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Forschungsprojekt: Schlechtes Image der Private Equity-Anbieter bei Familienunternehmen

Gegenseitige emotionale Vorbehalte, tief sitzendes Misstrauen und sich hartnäckig haltende ...

Gegenseitige emotionale Vorbehalte, tief sitzendes Misstrauen und sich hartnäckig haltende Klischees dominieren das Verhältnis von Familienunternehmern und Private-Equity-Investoren und verhindern eine partnerschaftliche Geschäftsbeziehung. Das zeigt ein vom KfW-Stiftungslehrstuhl für Entrepreneurial Finance und vom Center for Entrepreneurial and Financial Studies (CEFS) an der Technischen Universität München in Kooperation mit Apax Partners durchgeführtes Forschungsprojekt.
Auslöser für die Analyse war die Frage, warum privates Beteiligungskapital bei Familienunternehmern überwiegend auf Ablehnung stößt und beinahe die Hälfte aller Deals scheitert. Rationale Argumente und die objektiven Rahmenbedingungen (chronische Eigenkapitalschwäche, Basel II) liefern dafür keine schlüssige Begründung. Deshalb wurde erstmals mit Hilfe psychologischer Kompetenz geklärt, wo die Probleme liegen.
"Ihr schlechtes Image bei mittelständischen Unternehmern haben sich die Private-Equity-Anbieter zu einem Großteil selbst zuzuschreiben", resümiert Prof. Dr. Dr. Ann-Kristin Achleitner vom KfW-Stiftungslehrstuhl ein zentrales Ergebnis des Forschungsprojekts. "Es ist ihnen bisher nur in geringem Maße gelungen, sich in die Welt und die Kultur von Familienunternehmen hineinzuversetzen."
Etliche Fehlurteile würde es gar nicht geben, wären die Unternehmer besser über das Geschäft und die Vorgehensweise von Private Equity-Anbietern informiert. Beispielsweise weisen viele Familienunternehmer den Gedanken, einen Private Equity-Investor mit ins Boot zu nehmen, schon deshalb weit von sich, weil sie sich dadurch in ihrem Selbstwertgefühl bedroht und in ihrer Leistung herabgesetzt sehen. Tatsächlich aber gehen Beteiligungsgesellschaften eine Partnerschaft nur mit gut geführten, entwicklungsfähigen Unternehmen ein, deren Management überzeugende Qualitäten mitbringt. Unternehmer, die diese Messlatte kennen, müssten sich also eher in ihren Fähigkeiten bestätigt als abgewertet fühlen.
Um Missverständnissen und Vorurteilen in Zukunft vorzubauen, hat Apax Partners in Zusammenarbeit mit dem KfW-Stiftungslehrstuhl für Entrepreneurial Finance und dem Center for Entrepreneurial and Financial Studies (CEFF) zehn Handlungsmaximen entwickelt, die einen konstruktiven Dialog zwischen Familienunternehmern und Private-Equity-Gesellschaften fördern. Hier einige der wichtigsten:

  • Bestreben beider Parteien sollte eine Win-Win-Situation sein. Deshalb ist eine sensible Verhandlungsführung, in der von Anfang an eine partnerschaftliche Beziehung hergestellt wird, von entscheidender Bedeutung für den Erfolg.
  • Für Gespräche mit Familienunternehmern sollten Private Equity-Gesellschaften diejenigen Mitarbeiter auswählen, die zum jeweiligen Unternehmen und seiner Kultur passen und aufgrund ihrer Erfahrung und Menschenkenntnis die Akzeptanz des Unternehmers finden.
  • Private Equity-Experten sollten ein Unternehmen nicht nur anhand von Zahlen analysieren, sondern sich ein ganzheitliches Bild von dem Unternehmen machen, das auch kulturelle und qualitative Aspekte enthält, beispielsweise das Ansehen als Arbeitgeber oder die Zuverlässigkeit als Geschäftspartner.
  • Beteiligungsgesellschaften sollten den Faktor soziale Kompetenz nicht unterschätzen und dies bereits beim Recruiting neuer Mitarbeiter berücksichtigen. Auch Techniken wie Konfliktmanagement und Verhandlungsführung sollten Private Equity-Anbieter ihren Mitarbeitern gezielt vermitteln.


Die Basis der Untersuchung bilden qualifizierte Tiefeninterviews, bei denen neben den Unternehmern selbst alle Gruppen berücksichtigt wurden, die für einen Mittelständler in Finanzierungsfragen besonders wichtig sind: Unternehmensberater, Vertreter von Verbänden, Manager und Mitarbeiter von Beteiligungsgesellschaften und Banken sowie Rechtsanwälte und Wissenschaftler.
Als Familienunternehmen wurden diejenigen Unternehmen bezeichnet, in denen eine oder zwei Personen geschäftsführend tätig sind und zusammen (oder deren Familien) mindestens 50% der Anteile am Unternehmen halten. Ein weiteres Kriterium war, dass der Umsatz des Unternehmens zwischen 100 und 500 Mio. Euro liegt.

Quelle: FINANZ BETRIEB, 26.11.2004

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