Formelle Untersuchung
EU geht Finanz-Transaktionen bei US-Anschlägen nach

Die EU-Finanzminister haben eine formelle Untersuchung von Finanzbewegungen im Zusammenhang mit den Anschlägen in den USA angeordnet, nachdem in einigen Ländern wie Deutschland verdächtige Transaktionen festgestellt worden sind.

rtr LÜTTICH. Der belgische Finanzminister und Vorsitzende des EU-Finanzministerrats, Didier Reynders, sagte am Samstag im belgischen Lüttich, die Aufsichtsbehörden sollten dem Verdacht nachgehen. Auch in Deutschland lägen Hinweise auf verdächtige Transaktionen vor, sagte Bundesbankpräsident Ernst Welteke. Die Minister beschlossen umfassende Maßnahmen gegen Geldwäsche, um nach Worten des österreichischen Finanzministers Karl-Heinz Grasser "dem Terrorismus die Finanzen abzugraben".

Nach den Anschlägen vom 11. September in den USA waren an den Finanzmärkten Gerüchte aufgekommen, es habe verdächtige Transaktionen gegeben, hinter denen möglicherweise Mitwisser der Angriffe auf das New Yorker World Trade Center und das Verteidigungsministerium in Washington stecken könnten.

Welteke sagte bei dem informellen Treffen der EU-Finanzminister und Notenbankchefs, es habe sich einem Bericht seiner Mitarbeiter zufolge der Verdacht herauskristallisiert, dass entsprechende Aktivitäten an den Finanzmärkten "mit dem notwendigen Fachwissen geplant und durchgeführt" worden sein könnten. Dies werde nun überprüft. Zudem müsse untersucht werden, wer hinter solchen Geschäften stecken könnte.

Luftfahrt- und Versicherungsaktien

Auffällige Bewegungen habe es etwa bei Luftfahrt- und Versicherungsaktien gegeben, sagte Welteke. Diese Branchen sind von den Folgen der Anschläge besonders betroffen. Es habe im Rahmen von Geschäften mit Verkaufsoptionen und Index-Termin-Kontrakten sowie im Öl- und Goldmarkt Transaktionen gegeben, die "möglicherweise der Aufklärung bedürfen", sagte Welteke. Das deutsche Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel stehe im Kontakt mit dem Bundeskriminalamt.

Reynders sagte, es seien auf Grund verdächtiger Transaktionen auch in Frankreich und Belgien Untersuchungen eingeleitet worden. Grasser sagte, auch in Österreich würden die Fälle untersucht, von denen auch weitere Länder betroffen sein könnten: "Auch im Finanzbereich dürfte es ein weltumspannendes Netz geben." Eichel kündigte an: "Wir werden das ganze Finanz-System wesentlich transparenter machen müssen."

Einfrieren von Konten

Um gegen Finanzierungsmöglichkeiten terroristischer Organisationen vorzugehen, beschlossen die EU-Finanzminister, bei Regelungen gegen die Geldwäsche und zum Einfrieren von Konten Schwerpunkte auf den Kampf gegen den Terrorismus zu legen. Vorschriften gegen den Insider-Handel sollten so verschärft werden, dass sie auch Geschäfte von Terroristen verhindern helfen könnten, sagte Grasser. Die EU wolle zudem auch auf internationaler Ebene gemeinsam vorgehen, um mögliche Finanzierungswege von Terroristen zu unterbrechen.

Die EU-Kommission solle zudem die Maßnahmen gegen die Geldwäsche in den 15 EU-Ländern untersuchen und über mögliche Defizite berichten, sagte Grasser. Er hoffe aber, dass auch international der Wille gestiegen sei, in Bereichen der Finanzmärkte, wo die Gefahr eines Missbrauchs bestehe, Regelungen zu finden. Ein erster Untersuchungsbericht über die verdächtigen Transaktionen soll Reynders zufolge beim Finanzministertreffen am 16. Oktober vorgelegt werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%