Forderung: Ende des Tschetschenien-Krieg
Geiselnehmer drohen mit Sprengung des Theaters

Die tschetschenischen Geiselnehmer, die in einem Moskauer Musicaltheater bis zu 700 Zuschauer festhalten, haben für den Fall einer Stürmung die Sprengung des Gebäudes angedroht.

Reuters MOSKAU. Die Rebellen forderten ein "Ende des Krieges in Tschetschenien" und den Abzug der dort stationierten russischen Soldaten. Ein mit den Tschetschenen ausgehandeltes Abkommen zur Freilassung ausländischer Geiseln, darunter auch drei deutsche, scheiterte am Morgen.

Eine Gruppe von rund 40 Rebellen hatte das Theater am Vorabend gestürmt. Eine der Geiseln sagte über Handy, die Rebellen hätten Bomben an die Körpern von Geiseln gebunden. Auch in den Gängen des Gebäudes seien Bomben deponiert. Tschetschenische Politiker verhandelten mit den Geiselnehmern.

Unmittelbar nachdem die Rebellen während des Musicals "Nord-Ost" das Theater besetzt hatten, gingen hunderte schwer bewaffnete Elitekräfte und Polizisten um das Theater in Stellung. Die Polizei räumte die umliegenden Gebäude und riegelte die Umgebung ab. Es wurde von Schießereien in mehreren Teilen des fünfstöckigen Gebäudes berichtet. Auf ihrer Website erklärten die Rebellen, ein Polizist sei getötet worden. Von der Polizei wurde dies nicht bestätigt.

Rebellen fordern Abzug aus Tschetschenien

Auf ihrer Website veröffentlichten die Rebellen eine Erklärung, die vom Befehlshaber der Geiselnehmer, Mowsar Barajew, stammen soll. Darin hieß es, sollte ein Stürmungsversuch unternommen werden, würden die rund eintausend Menschen im Gebäude gemeinsam mit den Rebellen sterben. Wenn der russische Präsident Wladimir Putin das Leben der Geiseln retten wolle, müsse er die russischen Soldaten aus Tschetschenien abziehen. Aus russischen Regierungskreisen verlautete, die Rebellen hätten sich als Selbstmord-Einheit oder "Smertniki" bezeichnet. Putin sagte einen geplanten Deutschland-Besuch ab und kam mit seinen wichtigsten Sicherheitsberatern zusammen.

Eine verängstigte Geisel appellierte über ihr Handy im Fernsehsender NTW an die Sicherheitskräfte: "Bitte versucht keine Erstürmung. Es sind dort viele Sprengsätze. Ich habe große Angst. Ich bitte Sie, versucht keinen Angriff", sagte Tatjana Solnjschkina. Eine andere Geisel, Maria Schkolnikowa, sagte Reuters, die Rebellen hätten Sprengsätze sogar an Geiseln befestigt. Sie rief die internationale Gemeinschaft auf, tätig zu werden. Nachrichtenagenturen berichteten, dass zwei russische Fernsehteams in das Theater gelassen würden.

Freilassung westlicher Geiseln gescheitert

Die vom österreichischen Botschafter in Moskau, Franz Cede, angekündigte Freilassung der Geiseln aus westlichen Ländern scheiterte. Ein Sprecher des russischen Einsatzstabes sagte, die Botschaftsvertreter seien nicht rechtzeitig erschienen, so dass das ausgehandelte Abkommen geplatzt sei. Unter den Geiseln sind Cede zufolge neben Österreichern auch Australier, Briten, US-Bürger und Deutsche. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes sind zwei Frauen und ein Mann aus Deutschland unter den Geiseln.

Über den Erfolg der Bemühungen zweier Unterhändler, dem tschetschenischen Duma-Abgeordneten Aslanbek Aslachanow, und dem früheren Parlamentspräsidenten Ruslan Chasbulatow, wurde offiziell zunächst nichts bekannt. Die Geisel Schkolnikowa, eine Herzspezialistin, sagte, die Rebellen hätten mit Aslachanow gesprochen. Offenbar sei keine Einigung erzielt worden.

Bereits im ersten Tschetschenien-Krieg von 1994 bis 1996 war es zu zwei großen Geiselnahmen der Rebellen gekommen. 1995 wurden etwa 120 Menschen getötet, als tschetschenische Rebellen ein Krankenhaus in der südrussischen Stadt Budennowsk besetzt hatten. 1996 hatten Tschetschenen bei einem Überfall auf die Stadt Kisljar in Dagestan mehr als 2000 Menschen als Geiseln genommen.

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