Formel-1-Rechte
Autohersteller wollen größeres Stück vom Kuchen

Im knallharten Poker um die lukrativen Vermarktungsrechte der Formel 1 haben die Automobilkonzerne seit dem Kirch-Crash noch bessere Karten. Die Gläubigerbanken des Münchner Medien-Moguls haben den fünf in der GPWC Holdings B.V. zusammen geschlossenen Herstellern BMW, DaimlerChrysler, Fiat, Ford und Renault offenbar ein Angebot gemacht.

dpa IMOLA. "Der Vorstand wird alle Vorschläge dieser Banken prüfen, vorausgesetzt, dass diese mit den Zielen der GPWC zu vereinbaren sind", teilte das Gremium Grand Prix World Championship in Imola mit.

Der fünfköpfige Vorstand mit Präsident Paolo Cantarella (Fiat), Burkhard Göschel (BMW), Jürgen Hubbert (DaimlerChrysler), Wolfgang Reitzle (Ford) und Patrick Faure (Renault) sowie weitere führende Vertreter dieser Werke hatten am Samstag etwa zwei Stunden im Fahrerlager im Communication Center von McLaren - Mercedes Strategien über das Vorgehen im Streit um die Fernsehrechte diskutiert.

Max Mosley, der Präsident des Internationalen Automobil- Verbandes (FIA), und der immer noch allmächtige Formel-1-Boss Bernie Ecclestone gesellten sich für einige Minuten zu der illustren Industriellenrunde im pompösen "Silverdome".

Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo erklärte gegenüber der italienischen Tageszeitung "Corriere della Sera": "Die Teams wollen ein sehr viel größeres Stück von den TV-Einnahmen als bislang. Die jetzige Verteilung ist inakzeptabel."

Derzeit werden unter den 11 Rennställen nach einem komplizierten Schlüssel insgesamt 47 Prozent der Fernsehgelder aufgeteilt. 53 Prozent fließen an die SLEC. Kirch hatte für 1,6 Milliarden Euro 75 Prozent der Anteile der Formel-1- Vermarktungsgesellschaft gekauft; das restliche Viertel hält weiterhin Ecclestone.

Seit dem Kirch-Zusammenbruch verwalten Banken diese milliardenschweren Rechte, an die die Automobilkonzerne seit einem Jahr heranzukommen versuchen. Ecclestone soll dem Münchner Medien- Unternehmen schon vor einigen Wochen angeboten haben, seine ehemaligen Anteile zum Schnäppchenpreis von 800 Millionen Euro zurückzukaufen.

"Angesichts der Kirch-Pleite werden wir die nächsten Schritte von Ecclestone prüfen, um zu sehen, ob wir vor 2008 unsere Ziele erreichen können", sagte di Montezemolo. Mosley rechnet indes mit einer Übereinkunft der beiden Lager. "Ich halte einen Deal für eher wahrscheinlich, weil die Hersteller jetzt nicht mit einem Medien-Magnaten, sondern mit Banken verhandeln", sagte er. Außerdem wirke sich die Diskussion über zwei Meisterschaften negativ auf die Formel 1 aus, was auch den Interessen der Werke widerspreche.

Generell bewertete der FIA-Präsident den Fall undramatisch. Im Gegensatz zu Fußballvereinen hänge die Formel 1 finanziell nicht von Kirch ab. Entwarnung gab Mosley bezüglich der unsicheren Lage der Rechte, die noch bis 2110 bei SLEC liegen: "Wir haben ein Vetorecht, falls die Rechte an eine unerwünschte Organisation verkauft werden. Wir würden ein Veto einlegen, wenn die Interessen der Formel 1 beschädigt würden."

Die GPWC will von 2008 an nach Ablauf des so genannten Concorde Agreement eine eigene Grand-Prix-Serie veranstalten. Die Gruppe hat laut ihrer Presseerklärung bereits zu Vertretern von 23 Rennstrecken und Veranstaltern Kontakte aufgenommen. GPWC hat sich folgende vier Hauptziele für die eigene Serie gesetzt: Die die WM ermöglichenden Hersteller müssen adäquat einbezogen sein; geeignete Teilnahmebedingungen für alle Teams, vor allem unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten; die Stabilität und Qualität der WM sowie eine umfassende Berichterstattung im frei empfangbaren Fernsehen.

Neben dem Feilschen um mehr Geld geht es den Autokonzernen vor allem darum, die äußerst werbewirksame Königsklasse einem möglichst breiten Publikum im freien Fernsehen vorführen zu können. "Wir werden verhindern, dass die TV-Rechte in die Hände eines einzelnen Veranstalters geraten und dass die Übertragungen nicht frei zugänglich sind", versicherte di Montezemolo, GPWC werde ein erneutes Monopol nicht akzeptieren.

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