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Formel 1 stößt in China in neue Dimension

Die Formel 1 ist im Reich der Mitte angekommen. Doch noch ist in Schanghai nur wenig davon zu spüren, dass Weltmeister Michael Schumacher und seine Kollegen hier bald die Motoren heulen lassen.

dpa SCHANGHAI. Die Formel 1 ist im Reich der Mitte angekommen. Doch noch ist in Schanghai nur wenig davon zu spüren, dass Weltmeister Michael Schumacher und seine Kollegen hier bald die Motoren heulen lassen.

Nur wenige Werbeplakate weisen auf den ersten Grand Prix in China vor den Toren der 14-Millionen-Einwohner-Metropole hin. Auf der Autobahn zu der modernen, 260 Mill. ? teuren Strecke, die 40 Kilometer von Schanghai entfernt im sumpfigen Niemandsland des Jiading-Distrikts entstand, sind einige Informationstafeln aufgestellt. Im staatlichen Fernsehen Cctv laufen die ersten Bilder.

Eine Werbeoffensive ist nicht nötig, denn für Preise zwischen 370 und 3700 Yuan (37 und 370 ?) wurden 200 000 Tickets abgesetzt. Mit dem Auftritt in der Volksrepublik hat die Formel 1 einen riesigen weißen Fleck auf der Weltkarte getilgt. Schanghai ist der größte und spektakulärste Austragungsort, die Strecke die modernste und teuerste. "Ich halte es für folgerichtig, dass die Formel 1 dort fährt, schließlich ist es eine Weltmeisterschaft", meint der siebenmalige Champion Schumacher. Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug glaubt, dass der erste China-Grand-Prix gute Chancen habe, "das meistbeachtete Ereignis in der Geschichte des Motorsports zu werden".

China ist nach Bahrain der zweite neue Formel-1-Standort in diesem Jahr. Schanghai und der Mini-Wüstenstaat wollen als Gastgeber des PS- Zirkus' internationales Prestige gewinnen. Doch mehr noch als beim Rennen am Persischen Golf verfolgen die Formel 1 und die engagierten Automobilkonzerne mit dem Grand Prix im Fernen Osten auch eigene wirtschaftliche Interessen.

"China ist für BMW der gegenwärtig am stärksten wachsende Markt mit enormem Potenzial", sagt BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen. Mercedes-Mann Haug unterstreicht ebenfalls die große Bedeutung des Formel-1-Auftritts: "Wir werden ab dem nächsten Jahr Limousinen der C- und E-Klasse in China fertigen und wollen uns beim ersten Grand Prix jetzt auch sportlich bei den interessierten chinesischen Zuschauern vor Ort oder am Fernsehen vorstellen."

Chinas Automarkt ist der viertgrößte der Welt. Er steckt aber noch in den Kinderschuhen, konzentriert sich auf Großstädte und die Küstenregion. Fast alle großen Automobilkonzerne haben hier mittlerweile Mrd. investiert. Schanghai selbst ist mit dem größten chinesischen Autoproduzenten Schanghai Volkswagen sowie General Motors die Autostadt. Dennoch ist ein Privatwagen für die Masse der 1,3 Milliarden Chinesen unerschwinglich.

Vielleicht fehlt es deshalb den Chinesen an einem Formel-1-Helden. Der bekannteste Rennfahrer ist Han Han, der in der Formel BMW Asia fährt. Doch die Popularität des 22-Jährigen hat mehr mit seinen schriftstellerischen als mit seinen fahrerischen Künsten zu tun. In einem viel beachteten Buch hatte er das chinesische Erziehungssystem kritisiert. Doch Ecclestone gibt die Hoffnung nicht auf, eines Tages einen Chinesen in seinem Wanderzirkus zu präsentieren: "Unter 1,3 Milliarden Menschen muss es einfach einen geeigneten Fahrer geben."

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