Forderung von bis zu zwei Millionen Dollar pro Betroffenem
Deutsche Sammelklage gegen US-Rüstungsfirmen wegen Strahlenbelastung

Frühere Radartechniker der Bundeswehr wollen US- Rüstungsfirmen wegen Verstrahlung auf Schmerzensgeld in Millionenhöhe verklagen. Die Sammelklage von rund 100 Betroffenen oder Hinterbliebenen werde im Juli in Washington eingereicht, sagte der Berliner Rechtsanwalt Reiner Geulen am Donnerstag.

dpa BERLIN. Für jeden Fall würden bis zu zwei Millionen Dollar gefordert, sagte der Anwalt und bestätigte damit einen entsprechenden Bericht des "Flensburger Tageblatts" vom selben Tag.

Die Radargeräte der Firmen ITT (New York) und Raytheon (Lexington), die die Bundeswehr bis in die 70er Jahre ausgerüstet hatten, sollen bei Ingenieuren, Technikern und Physikern Krebserkrankungen ausgelöst haben, sagte der Anwalt. Rund 50 Personen seien gestorben, vor allem an Leukämie. Etwa 140 Betroffene sollen erkrankt sein. In den USA geborene Kinder von deutschen Radartechnikern seien mit Missbildungen zur Welt gekommen. Geulen wurde von der "Initiative Strahlenopfer" mit der Sammelklage beauftragt.

Unterdessen will die Bundeswehr-Kommission zur Untersuchung von Gesundheitsgefahren durch Uranmunition, Radarstrahlung und Asbest nach einem Bericht des "Tagesspiegel" (Freitagausgabe) Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) empfehlen, den Radaropfern eine "großherzige Lösung" anzubieten. Die Sache sei erst dann sauber vom Tisch, wenn jedes Opfer rund 100 000 DM Entschädigung bekomme, zitierte die Zeitung zudem einen CDU-Abgeordneten aus dem Verteidigungsausschuss. Laut "Tagesspiegel" geht das Ministerium von 100 erkrankten Technikern aus.

Die Beschäftigten, die in den 70er Jahren mit den Geräten arbeiteten, seien von den Herstellerfirmen nicht vor den Risiken gewarnt worden, betonte der Anwalt. Es habe auch keine ausreichenden Schutzmaßnahmen wie etwa Bleischürzen gegeben. Anfang Februar hatte das Bundesverteidigungsministerium Versäumnisse Mitte der 70er Jahre beim Umgang mit röntgenstrahlenden Radaranlagen zugegeben. Damals gab es laut Bundesamt für Strahlenschutz noch keine Strahlenschutzverordnung.

Experten der Universität Witten-Herdecke hatten in einer bislang unveröffentlichten Studie einen Zusammenhang von alten Bundeswehr-Radargeräten und Krebserkrankungen als nicht erwiesen bezeichnet. Die Wissenschaftler hatten 99 erkrankte Radarmechaniker erfasst, davon acht Leukämie-Kranke. 24 Personen starben nach diesen Angaben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%