Forschung wird auf Krebstherapien konzentriert
Merck plant intelligente Allianzen statt großer Zukäufe

Mit hohem Einsatz in der Krebsforschung will die Darmstädter Merck-Gruppe ihr Pharmageschäft auf eine breitere Basis stellen. Vorerst wird das Engagement die Ertragskraft der Sparte noch bremsen. Große Zukäufe oder ein Rückzug aus der Spezialchemie stehen für den neuen Firmenchef daher nicht zur Debatte.

HB DARMSTADT. Nicht durch große Akquisitionen, sondern durch Kooperationen und gezielte Forschung treibt die Darmstädter Merck-Gruppe ihr Pharmageschäft voran. "Wir haben so viel in der Pipeline, dass wir das nicht alles mit erster Priorität abarbeiten können", sagte der neue Firmenchef Bernhard Scheuble im Gespräch mit dem Handelsblatt. Darum sucht der Pharma- und Chemiekonzern zurzeit Partner für die Weiterentwicklung einer Reihe von Wirkstoffen.

Gleichzeitig bemüht sich Merck, die eigenen Schwerpunkte durch Kooperationen zu ergänzen. Im Zuge dieser Strategie hat die Gruppe vor kurzem ein Krebsmedikament von Smithkline Beecham einlizenziert und eine Vertriebskooperation für das vom Schweizer Pharmakonzern Novartis entwickelte Diabetes-Medikament Starlix vereinbart. Er wolle weitere dieser "intelligenten Allianzen" schmieden, sagte Scheuble, der vor drei Monaten als Nachfolger des langjährigen Firmenchefs Hans Joachim Langmann die Führung bei Merck übernommen hat.

Die Starlix-Kooperation ergänzt das für Merck derzeit noch besonders wichtige Geschäft mit Diabetes-Medikamenten. Das bisherige Hauptprodukt Glucophage wird auf dem wichtigen US-Markt bisher vom Lizenznehmer Bristol-Myers Squibb vermarktet, wird dort aber in Kürze seinen Produktschutz verlieren.

Neues Arbeitsgebiet Krebs

Ihre eigene Pharmaforschung hat die Merck-Gruppe in den vergangenen Jahren stark auf das neue Arbeitsgebiet Krebs ausgerichtet. Diese Aktivitäten sollen in den kommenden Monaten durch die Übernahme eines hoch interessanten europäischen Biotech-Unternehmens weiter verstärkt werden. Merck ist zwar in der Krebstherapie bisher kaum vertreten, sieht sich mit zehn Wirkstoffen in der klinischen Prüfung aber in einer guten Ausgangsposition, um mittelfristig unter die führenden Anbieter aufzurücken. Die ersten Produkte sollen 2002 auf den Markt kommen.

Das Arbeitsgebiet ist aus Sicht Scheubles nicht nur wegen der raschen Fortschritte in der Wissenschaft besonders interessant. Es biete auch den Vorteil, dass der Marketingaufwand überschaubar sei. "Wir sind groß genug, um in diesem Bereich mithalten zu können", ist er überzeugt.

Ertragsentwicklung durch Krebsforschung gebremst

Dessen ungeachtet wird das ehrgeizige Engagement in der Krebsforschung die Ertragsentwicklung der Merck - Pharmasparte vorerst bremsen. Es wird nun einige Jahre länger dauern, bis sie das Ziel einer operativen Rendite von 20 % erreicht.

Bezogen auf das rund drei Mrd. DM starke Geschäft mit Originalmedikamenten investiert der Konzern derzeit rund ein Viertel seiner Erlöse in die Pharmaforschung. Auch vor diesem Hintergrund erachtet Scheuble eine Fokussierung der Forschung und Entwicklung als besonders wichtig. Den hohen Einsatz in der Pharmaforschung könne Merck letztlich nur deshalb tragen, weil andere, reifere Aktivitäten einen hinreichend stabilen Ertrag und Cash-Flow gewährleisteten.

Neuausrichtung in Teilsegmenten

Eine Abkehr von der bisherigen Konzernstruktur mit den Geschäftsbereichen Pharma, Spezialchemie und Labor steht für den neuen Merck-Chef nicht zur Debatte. Wohl aber zielt er auf eine Neuausrichtung in Teilsegmenten, so etwa bei Elektronikchemikalien. Die nach Übernahme der VWR-Gruppe inzwischen gut 4 Mrd. DM große Laborhandels-Sparte will Scheuble in etwa zwei Jahren an die Börse bringen. Dagegen betrachtet er das weiterhin wachstumsstarke Pigmentgeschäft und die boomende Sparte Flüssigkristalle mit mehr als 400 Mill. DM Umsatz als langfristig wichtige Ertragssäulen des Konzerns.

Ähnliches gilt für das 1,5 Mrd. DM starke Geschäft mit Nachahmerprodukten (Generika). Diese Sparte wurde unter dem Dach der Merck Generics Holding zusammengefasst. Ein Verkauf oder Börsengang, ist laut Scheuble nicht geplant. Eher wolle Merck sich verstärken. "Das ist ein Geschäft, das uns gefällt."

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