Forscher entwickeln autonome Rechnersysteme
Computer passen sich an

Lernfähige Arbeitsplätze, die von sich aus erkennen, wie sie den Menschen optimal unterstützen und selbstständig denkende Ampeln, die je nach Verkehrslage entscheiden, wie sie den Fahrzeugfluss regeln - das sind nur zwei Beispiele für das, was Computerexperten mit Blick auf gegenwärtige Entwicklungen in der Informationstechnologie für die nahe Zukunft erwarten.

HB HANNOVER. Informatiker des Fachgebiets System- und Rechnerarchitektur (SRA) der Universität Hannover haben zusammen mit der Gesellschaft für Informatik und der Informationstechnischen Gesellschaft Anwendungsszenarien für etwas entwickelt, das sie den "organischen Computer" nennen. Darunter verstehen die SRA-Experten jedoch nicht nanotechnologische Entwicklungen wie die Versuche, Proteinketten als Datenspeicher zu nutzen, sondern Rechner mit quasi biologischen Eigenschaften wie der Fähigkeit zur Selbstheilung und zur eigenständigen Suche nach Ressourcen.

"Es ist ein provokativer Begriff", räumt der Hannoveraner Informatiker Professor Christian Müller- Schloer ein, aber provokant ist auch die Kernthese der Forscher: Die Technik entwickele immer mehr lebensähnliche Eigenschaften. Dies führe zu Selbstorganisation, Selbstoptimierung, Selbstheilung und Selbstschutz. "Wir erwarten diese Entwicklung bei allen Geräten, die uns umgeben", sagt Müller-Schloer. Die Informationstechnik werde immer komplexer und in immer vielschichtigere Netzwerke eingebunden. "Sie muss daher an Autonomie gewinnen, um ihre immer umfangreicheren Aufgaben erledigen zu können", erklärt der Forscher.

Am SRA laufen Forschungsarbeiten, die dieses Prinzip bereits umsetzen und zur Realisierung des organischen Computers beitragen: So sorgt ein so genanntes adaptives Kommunikationssystem dafür, dass sich Laptops oder Handys spontan drahtlos vernetzen und Daten austauschen. Termine und Adressen, die auf beiden Geräten gleichzeitig gespeichert sind, werden so automatisch synchronisiert ohne dass der Nutzer selbst daran denken muss.

Eine andere SRA-Entwicklung betrifft die Verkehrssteuerung. Auch wenn der Begriff "Künstliche Intelligenz" zu hoch gegriffen ist, setzen die Forscher auf lernende Computer. In Hannover entwickelte adaptive Ampelsteuerungen optimieren den Verkehrsfluss ohne Hilfe des Menschen, indem sie aus Verkehrsmustern Schlüsse ziehen und künftige Situationen voraussagen. Sie beobachten beispielsweise den Verkehrsfluss und entscheiden dann jeden Tag neu, wie lange es beispielsweise nach Feierabend sinnvoll ist, die Ampeln Richtung stadtauswärts länger Grün zu schalten, um den Verkehr zu entzerren.

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