Forscher setzen bei der Entgiftung von Wasser und Erde auf biologische Methoden
Pflanzen säubern verseuchte Böden

Eine Bodenverseuchung mit Schwermetallen ist ein Albtraum für Bauherren: Die Erde muss abgetragen und aufwendig gereinigt werden. Künftig könnte es genügen, Pflanzen auf die verseuchte Fläche auszusäen.

KÖLN. Entgiftungspflanzen könnten die Bodensanierung revolutionieren: Mehrere Forschungsgruppen arbeiten daran, Gewächse für verschiedene Verseuchungen zu züchten. "Wir haben beobachtet, dass bestimmte Arten auf stark metallhaltigen Böden gut gedeihen", sagt Stephan Clemens vom Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie in Halle. "Sie nehmen Metalle auf und reichern sie in Stiel und Blättern an, ohne dabei Schaden zu nehmen." Mit Kollegen des Max-Planck-Instituts für molekulare Pflanzenphysiologie in Golm und der Universität Kopenhagen will Clemens herausfinden, welche Gene in den Pflanzen dafür verantwortlich sind. "Wir haben bereits eine Reihe von möglichen Gen-Kandidaten identifiziert", so Clemens.

In einem nächsten Schritt sollen diese Gene anderen Arten eingepflanzt werden. Das Fernziel: Für jede Art von Verseuchung, Klimasituation und Bodenbeschaffenheit soll die richtige Entgiftungspflanze entwickelt werden.

Oft kommen gesundheitsgefährdende Belastungen auf ehemaligen Industrie- und Militärflächen erst bei Bauarbeiten ans Tageslicht. Anstelle des großflächigen Abtragens könnte der Anbau von pflanzlichen "Metallakkumulatoren" eine vergleichsweise einfache und preiswerte Reinigung ermöglichen - zumindest bei schwach belasteten Böden. "Bei jeder zweiten Altlast ließe sich so ein Teil der Schadstoffe aus dem Boden holen", sagt Stephan Clemens. So könne man durch den Anbau von bestimmten Pflanzen Ackerflächen reinigen, die jahrelang mit schwermetallhaltigem Klärschlamm gedüngt wurden. Die vollständige Entgiftung von mehrfach oder stark verseuchten Flächen sei allerdings vorerst noch Zukunftsmusik, schränkt er ein.

Der Vorteil der Pflanzen: Das in den Blättern und Stielen gesammelte Schwermetall lässt sich einfach abernten und konzentriert deponieren. Es gebe sogar bereits erfolgreiche Versuche, Metalle aus den Pflanzen zurückzugewinnen und wiederzuverwerten. Das lohne freilich nur, wenn der Marktwert für die Metalle stimme.

Während die Entfernung von Schwermetallen mit Pflanzenhilfe im großen Stil noch grundlegender Forschung bedarf, werden Pflanzen zur Beseitigung von anderen - organischen - Schadstoffen schon erfolgreich kommerziell eingesetzt.

Die Bioplanta GmbH im sächsischen Delitzsch beispielsweise hat sich auf die Erforschung von Säuberungspflanzen, so genannten Phytoremediatoren, spezialisiert. Sie berät Firmen und Kommunen, bei welcher Belastung der Anbau welches Gewächses Erfolg verspricht. "Gerade bei der Säuberung von giftigem Klärschlamm und sprengstoffhaltigem Boden hat sich diese Phytoremediation bewährt", sagt Anja Hebner von Bioplanta. Bestimmte Pflanzen würden auch an den Wurzeln spezielle Bodenbakterien aktivieren, die Schadstoffe verarbeiten können.

Gute Erfahrungen mit der Phytoremediation gibt es auch bei der Abwasserbehandlung - einem der drängendsten Probleme der Entwicklungsländer. Jährlich sterben mehr als fünf Millionen Menschen durch verunreinigtes Trinkwasser. Lediglich fünf Prozent der Abwässer werden weltweit gereinigt. Länder, die sich keine flächendeckende konventionelle Abwasser-Aufbereitung leisten können, könnten mit preiswerten Pflanzenkläranlagen Gifte und Verunreinigungen entfernen und Krank machende Keime reduzieren. Forschungsanlagen wie die des Umweltforschungszentrums Leipzig- Halle beweisen, dass es sich dabei keineswegs um eine Notlösung handelt: Die Pflanzenkläranlagen sind der konventionellen Technik mindestens ebenbürtig, wenn nicht überlegen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%