Forscher entwickeln UMTS-Formate
Spaßige Videoclips auf Handy locken neue Kunden

Witzige Werbefilme, die auf UMTS-Handys verschickt werden, sollen nicht nur neue Kunden bringen. Die Werbebotschaften könnten auch helfen, das Netz der dritten Mobilfunkgeneration zu finanzieren.

FRANKFURT. Das Handy klingelt. Der Liebste schickt einen dicken Schmatz über den Äther - mit freundlicher Unterstützung von Wella. Zu Weihnachten ließ McDonald?s den kuscheligen Elch Rudi, Botschaften übermitteln, Modemarke S. Oliver versendet Einkaufsgutscheine in Form einer codierten Handy-Mitteilung. Das ist der Stand von mobilem Marketing heute: eine maximal 160 Zeichen umfassende Textbotschaft mit Audio-Element.

Wie mobiles Marketing im Zeitalter von UMTS aussehen kann, daran arbeitet zur Zeit unter anderem die Münchener Marketingagentur 12snap in einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit Lucent Technologies und der Universität Regensburg. Das Projekt wird vom Bundeswirtschaftsministerium mit einem mittleren einstelligen Millionenetat unterstützt und ist Teil des Wettbewerbs "MobilMedia", mit dem die Entwicklung und Erprobung von mobilen Multimediadiensten angeregt und gefördert werden soll.

Mit UMTS wird das Versenden von Bewegtbildern möglich. Entsprechend konzentriert sich 12snap bei den Forschungen mit dem UMTS-Testnetz von Lucent auf die Entwicklung von Werbebotschaften, die als Videoclip - so genannte Video-Card - auf das künftige UMTS-Handy geschickt werden können. Diese Clips sollen künftig für große Markenartikler zum Kernelement mobiler Kommunikation werden, so Bernd Mühlfriedel. Der Vorstand Finanzen bei 12snap in München ist für das Forschungsprojekt Mobiles Marketing mit zuständig.

Jingles verbunden mit Videoclips, animierte interaktive Spiele - Ziel der Forschung auf dem UMTS-Testnetz soll es sein, dass der Handynutzer ohne große Vorkenntnisse multimediale Botschaften an Freunde versenden kann. Dazu bedarf es einer Technik, mit der die mobilen Inhalte möglichst einfach zusammengestellt werden können. Gedacht ist an automatische Editiersysteme, die beispielsweise Bildinhalte in Streaming Videos einfügen.

Die Euphorie über die Zukunft dieser jungen, interaktiven Werbeform hat sich zwar mit der Ernüchterung über die neue Mobilfunkgeneration UMTS gelegt. Dennoch sind sich die Anbieter von mobilem Marketing sicher, dass Werbebotschaften via Handy einen steigenden Anteil im Marketing-Mix der werbetreibenden Wirtschaft haben werden. Schließlich ist die Begeisterung der Handynutzer, Botschaften zu verschicken, ungebrochen: Laut Regulierungsbehörde sind im vergangenen Jahr 23,6 Mrd. SMS-Botschaften von Handy zu Handy verschickt worden, knapp 48 % mehr als noch im Jahr zuvor. Textnachrichten mit Fotos mit dem seit vergangenem Jahr in Deutschland eingeführten Multimedia Messaging Service (MMS), wurden insgesamt drei Millionen Mal versendet.

Die Videoclips sollen dazu dienen, die neue Mobilfunkgeneration durch mobiles Marketing zu refinanzieren. "Gerade in der jungen Zielgruppe ist die Bereitschaft groß, das Handy zur Unterhaltung zu nutzen. Nur muss das für sie auch bezahlbar sein", so Mühlfriedel. "Damit UMTS für den Massenmarkt attraktiv wird, muss es durch mobiles Marketing gesponsert werden."

Ingo Lippert, CEO der ebenfalls in München ansässigen Mobile-Marketing-Agentur MindMatics AG, sieht die Situation ähnlich und zieht den Vergleich zum Privatfernsehen: "Was wir heute im Mobilfunk haben, ist vergleichbar mit dem Abofernsehen Premiere. Wenn wir bei UMTS eine breite Nutzung wie im Privatfernsehen erzielen wollen, muss mobile Kommunikation durch Werbung finanziert werden."

Über die Akzeptanz mobiler Sponsorings und Werbekonzepte machen sich die Anbieter zumindest in der jungen Zielgruppe der 15- bis 35-Jährigen keine Sorgen. Schließlich haben sie schon jetzt mit SMS- und MMS-Werbung Millionen registrierter Nutzer, die ihre Einwilligung gegeben haben, Werbebotschaften aufs Handy geschickt zu bekommen. Und nur mit dieser Einwilligung ist mobiles Marketing rechtens. Auch wenn es natürlich immer wieder schwarze Schafe gibt, die ohne vorherige Erlaubnis der Handybesitzer Werbung versenden.

Insgesamt wird es noch einige Zeit dauern, bis Werbung im UMTS-Standard über den Äther an eine nennenswerte Zahl von Nutzern geschickt werden kann. Mühlfriedel rechnet nicht vor 2005 damit. Denn auf dem Weg dahin gibt es noch viele Hürden zu nehmen, auf die Anbieter von mobilem Marketing wenig Einfluss haben - neben der Verfügbarkeit des Netzes ist dies der Preis für die Handys der dritten Mobilfunkgeneration.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%