Formel 1
Machtverlust des Alleinherrschers Ecclestone

Eine Eigenschaft von mächtigen Menschen ist, dass sie den Verlust ihrer Macht nicht wahrhaben wollen. Nach seiner Niederlage stellte sich Bernie Ecclestone vor die Mikrofone, lächelte und behauptete: "Es wird sich nichts ändern." Der Formel-1-Chef könnte sich geirrt haben.

HB BERLIN. Der Londoner Highcourt hat am Montag entschieden, dass die gemeinsame Klage der drei Banken Bayerische Landesbank, JP Morgan und Lehman Brothers auf mehr Einfluss in der Formel 1 gerechtfertigt ist. Genauer gesagt, mehr Einfluss in der Formel-1-Holding SLEC, die quasi die Dachgesellschaft der Rennserie bildet. Den Banken, die nach der Pleite des Kirch-Konzerns 75 Prozent der SLEC- Anteile übernommen hatten, stehen nach Ansicht des Gerichts zwei zusätzliche Aufsichtsrats-Posten zu - und damit die Mehrheit im Aufsichtsrat. Es geht um jene Posten, die Ecclestone eigenmächtig mit seinem Genfer Anwalt und dessen Frau besetzt hatte, obwohl er nur noch Minderheitseigner ist.

Die Konsequenzen dieses Urteils könnten weitreichend sein. Ecclestone glaubt zwar, er habe weiterhin das Sagen in der Formel 1. Schließlich verfüge er in den der SLEC untergeordneten, aber letztlich für die tatsächlichen Entscheidungen in der Formel 1 maßgeblichen Strukturen FOA ("Formula One Administration") und FOM ("Formula One Management") weiterhin über die Macht. Doch die Frage ist, wie lange das noch so bleibt.

Denn die Banken sind nicht die einzigen Gegner des 74-Jährigen. Seit Jahren ringt Ecclestone mit den in der Rennserie engagierten Autoherstellern. Die haben sich längst zur Vereinigung GPWC zusammengeschlossen und drohen damit, die Formel 1 zu verlassen und eine Konkurrenzserie zu gründen. Sie fordern mehr Transparenz, vor allem aber mehr Geld. Die Verteilung der Einnahmen soll fairer gestaltet werden: Wer mehr investiert, soll auch mehr erhalten. Momentan fließen etwa 75 Prozent der gesamten Formel-1-Einnahmen in Ecclestones Taschen.

300-Millionen-Angebot

Die neuen Machtverhältnisse im Aufsichtsrat der Formel-1-Holding eröffnen den Herstellern aufgrund ihrer engen Kooperation mit den Banken nun die Chance, auch in bislang unerreichbare Bereiche des Ecclestoneschen Firmengeflechts vorzudringen. Aus Banken- und GPWC-Kreisen war zu vernehmen, diese Klage gegen Ecclestone sei bestimmt nicht die letzte gewesen. "Jetzt können wir Bernie überall rauskicken, wenn wir wollen", hieß es unter der Hand.

Um dieses Szenario abzuwenden, hat Ecclestone den Teams angeblich angeboten, ihnen im kommenden Jahr 300 Millionen Dollar zusätzlich zur Verfügung zu stellen. Offensichtlich war dies ein Versuch, die Position der Hersteller zu untergraben. Bislang ist Ecclestone aus dieser Art taktischer Spielchen meist als Sieger hervorgegangen. In den Siebzigerjahren hatte der frühere Rennstallbesitzer seine Macht als Vertreter der Teams begründet, die damals gegen den Automobil-Weltverband kämpften. Anlass der Auseinandersetzung: die Verteilung der Einnahmen. Ecclestone setzte sich durch, übernahm die Herrschaft über die Formel 1 und formte aus der kränkelnden Veranstaltung in kurzer Zeit ein profitables Unternehmen. Doch nun neigt sich seine Alleinherrschaft dem Ende zu.

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