Forderung nach Harmonisierung der Stromsubventionen
Erneuerbare Energie wird zu teuer produziert

Die EU-Staaten könnten den Anteil erneuerbarer Energien bis 2010 zu relativ niedrigen Kosten auf 17 % statt den angepeilten 12 % am Primärenergieverbrauch steigern.

BRÜSSEL. Dies ergibt eine von der EU-Kommission in Auftrag gegebene und mit Hilfe der Mitgliedstaaten erstellte Studie des niederländischen Projektbüros "Nachhaltige Energie" (PDE) und der Agentur CEA. "Die Rate ist erreichbar, wenn der europäische Markt harmonisiert und liberalisiert wird", sagte Mitautor Marnix van Alphen dem Handelsblatt.

Ohne eine Harmonisierung von Standards, Handelsbedingungen, Produktionsanreizen un einen freien Verbrauchermarkt sei selbst 12 % ein sehr ehrgeiziges Ziel, warnt van Alphen. Wind-, Wasser-, Biomasse- oder Sonnenenergie müssten am jeweils preiswertesten Ort produziert und in andere Länder transportiert werden. Stimmten die Staaten ihre Politiken aufeinander ab, könnten sie-zig Milliarden Euro sparen. "Es ist nicht kosteneffektiv, dass jedes Land seine eigene Politik hat."

Die mit der OECD verbundene Internationale Energie-Agentur (IEA) unterstützt prinzipiell die Erkenntnisse der Studie. "Bei stärkerer politischer Förderung ist 17 % ein realistisches Ziel", so IEA-Forscher Rick Sellers. Es sei logisch, zuerst die besten Ressourcen zu nutzen. Dann sei der Handel preiswerterer regenerativer Energien über Grenzen hinweg zu entwickeln. "So ist die kostengünstigste und umweltfreundlichste Energieversorgung zu erreichen."

"Wenn die Politik erneuerbare Energien stärker fördern will, gebietet es die ökonomische Vernunft, dort zu produzieren, wo es am günstigsten ist", bestätigt Dieter Schmitt, Professor für Energiewirtschaft an der Universität Essen. Fraglich sei aber, ob die Kosten des Energietransports geringer seien als dessen ökonomischer Nutzen. Zudem seien erneuerbare Energien nur mit erheblichen Subventionen wirtschaftlich. Eine Liberalisierung der Märkte und die Verlagerung der Erzeugung führe nur dann zu niedrigeren Kosten, wenn jedes Land bereit wäre, die Kosten für den an preisgünstigen Standorten in anderen Ländern hergestellten Strom mit zu tragen, betonte Schmitt. "Das wäre volkswirtschaftlich das Sinnvollste, ist aber ziemlich unrealistisch." Es sei "ein frommer Wunsch", dass die Europäer bereit seien, ihre Subventionen für erneuerbare Energien zu harmonisieren, zumal viele Länder gar keine Subventionen zahlen würden.

Staaten, die wie Deutschland erneuerbare Energien stark förderten, erhofften sich überdies vom Verkauf der Technologien einen wirtschaftlichen Vorteil und die Schaffung vieler Arbeitsplätze, beschreibt IEA-Experte Sellers einen weiteren Interessenskonflikt. Das stehe der Idee entgegen, die preiswertesten Ressourcen dienten Europa und den Verbrauchern am ehesten. "Die beste Strategie ist die, welche die meisten Synergien zwischen den Märkten aller Länder schafft", meint Sellers.

Die Studie zeigt, welches Land welchen Weg gehen sollte und wo die preiswerteste Produktion möglich ist. Allein auf Deutschland entfällt 30 % des europäischen Potenzials. "Der Anteil von 2,2 % erneuerbarer Energien am Primärenergieverbrauch 1998 ist nur ein Viertel des technisch und wirtschaftlich möglichen Potenzials", so van Alphen. Zwar sei die Windenergie in absoluten Zahlen die höchste in Europa, ihr Beitrag zur regenerativen Energie aber sei bescheiden. Fast alle Energieträger könne man stärker entwickeln. Doch stoße dies auf Widerstände: Gerade die Windbranche erlebe Restriktionen durch Naturschutz- und Bebauungsvorschriften oder militärische Belange.

Quelle: Handelsblatt

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