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Formel 1 entdeckt die Langsamkeit: Farce in der QualiDPA-Datum: 2004-07-11 13:26:56

Silverstone (dpa) - Michael Schumacher drehte sich voller Absicht, Rubens Barrichello rutschte gewollt ins Grün, Juan Pablo Montoya bremste vor den Tribünen und Nick Heidfeld bog in der Vor- Qualifikation vor der Ziellinie sogar in die Boxengasse ab.

Silverstone (dpa) - Michael Schumacher drehte sich voller Absicht, Rubens Barrichello rutschte gewollt ins Grün, Juan Pablo Montoya bremste vor den Tribünen und Nick Heidfeld bog in der Vor- Qualifikation vor der Ziellinie sogar in die Boxengasse ab.

Der Jordan-Pilot verschaffte sich durch diesen taktischen Schachzug die vermeintlich beste Ausgangsposition für den wahren Kampf um die Startaufstellung. «Das ist die größte Farce, die ich je im Motorsport erlebt hatte. Es geht doch darum, schnell zu fahren», wetterte Ex- Weltmeister Niki Lauda.

Dabei nutzten die Teams in Silverstone doch nur die schon länger umstrittenen Qualifikations-Regeln aus. Die Wetterfrösche hatten für den zweiten Teil des Einzelzeitfahrens Regen prophezeit, so dass die Entdeckung der Langsamkeit durchaus Sinn machte. Schließlich geht der Schnellste der Vor-Qualifikation im richtigen Qualifying als Letzter auf die Strecke, der Langsamste muss als Erster Gas geben. «Wir haben heute darauf gesetzt, dass es im Qualifying regnen würde, und das hat es ja auch getan - leider nicht auf der Strecke, sondern überall sonst. Jedenfalls war unser erstes Qualifying dadurch stark von der Strategie bestimmt», sagte Weltmeister Michael Schumacher.

«Die Piloten haben mit den Regeln gespielt», kritisierte der «Sunday Telegraph» am Tag danach das Geschäftsgebahren der PS-Branche. «Das war sehr dumm. Aber man kann nichts gegen die Beteiligten unternehmen. Es liegt am System. Das System gehört geändert und wir werden es ändern», kündigte Formel-1-Chef Bernie Ecclestone einmal mehr an. Denn eigentlich war eine Änderung schon für Silverstone beschlossene Sache, doch dann blieb urplötzlich alles beim Alten.

Auch beim Großen Preis von Großbritannien war der Weltverband FIA untätig. Dabei verpflichtet Paragraf 151c des Sportlichen Reglements die Fahrer, dass sie nichts tun dürfen, was dem Interesse des Motorsports schaden könnte. «Wir wollen das Beste für uns herausholen und das ist nicht immer das Beste für die Zuschauer», sagte Vize-Weltmeister Kimi Räikkönen. «Manchmal muss man egoistisch sein und nur auf seine eigene Strategie achten», meinte Schumachers-Ferrari-Teamkollege Rubens Barrichello. So gesehen wäre eine Strafe durchaus angebracht gewesen. Immerhin gab es Pfiffe von den Tribünen für die Formel-1-Schauspieler.

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