Forscher auf der Suche nach Alternativen zu bewuchshemmenden Anstrichen
Schwachstrom hält Schiffsrumpf sauber

Es gibt zahlreiche Versuche, den Bewuchs mit Muscheln, Larven und Sporen an Schiffsrümpfen zu verhindern: Dazu gehören Beschichtungen oder das Streichen mit bewuchshemmenden Mitteln. Jetzt hat eine Rostocker Firma eine weitere Methode zur Marktreife gebracht: die Elektrolyse am Bootsrumpf.

HAMBURG. Seit dem Verbot des Wirkstoffs Tributylzinn, der Schiffsfarben beigemischt wurde, um den Bewuchs an Sport- und Transportschiffen zu verhindern, suchen Entwickler in den Labors der Meeresforscher und Firmen händeringend nach Alternativen. Zurzeit wird das Tributylzinn durch weniger giftige bewuchshemmende Materialien wie Kupferpulver ersetzt. Wenn es nach der mecklenburgischen Firma Bioplan GmbH aus Papendorf bei Rostock geht, könnten Schiffseigner künftig zumindest um den regelmäßigen Anstrich des Bootsrumpfes herumkommen.

Das Unternehmen hat eine Technik zur Marktreife entwickelt, bei der über Grafitelektroden, die als Matten auf die Bootswand geklebt werden, eine Elektrolyse ausgelöst wird, die den Rumpf von Bewuchs freihält. "Das Prinzip beruht auf einer durch Elektrolyse auf niedrigstem Niveau gesteuerten pH-Änderung unmittelbar an der Grenzschicht der zu schützenden Fläche", erklärt der Biologe Stefan Sandrock, der zusammen mit Eva-Maria Scharf das Prinzip an der Universität Rostock entdeckt und Anfang der 90er- Jahre als Patent gesichert hat. Beide Forscher sind jetzt geschäftsführende Gesellschafter von Bioplan. Durch Umschaltung der Stromrichtung entstehen abwechselnd saure und basische pH-Werte auf dem Schiffsrumpf. Sie verleiden Muscheln, Larven und Sporen die Ansiedlung.

Dass dies tatsächlich funktioniert, zeigt ein kleiner Marineschlepper, der unter dem Namen "Warnow" in der Ostsee und der Warnemündung herum. Das Schiff ist mit einer 12 qm großen gelochten Graphitfolie beklebt und mit Epoxidharz bestrichen. Nach einem halben Jahr in Fahrt ist die beschichtete Fläche immer noch muschelfrei, während an den benachbarten Flächen der Bewuchs sprießt.

Gedacht ist das System für "Langsam- und Seltenfahrer", aber auch für Hafenanlagen oder Offshore-Plattformen. Die Kosten für den Schutz liegen noch deutlich über denen eines konventionellen Antifoulinganstrichs, räumt Sandrock ein. Das soll sich jedoch mit der Zahl der Kunden ändern. Die praktische Erprobung auf der "Warnow" zeigt nach Sandrocks Worten, dass die Deckschicht aus leitfähigem Epoxidharz deutlich härter und damit mechanisch beständiger ist als herkömmliche Antifouling-Anstriche. Diese müssen nach fünf Jahren erneuert werden.

Daher relativiere sich der Kostennachteil. Hinzu kommt: Beschädigte Folienteile lassen sich "ausflicken". Dies ist allerdings unter Wasser noch nicht möglich. Noch muss dafür eingedockt werden.

Erste Interessenten haben sich gemeldet. Im kommenden Jahr soll eine 12-Meter-Segelyacht von Bioplan ausgerüstet werden. Und auch ein Großauftrag stehe ins Haus, den Namen des Kunden will Sandrock noch nicht nennen.

Gerhard Sühs, Geschäftsführer des Deutschen Seglerverbandes, ist jedoch skeptisch: "Es gibt in letzter Zeit eine Vielzahl von Lösungsansätzen für das so genannte Anti-Fouling. Keine davon hat sich bislang in der Praxis bewährt." Der Chef des Verbandes will für eine endgültige Bewertung erst weitere Praxistests abwarten. Dabei müsse die Methode in verschiedenen Regionen und Gewässern zeigen, ob sie auch über einen längeren Zeitraum funktioniert. Außerdem müsse untersucht werden, welche Wirkung die Elektrolyse auf Kleinstorganismen hat. Sühs: "Nur so kann man sicher sein, dass das Verfahren wirklich weniger Umweltschäden verursacht als Anstriche."

Auch die Firma Jobeck aus Hausham bei München will den Bewuchs an Schiffsrümpfenmit Schwachstrom bekämpfen. Das Unternehmen hat ein Verfahren mit galvanischem Strom und Spezial-Elektroden entwickelt und patentieren lassen. Entwickler Josef Becker hat an Sportbooten aus Kunststoff gezeigt, dass seine Technik funktioniert. Nun untersuchen Meerestechniker an der Hochschule in Bremen, ob sich mit der Technik auch der Bewuchs an Rümpfen aus Metall verhindern lässt.

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