Forderung bewegt sich „am Rande eines Tötungsdelikts“: Vater kämpft um Recht auf Tod seines Sohns

Forderung bewegt sich „am Rande eines Tötungsdelikts“
Vater kämpft um Recht auf Tod seines Sohns

Die Debatte um aktive Sterbehilfe in Deutschland geht seit Mittwoch auch vor Gericht weiter. In München will ein Vater vor dem Oberlandesgericht den selbst bestimmten Tod seines Sohnes einklagen. Der 37-Jährige ist organisch gesund, aber schwerst hirngeschädigt.

HB/dpa MÜNCHEN. Die Richter prüfen jetzt, ob eine Pflegeeinrichtung gezwungen werden kann, einen ihrer Patienten sterben zu lassen. Das Gericht will seine Entscheidung am Donnerstag verkünden.

Der 37-Jährige liegt seit einem Selbstmordversuch 1998 im Wachkoma. Sein 64 Jahre alter Vater will das Pflegeheim in Kiefersfelden bei Rosenheim verpflichten, die künstliche Ernährung einzustellen und die Flüssigkeitszufuhr auf ein Minimum einzuschränken, um unter schmerzlindernden Medikamenten ein Nierenversagen herbeizuführen. Das Landgericht Traunstein hatte im vergangenen Oktober die Klage abgewiesen.

Unbestritten hat der Betroffene vor Jahren eindeutig seinen Sterbewunsch geäußert, falls er einmal nur noch künstlich am Leben erhalten werden könne. Das Heim beruft sich auf einen "Ethik- Vorbehalt". Es könne nicht gezwungen werden, einem Menschen zum Sterben zu verhelfen. Die Forderung des Vaters bewege sich "am Rande eines Tötungsdelikts".

Richter Peter Dillinger betonte, es falle schwer, in diesem Fall "die Pietät zurückzustellen" und die Situation mit den geltend gemachten juristischen Formeln "Rechtsgeschäft" und "Vertragsrecht" zu klären. Dem Richter zufolge hat sein Senat nicht die grundsätzliche Frage des Rechts auf einen würdigen Tod zu klären. Es gehe in dem Einzelfall darum, ob das Heim sich dem Sterbewunsch eines Betroffenen widersetzen könne.

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