Formel 1
Der Feind in meinem Team

Ralf Schumacher droht Teamkollege Juan Pablo Montoya und verhandelt weiter über einen neuen Vertrag.

SEPANG. Gesehen hatte die Szene offensichtlich niemand. Jedenfalls soll es beim Saisonauftakt der Formel 1 vor knapp zwei Wochen in Melbourne zwischen den beiden BMW-Williams-Fahrern Juan Pablo Montoya und Ralf Schumacher einmal sehr eng zugegangen sein. So eng, dass es zwischen den beiden nunmehr vor dem Großen Preis von Malaysia am kommenden Sonntag gewaltig gekracht hat.

"Wenn Juan behauptet, ich hätte ihn da in Melbourne beinahe von der Strecke geschoben, dann kann ich darauf nur sagen: Beim nächsten Mal schiebe ich ihn wirklich von der Strecke", sagte Schumacher auf der offiziellen Pressekonferenz in Malaysia. Dabei war dem Deutschen lediglich die Frage gestellt worden, ob er sich vom Kolumbianer mehr Teamgeist gewünscht hätte. "Das war schon ein sehr optimistisches Manöver von Juan, so nach dem Motto, der andere hat Platz zu machen, damit es nicht kracht. Na gut, dann kracht es beim nächsten Mal. Das kann er haben", sagte Schumacher.

Sollte diese Ankündigung Realität werden, dürfte bei BMW-Williams der Hausfrieden einmal mehr in Gefahr sein. Bereits in der vorletzten Saison, beim US-Grand-Prix in Indianapolis, tobte speziell Technikchef Patrick Head, aber auch Teamchef Frank Williams war außer sich, als sich die beiden Fahrer schon einmal ins Auto gefahren waren. BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen, der wie diese beiden den Konstrukteurs-WM-Titel sogar höher einstuft als den Fahrertitel, müsste allein bei der Vorstellung, es könnte eine Wiederholung geben, graue Haare bekommen. Die Tatsache, dass Montoya bereits für 2005 bei McLaren-Mercedes einen neuen Vertrag unterschrieben hat, trägt natürlich zu den Spannungen bei. Unterschwellig wird ihm zugeschrieben, dass er den Team-Gedanken deshalb nicht mehr in den Vordergrund stellen würde.

Dagegen behauptet Ralf Schumacher, der noch ohne Vertrag für das kommende Jahr ist, er würde auf jeden Fall am liebsten seinen jetzigen Kontrakt zu besseren Bedingungen erneuern. Derzeit verhandle er nicht mit anderen, weder mit Renault noch Toyota, "sondern mit BMW-Williams, denn dort bin ich im Moment, und dort möchte ich auch bleiben". Ob er sich nunmehr mit den Angriffen auf Montoya selbst geschadet hat, wird sich erst noch zeigen. Ralf Schumacher scheint vor allem daran gelegen zu sein, seinem Teamkollegen klarzumachen, dass er sich ihm gegenüber nicht alles erlauben könne.

Zugleich soll diese Aussage aber auch eine Warnung an andere Fahrer sein und zeigen, dass er Härte und Kampfgeist besitzt. Kurz vor Beginn der neuen Saison hatte Ralf Schumacher bereits erklärt, nicht mehr für seinen Bruder Michael zu bremsen. Nun folgte die unverhohlene Kampfansage an Montoya.

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