Forscher aus den USA, Japan und der Schweiz weisen Biomoleküle nach
Chemie-Nobelpreis für Analytiker

Die diesjährigen Nobelpreisträger in Chemie haben bestehende Analysetechniken optimiert. Mit ihren Methoden ist es nun möglich, große Biomoleküle eindeutig zu identifizieren und deren Struktur zu untersuchen.

hst/hsn STOCKHOLM/DÜSSELDORF. Für die Entwicklung neuer Methoden, mit denen Biomoleküle gezielter untersucht werden können, sind gestern drei Wissenschaftler mit dem Chemie-Nobelpreis ausgezeichnet worden. Den Preis teilen sich John Fenn (85) aus den USA und Koichi Tanaka (43) aus Japan mit Kurt Wüthrich (64) aus der Schweiz.Die drei Forscher haben Möglichkeiten geschaffen, Proteine im Detail zu analysieren und dreidimensional darzustellen. Das habe das Verständnis der Lebensprozesse erweitert, teilte das Nobel-Komitee gestern in Stockholm mit.

Die neuen Analysemethoden haben die Entwicklung neuer Heilmittel und Wirkstoffe revolutioniert und eine große Bedeutung für die Diagnostik von Krankheiten. Mit Hilfe der Verfahren lassen sich große biologische Moleküle wie Proteine nachweisen und im Detail untersuchen. Alle drei Nobelpreisträger haben eine gängige Untersuchungsmethode, mit der bislang nur kleinere Moleküle untersucht werden konnten, so weiterentwickelt, dass nun auch große, so genannte Makromoleküle mit ihnen analysiert werden können.

Die von Fenn und Tanaka weiterentwickelte Massenspektrometrie ist eine wichtige Analysemethode, die heute in nahezu jedem Chemielabor angewendet wird. Fenn und Tanaka haben diese Technik so weiterentwickelt, dass nun mit ihr auch die exakte Masse von großen Biomolekülen bestimmt werden kann. So wurde erst kürzlich der bei der Erhitzung von Kartoffelprodukten wie Pommes Frites oder Chips entdeckte Krebs erregende Stoff Acrylamid mit Hilfe der neuen Methode in der Massenspektrometrie identifiziert. Der Schweizer Forscher Wüthrich hat dagegen die Kernmagnetische Resonanzspektroskopie (NMR) weiterentwickelt. Dadurch ist es nun auch mit dieser Technik möglich, größere Biomoleküle wie beispielsweise Proteine zu untersuchen.

"Diese Untersuchungsmethode war zunächst auf die Strukturaufklärung von kleineren Proteinmolekülen beschränkt", erläutert Christian Renner, NMR-Spezialist am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried bei München. Die Aufklärung der Struktur großer biologischer Moleküle sei insbesondere bei der Forschung nach neuen Medikamenten von Bedeutung. Renner: "Wenn bekannt ist, wie beispielsweise ein krankmachendes Protein aussieht, können Pharmaforscher gezielt nach einem Wirkstoff suchen, mit dem die Krankheit bekämpft werden kann."

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