Formel 1: Autobauer peilt beim Solo-Comeback Platz vier an: Wo Benetton draufstand, ist bald nur Renault drin

Formel 1: Autobauer peilt beim Solo-Comeback Platz vier an
Wo Benetton draufstand, ist bald nur Renault drin

"100 Prozent Renault" hatte der französische Autobauer versprochen, und der R 202, der am Wochenende präsentiert wurde, löste dieses Versprechen dann auch ein. Auf der Außenhaut des Rennwagens, mit dem der Großkonzern offiziell in den Grand- Prix-Sport zurückkehrt, klebte kein einziger großflächiger Sponsorenaufkleber.

ebr PARIS. Der Grund: In Frankreich ist Tabakwerbung verboten, selbst bei Schaustücken. Erst bei den Testfahrten in dieser Woche tritt das Chassis in der eigentlichen Lackierung auf.

Die ungewöhnliche Werbefreiheit nahm der zielstrebige Renault-Vorstandschef Louis Schweitzer gern in Kauf, denn dieser Purismus betont noch zusätzlich den eigenen Anspruch bei der Rückkehr in eine Disziplin, in der es vor Konkurrenz aus der Automobilbranche nur so wimmelt.

Eigenständige Garagisten sind eine aussterbende Art, bestenfalls in Kombination mit einem Werk scheinen noch Erfolge möglich, so wie bei McLaren-Mercedes und BMW-Williams. Die Insolvenz des privaten, mit mehr als 30 Millionen Euro verschuldeten Prost-Rennstalls unterstreicht diesen Trend. Honda überlegt nach dem Einstieg des deutsch-japanischen Joint Ventures von Toyota, sich bei British American Racing einzukaufen. Ford pumpt noch einmal Dollarmillionen in den Jaguar-Rennstall, dank der Überzeugungskraft von Niki Lauda und Wolfgang Reitzle. 2002 ist der Auftakt zu einer Hersteller-Serie ungekannten Ausmaßes. Nur die Werke scheinen noch in der Lage zu sein, jene halbe Milliarde Mark pro Saison aufzubringen, die ein Team braucht, um in der Motorsport-Oberliga mitmischen zu können.

Renault wagt jetzt den Solo-Tanz und löst sich aus seiner Rolle als reiner Motorenlieferant für das Benetton-Renault-Team: Bei der im März beginnenden WM firmieren auch Fahrzeug und Rennstall unter dem Namen der Traditionsmarke. Schon vor zwei Jahren hatte Renault alle Rechte am Benetton-Rennstall gekauft. 2001 waren die Rennwagen zwar noch in den bunten Farben der Pulloverdynastie unterwegs, doch unter der Kohlefaserhülle steckte bereits ein französischer Zehnzylinder. Einer der revolutionären Sorte, mit einem ultraweiten Zylinderwinkel von 111 Grad. Branchenüblich sind 30 bis 40 Grad weniger. Die Kinderkrankheiten der ungewöhnlichen Maschine dürfte Renault unter Benettons Deckmantel bereits im Rennbetrieb der letzten Saison auskuriert haben.

Bei der Präsentation sorgte der neue Rennstall bereits für einen Paukenschlag, als er das sagenumwobene Triebwerk nackt auf die Bühne stellte - in einem Panzerglaswürfel. Ein Novum, wo doch sonst in den Boxengassen jedes Schräubchen unter einer Schutzdecke verschwindet. Ob die Offenheit an der Rennstrecke anhält, bleibt abzuwarten.

Was im allgemeinen Lastenheft steht, hat Sportchef Patrick Faure bereits preisgegeben: "Wir wollen den Weltmeistertitel mit einem eigenen Auto gewinnen. 2003 sollten wir in der Lage sein, ein Wörtchen um die Titelvergabe mitzureden." Nahziel ist aber erstmal der vierte Platz. Motorenbauer Jean-Jacques His übersetzte das ehrgeizige Vorhaben bereits in die Sprache des brutalen Formel-1-Verdrängungswettbewerbs: "Wir werden bis an die Grenze des technisch Machbaren gehen." 111 Grad und mehr.

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