Forderungen nach Impf-Programm werden lauter
Maul- und Klauenseuche: höchste Alarmstufe in Deutschland

Nach Einschätzung der nordrhein-westfälischen Agrarministerin Bärbel Höhn (Grüne) ist die Gefahr groß, dass die Maul- und Klauenseuche aus den Niederlanden übergreift.

dpa BERLIN. Angesichts der immer näher rückenden Maul- und Klauenseuche (MKS) herrscht in Deutschland höchste Alarmstufe. Politiker und Bauern halten eine Ausweitung der Seuche auf das Bundesgebiet für nicht mehr ausgeschlossen. Nach England, Frankreich und Holland wurde am Donnerstag auch in Irland ein erster MKS-Fall bestätigt. In den Niederlanden, wo sich die Seuche im Süden ausbreitete, sollen mittlerweile mindestens acht Betriebe von der Tierkrankheit betroffen sein. In Deutschland wurden angesichts der sich zuspitzenden Lage flächendeckende Impfungen gefordert. Zwischen den Niederlanden und der EU brach ein Streit über die Notimpfung von Tieren aus.

"Die Wahrscheinlichkeit, dass wir den Ernstfall hierher bekommen, ist sehr hoch", sagte die nordrhein-westfälische Agrarministerin Bärbel Höhn (Grüne) im Westdeutschen Rundfunk. Auch ihr niedersächsischer Amtskollege Uwe Bartels (SPD) warnte, das Virus werde an der holländischen Grenze nicht Halt machen. Höhn, das niedersächsische Agrarministerium und Bauernpräsident Gerd Sonnleitner bekräftigten ihre Forderungen nach einem Impf-Programm gegen die Seuche.

Nach Angaben von Höhn sind seit dem 1. Februar bei 1 200 Transporten mehr als 200 000 Tiere aus den Niederlanden nach Nordrhein-Westfalen transportiert worden. Die Ministerin rief am Donnerstag einen Krisenstab zusammen, um über Schutzmaßnahmen zu beraten.

Virus vielleicht schon unbemerkt in D Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner, sagte im Südwestrundfunk (SWR), die Ängste der Bauern würden immer größer. Die Gefahr, dass das Virus unbemerkt schon nach Deutschland gekommen sei, halte er für "riesengroß". Er bekräftigte deshalb seine Forderung nach einem flächendeckenden europäischen Impf-Programm. Von Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) forderte er, bis zum Sonntag sämtliche Tiertransporte in Deutschland zu verbieten.

Hamsterkäufe in den NIederlanden

Der niederländische Ministerpräsident Wim Kok betonte unterdessen, dass die Niederlande verseuchte Tiere nicht wie in Großbritannien auf großen Scheiterhaufen verbrennen wollten. Das Landwirtschaftsministerium hatte angeordnet, die Tiere aus den betroffenen Höfen zunächst zu impfen, um eine Verbreitung des Virus zu verhindern. Brüssel forderte jedoch, die Tiere unverzüglich zu verbrennen. Auf Grund des Transportverbots von Tieren, Futter und Milch kam es in den Niederlanden zu Hamsterkäufen in den Supermärkten.

Krisensitzung in Berlin

In Deutschland will der Bundestagsausschuss für Ernährung und Landwirtschaft voraussichtlich an diesem Freitag zu einer Krisensitzung in Berlin zusammenkommen. Im niedersächsischen Bezirk Weser-Ems standen nach Angaben der Bezirksregierung Oldenburg 56 Bestände mit Klauentieren aus den Niederlanden unter Quarantäne. In Nordrhein-Westfalen wurden zahlreiche Zoos aus Angst vor der Seuche geschlossen. In baden-württembergischen Schulen wurden Klassenfahrten nach England abgesagt.

Die deutschen Viehtransporteure sind nach eigenen Angaben durch BSE und die Maul- und Klauenseuche in ihrer Existenz bedroht. "Wir stehen vor der Pleite", sagte der Vieh-Spediteur Matthias Hefter. Auf Grund der gestoppten Vieh-Transporte betrage der Verlust mindestens 10 000 Mark pro Tag. Wegen der Seuche sagten Bauern eine für Freitag geplante Demonstration in Cottbus ab. Die Agrarminister der Länder beraten in Cottbus unter anderem über Schutzmaßnahmen gegen MKS. Brandenburgs Landwirtschaftsminister Wolfgang Birthler (SPD) forderte eine bessere Koordination im Kampf gegen die Seuche.

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