Forscher und gewiefter Geschäftsmann
Craig Venter setzt bei Genforschung auf Schnelligkeit

afp WASHINGTON. Der Name von Craig Venters Unternehmen ist Programm: Celera ist nicht zufällig sprachlich verwandt mit dem englischen Wort für Schnelligkeit. Kein Wunder also, dass sich der 53-jährige Wissenschaftler alle Mühe gibt, dem Namen seiner Firma im US-Bundesstaat Maryland gerecht zu werden. Schon im April verkündete Celera Genomics, das menschliche Erbgut fast vollständig entschlüsselt zu haben. Venter sicherte sich damit den Ruf des Vaters der Genom-Karte - auch wenn er jetzt zusammen mit der internationalen Forschungsgemeinschaft Human Genome Project ins Ziel geht.

Jahrelang war Venter nur ein Rädchen im Forschungsgetriebe der Nationalen Gesundheitsinstitute der USA. Dann packte ihn der Ehrgeiz. Mit Hilfe eines Finanziers gründete er ein privates Forschungslabor und setzte sich dasselbe Ziel wie die rund tausend Mitarbeiter des Humangenom-Projekts. Nur nahm er sich vor, die menschlichen Erbanlagen viel früher vollständig zu erfassen und zu typisieren, als es die internationale Forschungsgemeinschaft angekündigt hatte.

Venters zügiger Erfolg gründet in seinem Ansatz: Anstatt die Desoxyribonukleinsäure (DNS), in der die Erbinformationen gespeichert sind, Stück für Stück zu untersuchen, zerschnitt er sie zuerst in viele Einzelteile. Diese ließen sich leichter unter die Lupe nehmen, mussten aber anschließend mühevoll wieder zusammengesetzt werden. Zu diesem Zweck setzte Venter einen Computer ein, dessen Leistungsfähigkeit seinen Angaben zufolge nur noch von dem Großrechnern des Pentagon übertroffen wird.

Bevor Venter sich das menschliche Erbgut vornahm, testete er die Methode an der DNS eines Bakteriums, das Hirnhautentzündung verursacht. Es gelang ihm damit, erstmals die Erbinformation eines einzelnen Organismus vollständig zu entschlüsseln. Vor etwa zwei Jahren verkündete Venter - zum Schrecken und Gespött der internationalen Forschungsgemeinschaft -, er werde sich nun mit der Entschlüsselung des menschlichen Erbguts beschäftigen.

Mit gutem Gespür für Selbstinszenierungen und das Sensationsbedürfnis der Medien ging Venter eneut an die Öffentlichkeit, sobald der erste Teil der Arbeit abgeschlossen war. Das Ergebnis glich einem Puzzlespiel mit unzähligen Teilen, die zwar jedes für sich identifiziert, aber noch nicht zusammengesetzt waren. Gleichwohl kann Venter sich zugute halten, es als erster geschafft zu haben. Mit der Entschlüsselung des menschlichen Erbguts wird nun sein Name verbunden.

Bei seinen Konkurrenten erntete die bei Celera praktizierte Schnellschuss-Methode immer wieder Kritik. Viele Kollegen befürchteten, Venter wolle sich möglichst viele der von ihm identifizierten Gene patentieren lassen. Doch der Firmenchef versichert, er werde die Rohdaten der Genom-Karte gratis veröffentlichen. Anders sieht es mit der Software aus, die zur Ansicht und Analyse der Informationen notwendig ist. Es müsse verhindert werden, dass andere am Vertrieb oder an einer Neuverpackung des Wissens verdienten, erläutert eine Firmensprecherin.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%