Forderungen sind aber nachvollziehbar
Fondsmanager: Ausschluss von Penny-Stocks kein Allheilmittel

Mit der Erweiterung ihres Regelwerks um den Ausschluss von Niedrigpreis-Aktien (Penny Stocks) könnte die Deutsche Börse eine mögliche Abwanderung von Unternehmen aus dem Neuen Markt aufhalten. Während Mobilcom und Singulus wegen des Imageverlustes eine Delisting inzwischen nicht mehr ausschließen, wollen andere im Auswahlindex Nemax 50 gelistete Firmen wie Aixtron und Biodata trotz der aktuell niedrigen Kurse dem deutschen Wachstumssegment die Treue halten.

Reuters FRANKFURT. Händler bezweifelten am Mittwoch, ob Fonds bei einem Segmentwechsel der Unternehmen weiter in den Werten investiert bleiben würden. Ein Abwandern profitabler Werte wäre zudem katastrophal für den Neuen Markt. Fondsmanager sehen in dem Ausschluss von Penny-Stocks kein Allheilmittel für das Wachstumssegment. Einen Attraktivitätsverlust für die Aktie bei einem Wechsel schlossen Fondsmanager indes nicht aus.

"Die Marktkapitalisierung muss das entscheidende Kriterium für einen Ausschluss sein und nicht, dass die Aktie unter einem Euro notiert", sagte Ulf Moritzen, Fondsmanager bei Nordinvest. Wassili Papas, Fondsmanager bei Union Investment, sagte, er stehe der Diskussion eher neutral gegenüber. Ein Delisting sei nicht die Möglichkeit, die sein Institut stark befürworte. "Das wird das Problem nicht lösen", sagte Papas. Viele Faktoren spielten bei der Kursentwicklung zusammen, unter anderem die starke Konjunkturabhängigkeit. Auf Grund des entstandenen Vertrauensverlustes am Neuen Markt seien die Forderung nach schärferen Maßnahmen zwar nachvollziehbar, aber grundsätzlich solle sich der Markt eher selbst bereinigen, was allerdings länger dauere als ein Delisting. Seiner Ansicht nach werden in den kommenden zwölf bis 24 Monaten beim gültigen Regelwerk 50 bis 100 Unternehmen verschwinden. Danach könne sich der Neue Markt wieder erholen, wenn die Konjunktur wieder anspringe.

Nach Ausschluss weiterer Abgabedruck möglich

Bei der Auswahl von Titeln konzentriere sich Papas nicht ausschließlich auf den Neuen Markt. Dennoch seien die großen Unternehmen bei einem Wechsel nicht mehr in dem Segment gelistet, "in dem wir unsere Benchmark haben", fügte der Fondsmanager hinzu. Penny Stocks seien prinzipiell für Fonds unattraktiv, sagte Michael Fraikin, Fondsmanager bei SEB und Invesco, vergangene Woche. Sie hätten in der Regel zu oft die Erwartungen der Anleger enttäuscht und seien besonders für langfristige Investments ungeeignet. Nach Händlereinschätzung kann es auch zu Abgabedruck kommen, wenn Unternehmen das Segment wechseln, weil viele Fonds stark im Neuen Markt engagiert seien.

Die Deutsche Börse prüft nach eigenen Angaben derzeit Möglichkeiten, das Regelwerk um den Punkt "Delisting von Penny-Stocks" zu erweitern. Details seien aber noch offen, sagte ein Börsensprecher am Dienstag.

Indes schloss Singulus einen Segmentwechsel nicht aus, obwohl sich der Anlagenbauer am deutschen Wachstumsmarkt sehr wohl fühlt. "Aber wenn sich der Neue Markt zum Penny-Markt entwickelt, dann ist er nicht der richtige Markt für uns", sagte Singulus-Sprecher Bernhard Krause am Dienstag. Mobilcom-Sprecher Matthias Quaritsch sagte am Mittwoch, sein Unternehmen sei mit der Entwicklung des Neuen Marktes "nicht so richtig glücklich." Es gebe schon seit längerem Überlegungen, das Wachstumssegment zu verlassen, bislang sei aber noch keine Entscheidung gefallen. MobilCom habe schließlich dem Neuen Markt auch einiges zu verdanken, fügte er hinzu.

Aixtron-Sprecher Claus Ehrenbeck trat am Mittwoch Gerüchten um einen möglichen Segmentwechsel mit den Worten entgegen: "Das Thema wird nicht diskutiert". Auch der Sprecher des Softwareunternehmens Biodata, Heiko Scholz, sagte, "wir denken nicht über einen Wechsel nach. Der Neue Markt ist das richtige Segment für uns". Notwendig seien aber strengere Richtlinien. Penny-Stocks sollten ausgeschlossen und darüber nachgedacht werden, den Nemax50 auf einen Nemax30 einzuschränken, um das Image zu verbessern. "Es sollte mehr auf Qualität statt auf Masse gesetzt werden", fügte Scholz hinzu.

Händler forderten unterdessen nicht nur den Ausschluss von Penny-Stocks, sondern auch von insolventen Firmen und extrem umsatzschwachen Aktien. Allerdings wäre das Abwandern von qualitativ guten, profitablen Werten eine Katastrophe. "Dann ist das Segment nicht mehr zu retten und kann umbenannt werden in insolvenz.com", sagte ein Händler. Zudem seien langfristig orientierte Investoren an Fundamentaldaten orientiert. Die Kurse müssten deshalb bei einem Segmentwechsel nicht unbedingt steigen. Die Gedankenspiele der Unternehmen seien zudem unberechtigt, weil ihnen das Listing am Neuen Markt unter anderem Bekanntheit und Geld gebracht habe.

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