Forscher auf der Suche nach einem Wirkstoff gegen Geflügelvirus
Impfstoff soll Geflügelpest abwehren

In wenigen Wochen könnte der erste Wirkstoff gegen die Geflügelpest gefunden sein. Verschiedene Forschergruppen suchen fieberhaft nach einem Impfstoff, der die Tiere gegen den Geflügelvirus schützt.

DÜSSELDORF. Während sich die Politiker noch darüber streiten, wie sinnvoll das Impfen des Federviehs ist, suchen Forscher in verschiedenen Labors der Welt längst nach einem Wirkstoff, mit dem die Tiere vor dem gefährlichen Geflügelvirus geschützt werden können. Alexander Kekulé, Mikrobiologe an der Universität Halle, schätzt, dass in wenigen Wochen die ersten Prototypen des Wirkstoffs vorliegen.

Danach könne die Produktion beginnen, sagt der Mikrobiologe. "Im Gegensatz zur Lungenkrankheit SARS haben wir es hier mit einem Influenzavirus zu tun, dessen Aufbau wir gut kennen." Deshalb seien auch bei der Herstellung eines Impfstoffes keine Probleme zu erwarten.

Die Geflügelpest verläuft dramatisch: Innerhalb weniger Tage sterben 80 bis 100 % der Tiere. Derzeit scheint die einzige Möglichkeit, die Krankheit in den Griff zu bekommen, darin zu bestehen, dass alle Tiere in einem festgelegten Umkreis getötet werden. Solche Massenschlachtungen rufen jedoch Tierschützer auf den Plan, die ebenso wie einzelne Politiker fordern, dass Tiere, die nur "vorsichtshalber" getötet werden, um die Krankheit einzudämmen, gegen das Virus geimpft werden sollten.

Experten wie Alexander Kekulé sind unsicher, ob das funktioniert: "Impfungen können eine Seuche verschleiern, wodurch die Krankheit längere Zeit unerkannt bleibt." Gleichwohl vertritt er die Ansicht, dass "das konsequente Impfverbot der Europäischen Union überdacht werden muss". Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin gibt sich vorsichtig: "Impfungen stellen keinen totalen Schutz dar", warnt Reinhard Burger, verantwortlich für Infektionskrankheiten beim RKI. Auch wenn die Tiere geimpft sind, könnten sie den Erreger über Kot oder andere Sekrete ausscheiden.

Auch bei der Einschätzung, ob das Virus eine Gefahr für den Menschen darstellt, sind die Experten vorsichtig: "Das niederländische Virus ist schon sehr gefährlich", meint Kekulé. Rund 300 Menschen sind im Nachbarland an dem Virus erkrankt und erlitten Bindehautentzündungen oder grippeähnliche Symptome. Für Aufsehen sorgte der Fall eines niederländischen Tierarztes, der Mitte April an einer Lungenentzündung starb und bei dem das Virus nachgewiesen wurde.

Bislang konnten sich Menschen nur anstecken, wenn sie Kontakt zu infizierten Tieren hatten. Das Infektionsrisiko durch den Genuss von Eiern oder Geflügelfleisch gilt als ausgesprochen gering. Das RKI rät deshalb gefährdeten Personen, sich erkrankten Tieren nur mit Schutzkleidung, Schutzhandschuhen und Mundschutz zu nähern. Als weitere Maßnahme empfiehlt das RKI die Einnahme von so genannten "Neuraminidase-Hemmern". Das sind Medikamente, die die Vermehrung des Virus im Organismus unterdrücken.

Virologen sehen jedoch noch eine andere Gefahr: So könnte sich durch die Geflügelpest eine neue Art von Grippe herausbilden, die auch die Menschen befällt. Während des Frühjahrs kursieren immer zahlreiche menschliche Influenzaviren. Wenn es nun zu einer Doppelinfektion kommt - sich eine Person also bei einem anderen Menschen und einem Tier gleichzeitig ansteckt -, kann es zu einer Vermischung der Viren und einer so genannten Neusortierung kommen.

Das Resultat wäre eine neue Virusvariante, gegen die Menschen unter Umständen nicht geschützt sind. "Dieser Gedanke macht mir durchaus Sorgen", sagt Burger vom RKI. Denn durch einen solchen Austausch wurden auch früher schon die großen Grippe-Epedemien mit Millionen Toten verursacht, darunter die Spanische Grippe von 1918 oder die Hongkong-Grippe der 60er-Jahre.

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