Forderungen der EU belasten den Konzern – Aktienkurs fällt
Deutsche Post erwartet für 2002 Gewinneinbruch

Die Deutsche Post blickt pessimistischer in die Zukunft als noch vor einem Monat. Postchef Klaus Zumwinkel geht jetzt von einem Ergebnisrückgang für 2002 aus. Vor vier Wochen hielt er noch Zuwächse für möglich.

hz FRANKFURT/M. Europas größter Postdienst, die Deutsche Post AG, hat nach einem Verlust im zweiten Quartal seine Erwartungen für Ergebnis und Umsatz im laufenden Jahr nach unten revidiert. Post-Vorstandschef Klaus Zumwinkel rechnet jetzt wegen der schwachen Konjunktur für 2002 mit einem Rückgang des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) um 10 bis 15 % gegenüber dem Vorjahreswert von 2,55 Mrd. Euro.

Bei den Einnahmen erwartet der Logistikdienstleister statt 41 Mill. Euro im Gesamtjahr nur noch "knapp" 40 Mill. Euro, hieß es. Auf der Hauptversammlung Anfang Juni hatte Zumwinkel noch eine Steigerung des Ergebnisses für möglich gehalten.

Nun dürfte der Jahresüberschuss des gelben Riesen in diesem Jahr massiv schrumpfen. Denn die Post muss auch 850 Mill. Euro für die Erstattung staatlicher Beihilfen zurückstellen. Die Europäische Kommission hatte die Post zur Rückzahlung von 572 Mill. Euro zuzüglich der über mehrere Jahre aufgelaufenen Zinsen als unerlaubte staatliche Beihilfen verpflichtet. Gegen die Brüsseler Entscheidung werde allerdings bereits "in Kürze" Klage beim Europäischen Gerichtshof eingereicht, sagte Zumwinkel jetzt in Frankfurt. Die Entscheidung weise grobe Verfahrensverstöße und "in der Sache gravierende Mängel auf".

Ein weiteres Problem für die Post ist die Entscheidung der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, das Briefporto vom 1. Januar 2003 an um insgesamt 4,7 % zu senken. Dies werde den Konzern-Ertrag bis 2007 um jährlich rund 300 Mill. Euro drücken. Experten erwarten nur noch ein Ergebnis von 625 Mill Euro, nach 1,59 Mrd. Euro im Vorjahr.

Dividende gesichert

Trotz des Gewinneinbruchs will die Post erneut eine Dividende ausschütten, sagte Finanzvorstand Edgar Ernst. Für Aussagen über die mögliche Höhe der Dividende sei es aber noch zu früh. Nils Machemehl von M.M.Warburg erwartet, dass die Post nur noch 15 Cent, statt wie im Vorjahr 37 Cent, zahlt. Die Börse reagierte verschnupft: Die Aktie Gelb gab zeitweise knapp 4 % nach. John Lawson, Analyst der WestLB Panmure, bewertet die Post-Titel weiterhin mit "underperform".

Mit einem Fünf-Punkte-Programm will Post-Chef Zumwinkel nun dagegen halten und das Vertrauen des Kapitalmarktes zurückgewinnen. Geplant seien Preiserhöhungen auf breiter Front bei nicht preisgebundenen Produkten. Gleichzeitig will das Unternehmen mehr postfremde Leistungen, wie beispielsweise kommunale Dienstleistungen, in den Filialen anbieten. Außerdem sollen bislang kostenfreie Dienstleistungen wie Nachsendung oder Lagerung künftig Geld kosten. Zudem stünden nach der Entscheidung der Bonner Regulierungsbehörde, das Porto zu senken, Arbeitsplätze sowie Filial- und Briefkastenstandorte auf dem Prüfstand.

Die Post hatte Anfang Juli nach der Anordnung der Regulierungsbehörde, das Porto zum 1. Januar 2003 zu senken, bereits drastische Sparmaßnahmen angekündigt. Damals war von dem möglichen Abbau von bis zu 10 000 Stellen im Briefdienst sowie der Schließung von rund 1 000 Filialen die Rede. Zumwinkel kündigte an, dass der Standardbrief nach dem Willen der Post künftig 55 statt 56 Cent kosten werde. Weitere Porti stünden noch nicht fest.

Trotz der angespannten Situation will die Post nun im Herbst ihre lange erwartete Anleihe über 1 Mrd. Euro begeben. Nachdem die Ratingagenturen nicht mit Herabstufungen der Bonität auf die bevorstehenden Rückzahlungen reagiert hätten, sei der Weg für eine Platzierung am Kapitalmarkt frei, sagte Finanzvorstand Ernst. Die Post hatte die Emission im Juni wegen des Streits mit der EU-Kommission verschoben.

Der Konzerngewinn der Post schrumpfte im ersten Halbjahr 2002 auf 155 Mill. Euro. Im Vorjahr konnte das Unternehmen noch einen Gewinn von gut 1 Mrd. Euro präsentieren. Im zweiten Quartal schrieb die Post wegen der Rückstellungen sogar erstmals seit 1996 einen Verlust von 257 Mill. Euro. Das Ebitda ging im Halbjahr um 6 % auf 1,3 Mrd. Euro zurück. Der Umsatz sei dagegen hauptsächlich wegen der Übernahme der Mehrheit an dem Logistik-Unternehmen DHL International um rund 15 % auf 19,4 Mrd. Euro gestiegen.

Quelle: Handelsblatt

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