Forscher ergründen den Orientierungssinn von Ameisen
Roboter lernen von intelligenten Insekten

Der Fortschritt ist eine Ameise - davon geht jedenfalls eine deutsch-schweizerische Forschergruppe aus, die Ameisen untersucht, um so Erkenntnisse zu gewinnen, warum diese über eine hervorragende Navigationsfähigkeit verfügen.

BERLIN. Die Ergebnisse könnten wertvoll für die Entwicklung intelligenter Roboter sein. Die Volkswagen-Stiftung fördert das Projekt mit dem Ziel, die räumliche Orientierung von Robotern so weit zu verbessern, dass sie selbstständig zum Beispiel verseuchte Gebiete dekontaminieren können.

Forscher der Hochschulen in Jena, Ulm, Zürich und von der Humboldt-Universität in Berlin können mit herkömmlichen mitteleuropäischen Ameisen allerdings nichts anfangen; es muss schon die Wüstenameise Cataglyphis sein. Diese nutzen polarisiertes Himmelslicht zur Orientierung. "Das sind für menschliche Augen unsichtbare Muster am Himmel, die sich je nach Sonnenstand verändern", sagt Verhaltensphysiologe Bernhard Ronacher von der Humboldt-Universität.

Hiesige Ameisen fänden ihren Weg zurück ins Nest anhand einer Duftspur, erläutert der Wissenschaftler weiter. Wenn scharfe Wüstenwinde den Sand forttreiben, tauge diese Methode jedoch nicht. "Stattdessen berechnen Cataglyphis-Ameisen anhand einer Art Vektorrechnung ihren Rückweg", sagt der Forscher. Nicht mit Sinus und Kosinus, sondern auf eine einfachere, unbekannte Weise. Und das mit einem Gehirn, das gerade 0,1 Milligramm wiegt. Zoologe Rüdiger Wehner von der Universität Zürich experimentiert seit 30 Jahren mit den intelligenten Insekten und stützt die These von den sehr komplexen Rechnungen, die die Tierchen bewältigen.

Nun werden die Forscher in der tunesischen Wüste verwinkelte Kanäle verlegen, durch die die Ameisen variationsreich ihren Weg zurück ins Nest finden müssen. Erste Tests haben bereits gezeigt, dass die Insekten unabhängig von Verlauf des Weges, Höhenunterschieden und Hindernissen immer den Rückweg finden. Und wenn das Nest verrückt worden ist, stoppen die kleinen Tiere exakt dort, wo es vorher stand. "Ein klares Indiz dafür, dass sie sich die Entfernung merken und den Weg errechnen können", sagt Ronacher.

Zoologe Wehner hat sogar schon einen Wüstenroboter konstruiert, der sich am Himmelsmuster wie auch an Landmarken orientiert. Allerdings sei das sechsrädrige Gefährt dem natürlichen Vorbild noch deutlich unterlegen.

Quelle: Handelsblatt

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