Forderungen an France Telecom
UMTS-Rückzug kostet Mobilcom Milliarden

Der Rückzug aus dem UMTS-Abenteuer hat bei dem Mobilfunkanbieter Mobilcom im dritten Quartal mit einem Betriebsverlust von 2,9 Milliarden Euro zu Buche geschlagen. In den ersten neun Monaten summierte sich der Verlust sogar auf 3,2 Milliarden Euro.

Reuters HAMBURG. Das in der vergangenen Woche vor der Insolvenz gerettete Unternehmen bezifferte die Abschreibungen auf sein komplettes UMTS-Vermögen am Donnerstag auf 9,9 Milliarden Euro. Im Gegenzug seien Forderungen an den früheren Partner France Telecom in Höhe von 7,1 Milliarden Euro aktiviert worden, so dass das Ergebnis per Saldo mit 2,8 Milliarden Euro belastet worden sei. Der französische Telefonkonzern hatte am vergangenen Freitag nach wochenlangem Ringen zugesagt, insgesamt sieben Milliarden Euro Schulden von seinem einstigen Partner zu übernehmen. Der Wert der vor zwei Jahren mit finanzieller Hilfe von France Telecom für 8,4 Milliarden Euro ersteigerten UMTS-Lizenz wurde vollständig in den Büchern auf Null gestellt.

Mobilcom-Chef Thorsten Grenz erklärte, mit der bilanziellen Bereinigung sei die Existenzbedrohung des Unternehmens abgewendet. Die "neue" Mobilcom gehe ohne Belastungen aus dem UMTS-Projekt an den Start. Dennoch verlor die im Nemax50 gelistete Aktie stärker als der Markt um rund drei Prozent und notierte am Nachmittag bei 4,79 Euro.

Grenz bekräftigte zugleich das Ziel, im Laufe des ersten Halbjahres 2003 im Stammgeschäft wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Das vierte Quartal 2002 werde noch in erheblichem Umfang durch Restrukturierungsaufwendungen - darunter Kosten für den bereits beschlossenen Abbau von bis zu 1850 der zuletzt noch 4925 Arbeitsplätze - belastet.

"Mobilcom steht jetzt da, wo sie angefangen haben - als schuldenfreier Reseller. Damit können sie profitabel sein, aber die Margen sind natürlich geringer. Die Insolvenz ist erstmal kein Thema, aber es fehlt ein bisschen die Fantasie", sagte Frederik Altmann, Analyst bei Hornblower Fischer.

Klaus Baumann von SES Research erklärte, im Mobilfunkgeschäft von Mobilcom zeichne sich eine Stagnation ab. Somit dürfte es dem Unternehmen in den kommenden Quartalen schwer fallen, in diesem Segment signifikante Gewinne zu erzielen.

Im Kerngeschäft, dem Weiterverkauf von Handy-Verträgen anderer Mobilfunkanbieter, an dem Mobilcom über Provisionen verdient, schrieb die Büdelsdorfer Firma in den ersten neun Monaten bei einem Umsatz von 1,1 Milliarden Euro einen operativen Verlust von 53,77 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte diese Sparte noch ein positives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 30,4 Millionen Euro bei einem ähnlich hohen Umsatz von 1,07 Milliarden Euro erzielt. Mobilcom-Sprecher Matthias Quaritsch bezifferte den um den UMTS-Effekt bereinigten Betriebsverlust für den Konzern im dritten Quartal auf 37,7 Millionen Euro nach minus 6,8 Millionen im Vorjahresquartal.

Die Zahl seiner Mobilfunkkunden konnte Mobilcom trotz des monatelangen Ringens um sein Überleben mit 4,9 Millionen stabil halten. Der Konzernverlust für das dritte Quartal lag mit 2,86 Milliarden Euro über den Erwartungen von Analysten. Von der Nachrichtenagentur Reuters zuvor befragte Branchenexperten hatten einen Nettoverlust von rund 2,5 Milliarden Euro erwartet. Der Konzernumsatz verringerte sich von Juli bis September im Vergleich zum Vorquartal leicht auf 518,8 (520,0) Millionen Euro, lag aber deutlich unter dem Wert des Vorjahreszeitraums von 608,8 Millionen Euro. Analysten hatten mit einer Spanne von 510 bis 609 Millionen Euro gerechnet.

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