Forscher der Uni Bochum wollen die Akzeptanz von synthetischer Sprache verbessern
Computer müssen erst noch sprechen lernen

Künstliche Sprache aus dem Computer klingt unnatürlich und blechern. Dies wollen Forscher der Ruhr Bochum-Universität ändern. Sie untersuchen die Akzeptanz von synthetischer Sprache.

HB BOCHUM. Computer sollen vor allem im Auto und in der Telekommunikation Informationen per Sprache an die Nutzer weitergeben. Die bislang verwendeten Verfahren zur Generierung von Sprache durch den PC waren jedoch wenig erfolgreich. Viele Zuhörer reagieren genervt auf die unnatürliche, unangepasste Sprechweise.

Um dieses Manko zu beheben, wollen Sprachwissenschaftler und Ingenieure an der Ruhr Bochum-Universität die Sprachsynthese situationsabhängig machen. "Unser Ziel ist es, künstliche Sprache nachträglich um jene typischen Merkmale zu erweitern, die eine Sprache natürlich erscheinen lassen", erläutert Ute Jekosch vom Institut für Kommunikationsakustik der Ruhr-Uni Bochum das Projekt.

Menschen sprechen untereinander oft langsamer, wenn besonders wichtige Informationen vermittelt werden sollen, oder lauter, wenn die äußeren Bedingungen Störgeräusche wahrscheinlich machen. Betonung, Geschwindigkeit, Veränderung der Lautstärke sind Informationsträger, derer sich synthetische Sprache zurzeit noch nicht bedienen kann.

Um herauszufinden, welche Eigenschaften oder Merkmale der natürlichen Sprache für die Modellbildung besonders wichtig sind, untersuchen die Bochumer die Sprachausgabe in speziellen Anwendungen, beispielsweise für Verkehrsleitsysteme. Die gewonnenen Daten bilden die Grundlage, auf der dann beispielsweise für Navigationsgeräte eine Sprachsynthese entwickelt werden kann. Die Ergebnisse dieser interdisziplinären Forschung, an der neben Ingenieuren insbesondere Sprach- und Kommunikationswissenschaftler beteiligt sind, sollen dann Produktentwicklern das Wissen an die Hand geben, um eine besser verständliche synthetische Sprache zu konstruieren.

Hersteller von Navigationssystemen zeigen Interesse

Vor allem Hersteller von Navigationstechnik zeigen Interesse an den Forschungen der Bochumer. So beteiligten sich unter anderem Siemens VDO Motive und Bosch an dem Projekt. "Es ist gut, dass jetzt einmal grundlegend die Erwartungen an synthetische Sprache formuliert werden", sagt auch Petra Wagner, Forscherin am Institut für Kommunikationsforschung und Phonetik in Bonn. "Nur so erhalten die Entwickler Anhaltspunkte, in welche Richtung sie die Sprachausgabe optimieren müssen."

Jahrelang seien diese davon ausgegangen, es komme vor allem auf die Erzeugung einer bestimmten Sprachmelodie an. "Wir haben die Worte in einzelne Laute zerlegt, diese anschließend wieder zusammengeführt und moduliert", beschreibt die Forscherin an der Uni Bonn das aufwendige Prozedere, das letztendlich auch nicht zum Erfolg geführt hat.

Starkes Interesse an der Entwicklung von sprechenden Computern zeigt auch das Bochumer Unternehmen G-Data. Das Startup-Unternehmen besitzt mit Logox eine der kompaktesten Lösungen zur Umwandlung von Text in gesprochene Sprache. Diese lässt sich sogar auf einem Mikrochip integrieren. Insbesondere im Mobilbereich sieht Michael Klatte vom Bochumer Software-Hersteller ein gewaltiges Marktpotenzial: "Je kleiner und damit schlecht lesbarer das Display beim Handy oder Minicomputer ist, desto interessanter wird die Nutzung der Computerstimme, die die Information vorliest."

Das Unternehmen hat eine Software für die Sprachausgabe von Infos aus dem Internet entwickelt - mit der E-Mails oder Webseiten vorgelesen werden. Um zu zeigen, wohin die Reise in der Sprachsynthese geht, haben die Bochumer die Software so programmiert, dass der PC je nach Wahl mit französischem oder hessischem Akzent spricht. Wer neue Software ausprobieren will, kann das notwendige Programm unter www.webspeech.de auf seinen Rechner laden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%