Forderungsverzicht der Banken
Edel Music baut Schuldenberg ab

Großreinemachen bei Edel Music: Der Entertainment- Konzern trennt sich von Musikverlagen, um Schulden loszuwerden. Im nächsten Jahr will Edel auch wieder operativ schwarze Zahlen schreiben.

lip HAMBURG. In der Entertainmentgruppe Edel Music AG, Hamburg, wird kräftig aufgeräumt: Das am Geregelten Markt notierte Musikunternehmen hat durch einen umfangreichen Maßnahmenkatalog seine Bankschulden im Konzern von 210 Mill. Euro Ende 2000 auf 32 Mill. Euro drastisch verringert. Das Eigenkapital beläuft sich nach allen notwendigen Wertberichtigungen jetzt auf 40 Mill. Euro.

Damit hat das zeitweise von der Insolvenz bedrohte Unternehmen wieder eine Atempause bekommen. Die Gruppe war vor allem durch eine übertriebene Wachstumspolitik in den vergangenen Jahre in eine Schieflage geraten. Sie produziert unter anderem Musiktitel für die TV-Ulknudel Stefan Raab ("Wir kiffen") sowie Songs für den Soul-Star Craig David. Der Aktienkurs stieg gestern nachmittag um zeitweise 42 % bis auf 1,05 Euro.

Ziel des Gesundschrumpfens: "Wir entwickeln uns wieder zu einem Mittelständler, der vor allem den Ausbau des Künstlerbereichs vorantreibt", erklärt Edel-Vorstandschef Michael Haentjes. Hilfe hierfür erhält er durch Jörg Hellwig. Der Deutschland-Chef von Polydor soll in kürze als Geschäftsführer zu Edel Records wechseln, Kern der Entertainmentgruppe.

Zur Entschuldung von Edel Music haben vor allem Firmenverkäufe beigetragen: So übernimmt die zur Warner Music Group gehörende Warner/Chappell Music zunächst die Musikverlage Dizzy Heights, Glissando Music und Megasong Publishing A/S. Weitere acht Edel-Gesellschaften sollen voraussichtlich in den nächsten Wochen folgen. Ob sich die Warner Music Group zu einem späteren Zeitpunkt an dem ehemaligen Shootingstar des Neuen Marktes beteiligt, wollte Haentjes nicht ausschließen.

Bei der jetzige Sanierung verzichten auch die Commerbank AG, Frankfurt, sowie die Hypo-Vereinbank, München, auf Forderungen aus Kreditrückzahlungen in "zweistelliger Euro-Millionenhöhe".

Nach den Aufräumarbeiten soll der Konzern bereits in 2003 wieder "operativ schwarze Zahlen" schreiben. Im laufenden Geschäftsjahr 2001/2002 (30.09.) rechnet er hingegen noch bei einem Umsatz von rund 200 Mill. Euro mit einem Verlust "in einstelligem Euro-Millionenbereich". Der Jahresüberschuss werde hingegen durch außerordentliche Erträge aus den Unternehmensverkäufen beeinflusst und einen "hohen positiven dreistelligen Millionenbetrag" ausweisen. Von der Schlankheitskur sind auch die Mitarbeiter betroffen: Laut Haentjes verringert sich vor allem durch die Verkäufe die Zahl der Arbeitnehmer im Konzern zum Ende des laufenden Geschäftsjahres auf 700, während er noch ein Jahr zuvor rund 1 700 Arbeitnehmer zählte.

Hilfe bei der Sanierung erhielt Haentjes von Michael Baur, ehemaliges Mitglied der Geschäftsführung des Firmenberaters Roland Berger. Bauer erhält hierfür von Haentjes eine Option auf 10 % seines 72-prozentigen Aktienpakets, die er zu einem bestimmten Zeitpunkt ausüben kann. Er wird ferner zum 1. März neuer Finanzvorstand.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%