Formel-1-Bosse Mosley und Ecclestone siegessicher
Strafgewichte sollen Ferrari stoppen

Die Formel-1-Bosse wollen ihre Regeländerung auch gegen den Willen der Top-Teams durchboxen und dem Ferrari-Weltmeister die Titelverteidigung im nächsten Jahr mit Bleigewichten erschweren. "Ich bin sicher, dass die radikalen Reformen bei der Formel 1-Kommissionssitzung in London am 28. Oktober ganz oder zum Teil verabschiedet werden", kündigte der Präsident des Internationalen Automobil-Verbandes FIA Max Mosley an.

HB/dpa ROM. Die von Formel 1-Chef Bernie Ecclestone vorgeschlagenen Strafgewichte für die punktbesten Fahrer sollen Michael Schumacher in seinem haushoch überlegenen Ferrari bremsen und die Königsklasse des Motorsports wieder spannend machen.

"Dies ist keine Anti-Ferrari-Maßnahme", betonte Ecclestone am Mittwoch in einem Interview mit der "La Gazzetta dello Sport". "Meiner Meinung nach wird Schumacher auch mit Zusatzgewichten gewinnen", sagte der Formel-1-Chef. In Italien ist man dennoch gegen Ecclestones Vorschläge, die besten Autos und Fahrer mit Zusatzgewichten zu bestrafen. Ferrari will Ende Oktober auf der Formel-1-Sitzung mit den Rennställen, Motor- und Reifenlieferanten, Sponsoren und Verbandsvertretern Klartext reden.

Ferraris Rivalen McLaren-Mercedes und Williams-BMW, die von den Strafgewichten eigentlich profitieren sollen, äußerten sich skeptisch. "Das ist so als würde man Arsenal London nur noch mit neun Mann spielen lassen", meinte Williams Technik-Direktor Patrick Head. Auch Ralf Schumacher und Schumacher-Manager Willi Weber hatten den Reformvorschlag als "abstrus" zurückgewiesen.

Trotz der Ablehnung der Top-Teams scheinen Mosley und Ecclestone siegessicher. Auf der Sitzung in London glauben sie wohl mit Hilfe der kleinen Teams, des Verbandes und der Sponsoren die nötigen 18 von 26 Stimmen für eine Regeländerung zusammen zu bekommen. Die kleinen Teams würden durch die gebremsten Favoriten mehr Punkte und damit mehr Geld einfahren. Wenn die Rennen wieder spannender würden, profitierten auch die über das immer geringer werdende Interesse an der Formel 1 klagenden Sponsoren.

"Ich denke ans Publikum, das nicht schon vor dem Rennen wissen will, wer gewinnt", machte sich Ecclestone zum Anwalt der Fans. "Ich will nicht nur wetten, ob Schumacher 2003 alle Rennen gewinnt", sagte der 71-Jährige, der "den Wettbewerb in der Formel 1 wiederbeleben" will. Ecclestone schlägt vor, nach dem Überschreiten einer 20 Punktegrenze den Fahrern für jeden WM-Punkt ein Kilogramm Zusatzgewicht ins Auto zu geben. "Diese Regel ist nicht gegen irgend jemanden, sondern für mehr Ausgeglichenheit", betonte der Formel 1-Chef, der sich "einen Kampf der drei großen Rennställe um die WM" wünscht.

Ecclestone will die WM spannender machen ohne den Ausgang zu manipulieren. "Schumacher wird wieder Weltmeister werden, wenn auch mit sehr viel mehr Mühe", glaubt Ecclestone. In der zu Ende gehenden Saison habe der Deutsche "nie wirklich an sein Limit gehen müssen", meint der Herr der Formel 1. "Schumacher ist zu viel mehr fähig", sagte Ecclestone vor dem letzten Saison-Rennen am Sonntag im japanischen Suzuka. Der fünffache Weltmeister, der sich in Süditalien auf seine Teilnahme an der Ende Oktober stattfindenden Kart-WM vorbereitet, wollte Ecclestones Vorschläge nicht kommentieren. Der Kerpener wünschte den Formel-1-Bossen mit einem süffisanten Lächeln lediglich "viel Glück!".

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