Kauf von Ford-Anleihen. Dort sei ein Turn-around möglich. Die Experten von Goldman Sachs raten BMW, Daimler-Chrysler und VW zu halten, Ford und GM zu verkaufen. Für Bonds von GM, die Moody?s am Freitag von A3 auf Baa1 heruntergestuft hatte, sind fast alle Analysten negativ gestimmt. Auch Anleihen von Renault und Toyota traut die Mehrheit der Analysten keine überdurchschnittliche Wertentwicklung zu.

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