Forderungen bekräftigt
Verdi plant bundesweiten Streik ab 19. Januar

Die Gewerkschaft Verdi bereitet parallel zu der geplanten Schlichtung im Tarifkonflikt für den öffentlichen Dienst bereits einen lang andauernden bundesweiten Streik vor.

Reuters BERLIN/HANNOVER. Nach den Worten des niedersächsischen Verdi-Chefs Wolfgang Denia stehen die Termine für eine Urabstimmung und der Streikbeginn am 19. Januar bereits fest. "Wenn sich die Arbeitgeber nicht bewegen, wird es dann einen sehr harten und langen Winter im öffentlichen Dienst geben. Wir fahren dann das volle Programm ab", sagte Denia am Freitag in Hannover. Die Gewerkschaft will nach seinen Worten große Teile der öffentlichen Datenverarbeitungszentren lahm legen und damit Bund, Länder und Kommunen an einem zentralen Nerv treffen. "Wir wollen mit minimalem Aufwand maximale Wirkung erzielen", sagte Denia. Auf Seiten der Bundesländer hieß es dazu, die Gewerkschaft baue verständlicherweise für die Schlichtung eine Drohkulisse auf.

Die Tarifverhandlungen für die rund drei Millionen Beschäftigten waren am Vortag in Kassel gescheitert. Vom 28. Dezember an ist das Schlichtungsverfahren mit den früheren SPD-Politikern Hans Koschnick und Hinrich Lehmann-Grube geplant. Verdi-Chef Frank Bsirske kündigte in der Zeitung "Die Welt" "eine kräftige Welle von Streiks" an. Das Angebot der Arbeitgeber für Lohnerhöhungen zwischen 0,9 und 1,2 Prozent sei eine Unverschämtheit. "Mit der Anrufung des Schlichters wollen wir den Arbeitgebern die Chance geben, auf den Weg der Vernunft zurückzukehren. Sicherheitshalber stellen wir uns aber auf harte Auseinandersetzungen ein", sagte Bsirkse.

Wenn es nach einem Schlichterspruch am 5. Januar nicht zur Tarifeinigung kommt, soll nach den Worten von Verdi-Landeschef Denia die Bundestarifkommission der Gewerkschaft einen Tag später das Scheitern erklären und anschließend für den 14. bis 17. Januar die Urabstimmung einleiten.

Streikauftakt im Theater

Mit bundesweiten Streiks wird den Planungen zufolge am 19. Januar, einem Sonntag, in öffentlichen Theatern und anderen Kultureinrichtungen begonnen. Vom 20. Januar an soll der Streik auf Müllabfuhren, den Nahverkehr, das Gesundheitswesen, die Feuerwehr und andere Bereiche des öffentlichen Dienstes ausgeweitet werden. "Wir werden uns kontinuierlich steigern", sagte Denia und erinnerte an die beiden großen Streiks im öffentlichen Dienst von 1974 und 1992.

Verdi habe mit der Forderung nach deutlich mehr als drei Prozent mehr Lohn bereits eine realistische Größenordnung angestrebt und damit langwierige Verhandlungen vermeiden wollen. "Das haben die öffentlichen Arbeitgeber nicht verstanden", sagte Denia.

Kritik an Bsirske unberechtigt

Es gebe keinen Grund die Strategie von Verdi in der aktuellen Auseinandersetzung in Frage zu stellen, sagte Denia. Kritik des früheren Chefs der Verdi-Vorgängergewerkschaft ÖTV, Herbert Mai, der Verdi-Chef Bsirkse mangelnde Reformbereitschaft und zu wenig Flexibilität vorgeworfen hatte, wies Denia zurück. "Die Arbeitgeber tragen ihre Probleme auf dem Rücken der Beschäftigten aus. Das ist weder ein Problem von Frank Bsirske noch von Verdi".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%