Fords Neuer überzeugt bei den ersten Testfahrten
Fiesta macht Lust auf Kurven

Bei Frauen und Neuwageneinsteigern, der Stammklientel des Fiesta, hat der Name traditionell einen guten Ruf. Und der neue "Kleine" aus dem Hause Ford startet aus einer ausgesprochen guten Position: Der VW Polo driftet mit seinen Premiumansprüchen nach oben weg und hinterlässt einen Leerraum im klassischen Kleinwagensegment.

HB MALAGA. Das beflügelt die Chancen der Kölner Neuentwicklung - zumal der Wettbewerb schwächelt. Sowohl der allzu brave Corsa, der sich neben dem gegenwärtigen Abwärtstrend der Marke Opel mit einer Rückrufaktion herumschlagen muss, als auch der Fiat Punto scheinen im neuen Super-Fiesta ihren Meister gefunden zu haben.

Der Kölner Rivale ist nicht nur deutlich größer geworden - 9 cm länger und 10 cm höher als sein Vorgänger -, sondern gleichermaßen fahraktiver, sicherer und qualitativ hochwertiger. Im Design schlägt er sogar den ebenfalls taufrischen VW Polo, dem er allerdings in der Anmutungsqualität sowie im Ausstattungsniveau nicht das Wasser reichen kann. Dafür geriet sein Auftritt moderner, sein Karosseriekonzept fortschrittlicher.

Rund 60 % aller Fiesta-Käufe gehen in weibliche Hände. Weil das Modell den Ruf als Frauenliebling partout verteidigen möchte, haben die Ingenieure um Entwicklungschef Martin Leach denn auch alles getan, dem Anspruch auf zeitgemäße Art zu entsprechen. Eine erhöhte Sitzposition trägt ebenso dazu bei wie die niedrigere Ladekante des Gepäckraums.

Vorerst ist die Karosserie ausschließlich fünftürig lieferbar - ein Dreitürer folgt im Herbst. Das Größenwachstum in alle Richtungen zeigt überdies bei den Kleinwagen einen neuen Trend, weg vom engen Stadtwagen, hin zum kompakten Vollwertauto. Der Fiesta setzt hierbei unzweifelhaft den Maßstab. Beim Platz nehmen, aber auch während der Fahrt glaubt man in einem Fahrzeug der nächsthöheren Klasse unterwegs zu sein. Dank der üppigen Kopffreiheit können groß gewachsene Menschen bequem ein- und aussteigen.

Erfreulich ist auch die Einrichtung im Innern: Die von Ford immer wieder bemühte "funktionale Harmonie" mündet hier in einer werthaltigen Materialwahl, in einer ordnungsgemäßen Platzierung der Hebel und Schalter sowie in einer ordentlichen Verarbeitung. Das Interieur bleibt dennoch spürbar hinter der formalen Klasse des Exterieurs zurück. Dafür bietet es eine umfangreiche Sicherheitsausstattung mit zweistufigen Frontairbags und Seitenairbags. Im Fond gibt es Dreipunktgurte und drei Kopfstützen. Nur für die seitlichen Kopfairbags verlangt Ford einen Aufpreis von 200 Euro.

Bei aller zeitgemäßen Funktionalität - neben dem emotionsbetonten Auftritt des mit dem Focus begonnenen Neuanfangs in der Modellpolitik will Ford die Fahrdynamik zur zweiten entscheidenden Säule des Markenimages ausbauen. Hier zeigt sich der Fiesta sportlicher als alle seine Klassenkonkurrenten. Das straffe, keineswegs zu harte Fahrwerk und die direkte, zielgenaue Lenkung führen zu einem Handling, dessen Agilität enorm viel Fahrfreude vermittelt. Messerscharf lässt sich der quirlige Fiesta in Kurven einlenken, er bleibt bis in den Grenzbereich neutral. Früher versuchte der Fiesta in zu schnell angegangenen Kurven trotz eingeschlagener Räder geradeaus zu fahren. Davon haben ihn die Fahrwerksingenieure nun befreit.

Das sportliche Lederlenkrad in allen Ausstattungsvarianten animiert förmlich zu einer zügigen Gangart. Was aber gleich auch zum ersten Kritikpunkt führt: Die Sitze bieten für schnelle Richtungswechsel zu wenig Seitenhalt. Kritikpunkt zwei: Der rechte Haltegriff für den Beifahrer fehlt. Grund: Die Ingenieure konnten bislang keine befriedigende Lösung finden, Kopfairbag und Haltegriff in Einklang zu bringen. Zwei weitere Verbesserungsvorschläge betreffen die Rücksitzbank. Sie kann zum einen nicht geteilt umgelegt werden, zum anderen ist sie an ihrer Unterseite lediglich lackiert und nicht verkleidet. Der Kofferraum etwa eines VW Polo bietet da ein ungleich feineres Niveau.

In der Antriebstechnik setzt Ford beim Fiesta auf zum Teil neu entwickelte (58 und 68 PS) als auf bewährte Vierzylinder (80 und 100 PS). Hinzu gesellt sich ein gemeinsam mit Peugeot entwickelter, sehr kultiviert laufender Diesel-Direkteinspritzer (68 PS), der lediglich 4,3 Liter/100 km verbrauchen soll. Die rundum erfreuliche Ford-Neuerscheinung bleibt auch in der Preisgestaltung in Bodennähe. Gemessen am Mehrwert und Qualitäten sind 11 615 Euro für den Fiesta in Basisausstattung nicht überzogen - wenngleich der Preis sich hier doch sehr an dem des neuen VW Polo orientiert.

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