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Formel 1-Geschäft für TV-Sender geht zu Ende

Ex-RTL-Chef Thoma glaubt, dass Sender mit Sportübertragungen in Kürze keine Gewinne mehr machen werden. Die Rechte für eine beliebte Sportart zu erwerben, sei einfach zu teuer.

dpa HAMBURG. In zwei Jahren kann laut Helmut Thoma kein Fernsehsender mit der Formel 1 Geld verdienen. Der ehemalige RTL-Chef sagte in einem Interview der Wochenzeitung "Die Zeit" das baldige Ende der Goldgräberzeit voraus. Gewinn könne man mit Sportrechten nur machen, "wenn sich noch nicht so viele Zuschauer für eine Sportart interessieren, der Sender sie aber schnell zu einem Publikumsmagneten machen" könne. Die Rechte für eine beliebte Sportart zu erwerben, sei dagegen "das Teuerste, was es im Fernsehen überhaupt gibt". Über die Summe, die ein TV-Sender in Zukunft an die Vermarktungsgesellschaft der Rennserie zahlen muss, sagte Thoma in dem Interview: "Uns werden die Augen tränen."

RTL darf bis zum Jahr 2003 die 17 Formel 1-Rennen pro Saison im frei empfangbaren Fernsehen (Free TV) übertragen. Der Kölner Sender zeigt die Rennen seit 1991, damals vor 1,4 Millionen Zuschauern. In der Ära Thoma ist das Motorsport-Spektakel eine Goldgrube geworden - für den Sender, die Sponsoren und die Werbeindustrie. Der rasende Zirkus ist eines der letzten großen Gemeinschaftserlebnisse am Bildschirm - neben Spitzenfußball und "Wetten, dass.. .". Zuletzt verfolgten mehr als 14 Millionen Fans den Großen Preis von Brasilien.

Formel 1-Publikum entspricht Wünschen vieler Unternehmen

"Die Rennen sind die Leuchttürme", meinte Jan Isenbart von der Agentur IP Deutschland, die die Werbezeiten der RTL-Sender vermarktet. Das TV-Publikum bei einer Formel 1-Übertragung entspricht den Wünschen vieler Unternehmen: Es ist männlich, jung, kaufkräftig. Deshalb rangeln Unterhaltungselektronik, Finanzdienstleistungen, Biermarken und natürlich die Autoindustrie um die begehrten Werbeplätze und zahlen dafür Höchstpreise. 302 000 DM kostete beim Rennen in Brasilien der 30-Sekunden-Spot im Live-Geschehen zur besten Sendezeit.

Nach Angaben der "Zeit" erzielt RTL mit der Formel 1 einen Gewinn von schätzungsweise 100 Mill. DM im Jahr, weil der Sender vor Jahren gut verhandelte. In der Branche gehen die Schätzungen für den Preis der Übertragungsrechte aber weit auseinander: Zwischen 35/40 bis 80 Mill. DM soll RTL jährlich zahlen. Allgemein wird erwartet, dass sich dieser Wert vervielfacht, wenn für das Jahr 2003 ein neuer Vertrag ausgehandelt wird.

Formel 1-Rennen nicht im Pay-TV

Nach Ansicht von Thoma will der Medienunternehmer Leo Kirch die Formel 1-Rennen nicht im Pay-TV übertragen: "Das werden auch die Hersteller nicht mitmachen. Die bauen ja keine Rennwagen, damit Herr Kirch mehr Abonnenten hat. Sie wollen auf einer Leistungsschau zeigen, dass sie tolle Autos entwickeln - vor möglichst vielen Zuschauern."

Kirch hatte kürzlich die Mehrheit an der Formel 1-Holding SLEC übernommen. Danach kündigten einige Automobilhersteller die Gründung einer eigenen Rennserie an. Sie befürchten, dass Kirch die TV-Rechte der Formel 1 ab 2003 selbst erwerben und die Rennen ausschließlich im Bezahlfernsehen Premiere World zeigen könnte. Im Pay TV wird die Formel 1 seit Sommer 1996 live übertragen.

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